Der Trump-Vergleich ist eine Beleidigung für Blocher

Donald Trump ist der Mann der opportunen Lüge. Christoph Blocher sollte den Vergleich mit dem US-Präsidenten deshalb nicht auf sich sitzen lassen.

Steve Bannon: «Blocher war Trump bevor Trump» (Video: Tamedia/SDA)

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«Blocher war Trump, bevor es Trump gab», sagte Steve Bannon bei seinem kürzlichen Auftritt in Zürich. Wahr daran ist nichts. Man muss nicht mit Christoph Blochers politischen Zielen übereinstimmen, um dem Alt-Bundesrat Charakter zu attestieren. Trump hingegen ist ein Mann der opportunen Lüge und der Halsabschneiderei.

Dass Christoph Blocher eine Liebschaft mit einer vollbusigen Porno-Darstellerin namens Stormy Daniels gehabt hätte: Völlig unvorstellbar. Trump hingegen hatte eine solche Affäre. Auch wenn er sie abstreitet. Trump lügt. Wer würde 130’000 Dollar Schweigegeld für nichts und wieder nichts bezahlen? Und welcher Anwalt würde dies eigenmächtig tun, ohne seinen Mandanten von der Zahlung zu unterrichten?

Selbstverständlich hatten Trump und Stormy Daniels eine Affäre. Und natürlich überwies Trumps Anwalt Michael Cohen das Geld, um kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016 Stormys Schweigen zu erkaufen. Christoph Blocher würde niemals etwas derartiges tun. Auch bezahlt Blocher gewiss seine Lieferanten und Installateure, indes Trump oft mauerte, bis die Lieferanten und Installateure so verzweifelt waren, dass sie für jeden geschuldeten Dollar mit zehn Cents vorliebnahmen.

Das Lügen infiziert seine Umgebung

Noch schlimmer: Trump lügt jeden Tag, dass sich die Balken biegen. Und seine permanente Bereitschaft zur Lüge infiziert seine gesamte Umgebung. Seine Kommunikationsdirektorin Hope Hicks gab neulich zu, dass sie für Trump gelegentlich log.

Trumps ehemaliger Pressesprecher Sean Spicer log so oft und dermassen dreist für Trump, dass sein Curriculum Vitae schweren Schaden nahm. Wie von Trump befohlen, log Spicer, als es um die Grösse der Menschenmenge bei Trumps Einschwörung ging. Spicers Reputation war danach im Eimer.

Zufällig Russen getroffen? Wohl kaum

Am Mittwoch wurde Erik Prince, Ex-Anführer der Blackwater-Söldnerbande und in Trumps Orbit kreisend, der Lüge überführt. Er behauptete, sich auf den Seychellen im Januar 2017 mit Geschäftsleuten aus den Emiraten getroffen zu haben. Ganz zufällig sei er dort auf Kirill Dmitriew gestossen, einen russischen Financier mit super Kontakten zu Wladimir Putin. Man habe ein Bier an der Hotelbar getrunken, nichts sonst sei vorgefallen.

Dieser Darstellung zu misstrauen war schon deshalb angebracht, weil Prince in den Emiraten wohnt – warum also sollte er auf die Seychellen fliegen, um emiratische Geschäftsleute zu treffen? Weil Sonderermittler Mueller einen Zeugen hat, ist jetzt klar, dass Prince dorthin jettete, um den Russen zu treffen und wahrscheinlich einen geheimen Kommunikationskanal zum Kreml aufzubauen.

Keine verräterische Aktionen von Blocher

Überhaupt häufen sich die Lügen von Trump und seiner Entourage, wenn es um Moskau geht. Jared Kushner, Jefferson Beauregard Sessions, Mike Flynn, Erik Prince, George Papadopoulos, Donald Trump junior: Die Unwahrheit grassiert, sobald es um Kontakte zu Russen und Russland geht. Mag sein, dass es dafür eine unschuldige Erklärung gibt. Aber vielleicht auch nicht.

Was Alt-Bundesrat Blocher betrifft, so darf man getrost wetten, dass er niemals eine womöglich verräterische Beziehung zu einem der Schweiz nicht wohlgesonnenen Staat geknüpft hätte. Auch seine Anhänger und Adlati hätten dies nicht getan. Niemals hätte Christoph Blocher beispielsweise öffentlich an die deutsche Regierung appelliert, das E-Mail-Konto von Bundesrätin Doris Leuthard zu hacken.

Anwalt widersetzt sich Trumps Anweisung

Zu sagen, Blocher sei Trump gewesen, bevor es Trump gab, ist mithin eine Beleidigung. Unter keinen Umständen hätte Blocher versucht, einen ihm missliebigen Ermittler und Staatsanwalt zu feuern wie Trump dies wollte. Und danach gelogen, wie Trump dies tat.

Nachdem die «New York Times» berichtet hatte, Trumps Rechtsberater Don McGahn habe sich einer Anweisung Trumps widersetzt und Sonderermittler Mueller nicht wie von Trump befohlen entlassen, verlangte Trump von McGahn, die Darstellung des Blatts zu dementieren: Er habe niemals einen Hinauswurf von Mueller angeordnet, log Trump. Der Anwalt widersprach und weigerte sich, den Bericht der Zeitung zu dementieren.

Blocher ist ein Stratege, Trump ist ein Scharlatan

Wer mit Trump unter einem Dach arbeitet, beschmutzt sich unweigerlich. Er oder sie gerät in knifflige ethische Dilemmas, aus denen herauszufinden schwierig ist. Wenn Trump einmal Geschichte ist, werden die Amerikaner das Weisse Haus mit einem potenten Desinfektionsmittel reinigen müssen. Weil Wände und Türen, Vorhänge und Mobiliar mit Lügen besudelt sind. Und deshalb ist Christoph Blocher nicht Trump und war es auch niemals.

Der Alt-Bundesrat ist ein Stratege, der seine politischen Überzeugungen umsetzen will. Trump hingegen ist ein Scharlatan. Mit ihm verglichen zu werden ist eine äusserst zweifelhafte Ehre. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 21:06 Uhr

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