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Der vermummte Informant

Nicolas Richter über den Streit zwischen Trump und den Medien.

Das Geheimnis eines guten Journalismus ist es, dass er Geheimnisse bewahren kann: die Namen seiner Informanten. Ohne den Zuträger «Deep Throat» hätten die Reporter der «Washington Post» vermutlich nie herausgefunden, wie tief das Weisse Haus in den Watergate-Skandal verstrickt war. Deep Throat führte sie auf die Spur, weil er wusste, dass sie ihn nie verraten würden. Journalisten stehen im Dienste der Öffentlichkeit, aber sie können nicht alles veröffentlichen. US-Präsident Donald Trump verlangt jetzt, dass Journalisten eine Quelle nur dann anzapfen dürfen, wenn sie deren Namen nennen. Trump greift damit ein Prinzip an, das dem Journalismus so heilig ist wie sonst nichts. Ohne Vertrauen zwischen Informant und Reporter ist Recherchieren unmöglich.

Für Leser, Zuhörer und Zuschauer freilich ist es oft frustrierend, die Quelle nicht zu kennen. Schliesslich bleibt eine der spannendsten Fragen – wem nützt das? – ohne Antwort. Im Schutze der Anonymität macht es sich da jemand in «Regierungskreisen» bequem, bringt andere in Verlegenheit, ohne sich je dafür rechtfertigen zu müssen. Journalisten müssen dieses Unbehagen ernst nehmen. Allerdings müssen sie auch an das Schicksal jener erinnern, die den Schutz der Anonymität verloren haben und dafür teuer bezahlen mussten. Chelsea Manning, die Militärdokumente an Wikileaks schickte, sitzt in Haft. Edward Snowden, der NSA-Exzesse enthüllte, harrt im russischen Exil aus. Viele andere Whistleblower haben sehr darunter gelitten, dass sie ihrem Gewissen folgten, wurden am Ende strafrechtlich verfolgt, waren finanziell erledigt und gesellschaftlich geächtet.

Journalisten also müssen zwischen den Interessen der Quelle und denen der Öffentlichkeit abwägen. Sie können dies tun, indem sie die Erkenntnisse ihres Informanten überprüfen und eine Geschichte aus dubioser Quelle schlicht unveröffentlicht lassen. Wenn es um den Schutz der Quelle selbst geht, sind allerdings keine Kompromisse möglich. US-Präsident Donald Trump ist nicht interessiert an gutem Journalismus. Er beurteilt Journalismus allein danach, ob er ihm huldigt oder nicht.

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