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Die amerikanische Wüste lebt

Nach Nevada gewinnen die Demokraten wohl auch in Arizona.

Liegt in Arizona nach Auszählung von Briefwahlzetteln vor der Republikanerin Martha McSally: Kyrsten Sinema. Foto: Rick D'Elia (Keystone)
Liegt in Arizona nach Auszählung von Briefwahlzetteln vor der Republikanerin Martha McSally: Kyrsten Sinema. Foto: Rick D'Elia (Keystone)

Bei der Kongresswahl von vergangener Woche haben die Demokraten nicht nur die Mehrheit im Abgeordnetenhaus erobert. Auch die Sitzverluste im Senat könnten sich, wenn alle Stimmen ausgezählt sind, in Grenzen halten. Zwar haben die Republikaner den Demokraten drei Senatssitze weggenommen, in Indiana, Missouri und North Dakota. Doch in den Wüstenstaaten Nevada und Arizona revanchierten sich die Demokraten. Hier gewann die Partei einen Sitz hinzu, und so, wie es aussieht, könnte ein zweiter folgen.

In Nevada gewann die frühere Kongressabgeordnete Jacky Rosen ihren Wahlkampf gegen den republikanischen Amtsinhaber Dean Heller. In Arizona sah es zunächst so aus, als würde sich die Republikanerin Martha McSally durchsetzen. Doch die Auszählung von Briefwahlzetteln hat der Demokratin Kyrsten Sinema einen halbwegs soliden Vorsprung beschert: Am Montag waren es um die 30'000 Stimmen, was etwa 1,5 Prozentpunkten entsprach.

Links und konservativ

Arizona ist eigentlich solide republikanisch, aber Arizonas Wähler sind nicht unbedingt ideologische Rechte. Das Ergebnis dort ist meistens knapp, republikanische Präsidentschaftskandidaten gewinnen in Arizona nicht – wie in West Virginia oder South Carolina – mit 30 Prozentpunkten Vorsprung, sondern mit 8 oder 9. Es gibt also Chancen für die Demokraten – sofern sie die richtigen Kandidaten ins Rennen schicken. Die richtige Kandidatin war Kyrsten Sinema offenbar. Sinema gehört zum konservativen Flügel ihrer Partei, bei Themen wie Einwanderung und Waffenbesitz steht sie deutlich rechts von den linksliberalen Parteidogmen. Das hat vielen Wählern gut gefallen.

Zudem hatte Sinema den Vorteil, dass ihre Gegnerin McSally weit nach rechts gerückt war. Der Senatssitz, um den die Frauen kämpften, war nur deswegen frei, weil der bisherige Amtsinhaber, der moderate Republikaner Jeff Flake, nicht mehr antrat. Dem ausgewiesenen Kritiker von Donald Trump, der vom Präsidenten immer wieder beschimpft wurde, drohte eine Niederlage in der republikanischen Vorwahl. Diese wollte er sich ersparen.

Das Ergebnis: Ein Mitte-Republikaner räumte einen Senatssitz in einem konservativen Bundesstaat, den dann – vorausgesetzt Sinemas Stimmenvorsprung hält – eine Mitte-Demokratin eroberte, indem sie eine weiter rechts stehende Republikanerin schlug. Wenn es also um die Strategie der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2020 und die Frage geht, welcher Kandidatentyp tatsächlich auf neuem Terrain gewinnen kann, können die Moderaten in der Partei nach Arizona zeigen. In der Wüste dort blüht etwas. (huw)

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