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Die Angstmacher bestimmen den Kurs

Ist Bernie Sanders der Richtige gegen Donald Trump? Es bleiben Zweifel.

MeinungHubert Wetzel, Washington
Die politische Mitte zerbröselt: Bernie Sanders. Foto: Reuters
Die politische Mitte zerbröselt: Bernie Sanders. Foto: Reuters

Bernie Sanders ist nach seinem klaren Sieg bei der Vorwahl in Nevada zum Favoriten unter den demokratischen Präsidentschaftsbewerbern aufgestiegen. Der 78 Jahre alte Senator aus Vermont gewann in dem südwestlichen Bundesstaat am Samstag überraschend deutlich.

Um die Zukunft einschätzen zu können, hilft es manchmal, sich die Vergangenheit anzusehen. Also: Blick zurück zum Jahresanfang 2016. Damals stand Donald Trump im Vorwahlkampf der Republikaner da, wo Bernie Sanders jetzt bei den Demokraten steht – ein guter zweiter Platz in Iowa, ein Sieg in New Hampshire, ein Sieg in Nevada. Das hiess nicht zwangsläufig, dass Trump der republikanische Präsidentschaftskandidat sein würde. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er es wird, war nach drei erfolgreichen Wahlen weit grösser als die Wahrscheinlichkeit, dass er es nicht wird.

Das gilt auch für Sanders. Es gibt zwar auch nach Nevada keine Garantie für ihn, dass er der Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden wird. Aber es ist durch seinen Sieg dort wahrscheinlicher geworden.

Parallele zwischen Trump und Sanders

Es gibt – bei allen politischen Unterschieden – eine zweite Parallele zwischen Trump und Sanders: Damals wie heute gewinnt der Bewerber, der mit dem radikalsten Programm und der härtesten Rhetorik antritt. Trump ist 2016 über die anderen republikanischen Kandidaten hinweggewalzt. Er hat gesehen, dass viele republikanische Wähler die eigene Parteiführung verachten. Ihnen hat er sich als Anführer einer Meuterei angeboten.

Bei den Demokraten ist die Lage ähnlich. Es gibt in der Partei zwar eine spürbare Angst davor, hinter dem sozialistischen Revolutionär Sanders her in den Kampf gegen «das Establishment» oder «das System» zu stürmen, zu dem auch die eigenen Parteioberen zählen. Was ist, wenn wir den Falschen nominieren und dadurch Trump zur Wiederwahl verhelfen? Diese Frage stellen sich viele Demokraten voller Panik, und deswegen sind sie wild zwischen Elizabeth Warren, Joe Biden, Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Mike Bloomberg hin und her gependelt.

Aber mit Grübeleien und Selbstzweifeln gewinnt man keine Wahlen. Sanders und seine Anhänger wurden davon jedenfalls nie geplagt, ebenso wenig wie Trump und seine Fans vor vier Jahren. Und ohnehin scheinen die Zeiten im rechten wie im linken Lager ja so zu sein, dass Radikalität und Populismus die eigenen Wähler mehr motivieren als Zurückhaltung, Vernunft und Realitätssinn. Die politische Mitte zerbröselt. Davon profitiert Sanders.

Amerika wird bei Wahl verlieren

All das beantwortet nicht die Frage, die viele Demokraten stellen: Ist Sanders der richtige Kandidat gegen Trump? Man muss angesichts dessen, was Trump 2016 gelungen ist, mit Prognosen vorsichtig sein. Vielleicht kann man es so sagen: Sanders’ dezidiert linkes Programm ist in jenen Bundesstaaten, in denen die Wahl entschieden werden wird, vermutlich weniger mehrheitsfähig als Trumps dezidiert rechtes Programm es vor vier Jahren war.

Aber es könnte auch gut sein, dass politische Programme bei der Wahl im November zweitrangig sein werden. Dass am Ende der Kandidat siegt, der es schafft, den Amerikanern mehr Angst einzujagen. Fürchtet euch, denn eure Welt geht unter, wenn die andere Seite gewinnt – das wird zu einem guten Teil die Botschaft sein, mit der die Kandidaten in den Wahlkampf gehen werden. Das tut dem Land nicht gut, weil es die Risse in der Gesellschaft verbreitert. Egal, wer dann gewinnt – Amerika wird bei dieser Wahl verlieren.

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