Wie belastend ist der Mueller-Bericht wirklich für Trump?

In Washington ist der Kampf um den Abschlussbericht voll entbrannt. Er fällt womöglich weit weniger rosig aus als behauptet.

Hat seine Meinung zum Abschlussbericht von Robert Mueller geändert: Donald Trump will ihn lieber nicht freigeben und veröffentlichen. Foto: Getty Images

Hat seine Meinung zum Abschlussbericht von Robert Mueller geändert: Donald Trump will ihn lieber nicht freigeben und veröffentlichen. Foto: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit dem 24. März sind die wichtigsten Schlussfolgerungen von Russland-Sonderermittler Robert Mueller bekannt. Das letzte Wort aber ist noch längst nicht gesprochen, wenngleich Donald Trump und seine Anhänger fleissig ihre Siegesrunden drehen.

Am Mittwochabend berichteten sowohl die «New York Times» als auch die «Washington Post», einige Mitarbeiter des Sonderermittlers seien mit der Darstellung des Untersuchungsergebnisses nicht zufrieden. Justizminister William Barr habe in seinem vierseitigen Brief an den Kongress ein viel zu positives Bild gezeichnet. Der 400-seitige Report enthalte viel Unerfreuliches für den Präsidenten.

Wenn diese Quellen Barr vorwerfen, voreilig ein Urteil über Trumps mögliche Justizbehinderung gefällt zu haben, tun sie dem Justizminister allerdings Unrecht: Weil Mueller aus bislang unbekannten Gründen offenliess, ob Trump etwa durch den Hinauswurf von FBI-Direktor James Comey im Mai 2017 Justizbehinderung betrieb, konnte Barr dem Präsidenten einen Freispruch erteilen. Denn die Sonderermittler-Richtlinien des Justizministeriums besagen eindeutig, dass der Justizminister das letzte Wort hat, falls der Sonderermittler die Beurteilung eines Sachverhalts ablehnt.

Weder wollte Mueller den Präsidenten wegen Justizbehinderung anklagen, noch wollte er ihn entlasten – obschon die Beweislage laut einer anonymen Quelle der «Washington Post» weitaus «besser» war, als Barr sie präsentierte. Zudem gibt es offenbar «mehr bislang unbekannte Informationen», wie der TV-Sender NBC News am Donnerstag unter Berufung auf Insider berichtete. Dem Präsidenten und seinen Verteidigern können diese Medienberichte nicht gefallen. Sie wollen Muellers Report auf zwei Aussagen eindampfen:

  • Es habe 2016 keine Verschwörung zwischen Trumps Wahlkampfstab und Moskau gegeben.
  • Und die Justizbehinderung sei nicht nachgewiesen worden.

Das Erste trifft zu, lässt aber andere Interpretationen offen, das Zweite stimmt so nicht.

Am Donnerstag gingen Trump und seine Freunde vorsichtshalber in die Offensive: Die «New York Times» habe «keine legitimen Quellen», der Bericht der Zeitung sei «Fake News», twitterte der Präsident.

Trumps Anwalt Rudy Giuliani ging noch einen Schritt weiter und beschimpfte Muellers Team als «tollwütige Demokraten» und «Bande von hinterhältigen und unethischen Informanten».

Unterstützten der Präsident und sämtliche republikanischen Abgeordnete im Repräsentantenhaus noch vor wenigen Tagen eine Freigabe und Veröffentlichung des Abschlussberichtes, so sind sie sich jetzt nicht mehr so sicher.

In einem Interview mit Fox News bezeichnete der republikanische Abgeordnete Devin Nunes – ein treuer Gefolgsmann Trumps – den Report am Mittwoch sogar als «Mueller-Dossier», um ihn wohl in die Nähe des umstrittenen «Steele-Dossiers» des britischen Ex-Spions Christopher Steele zu rücken.

Tatsächlich wird bei aller Freude über Muellers Absolution des Präsidenten geflissentlich unterschlagen, dass der Sonderermittler die Einmischung Russlands in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 zugunsten Donald Trumps für erwiesen hält.

Warum sollten sich die Russen mit Amateuren abgeben?

Zudem berichtete NBC News unter Berufung auf einen Insider, Muellers Report enthalte eine «detaillierte Darstellung der Kontakte zwischen Donald Trumps Wahlkampfstab und Russland». Weiter berichtet der Sender: «Während Mueller keine Koordination oder Verschwörung fand, zeichnen einige Mitglieder seines Teams diesem Insider zufolge das Bild einer Wahlkampftruppe, die von einer ausgeklügelten russischen Geheimdienstoperation manipuliert wurde.»

Dass Trump und seine Helfer 2016 willentlich Teil einer klandestinen Operation Moskaus waren, klang nie plausibel: Wer in russischen Geheimdiensten hätte sich schon einer Runde von Amateuren anvertraut, deren Verlässlichkeit fragwürdig war und deren unberechenbares Verhalten immense Risiken barg?

Noch werden Wochen oder sogar Monate vergehen, bis der Report des Sonderermittlers einigermassen vollständig gelesen werden kann. Erst danach wird ein abschliessendes Bild möglich sein. Vielleicht wird es weit weniger rosig für den Präsidenten ausfallen, als bisher von ihm behauptet wurde. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 05.04.2019, 10:37 Uhr

Artikel zum Thema

«Der Bericht ist beunruhigender für Trump, als Barr behauptet»

Mitarbeiter von Sonderermittler Robert Mueller werfen dem US-Justizminister vor, die Ergebnisse des Russland-Reports zu verharmlosen. Mehr...

Die Demokraten gehen in die Offensive

Umstrittene Sicherheitsfreigaben für Trumps Familie, ein geschwärzter Mueller-Report: Der US-Präsident muss sich auf Gegenwind gefasst machen. Mehr...

Eine kalte Dusche, die den Demokraten guttut

Leitartikel US-Präsident Donald Trump feiert den Mueller-Report als triumphalen Freispruch. Davon profitieren allerdings auch seine Gegner. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Unsere Tipps für diesen Sommer

Geniessen Sie diesen Sommer die Wanderungen und Freizeitaktivitäten, die Sie in den Walliser Ferienorten Nendaz und Veysonnaz erwarten.

Blogs

Sweet Home Schweizer Gartenparadiese

Tingler Spuren des Fortschritts

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...