Die Bombe, die die Welt veränderte

Vor 70 Jahren wurde die erste Nuklearbombe getestet. 7 Fragen und Antworten zur gefährlichsten Waffe der Menschheit.

Trinity-Test: 1945 explodierte die erste Atombombe.

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Was passierte am 16. Juli?

Heute vor 70 Jahren, also am 16. Juli 1945, haben die USA in ihrem Manhattan-Projekt die erste Atomwaffe getestet. Das Ereignis ist als Trinity-Test bekannt. Die Bombe wurde in der Wüste von New Mexico in der Nähe der Stadt Alamogordo zur Explosion gebracht.

Nur wenige Wochen später bombardierten die USA Japan. Wie viele Menschen starben?

Die Amerikaner warfen im Zweiten Weltkrieg die Bomben Little Boy und Fat Man auf Japan. Hiroshima und Nagasaki wurden vernichtet – und mit den Städten die Leben von mindestens 150'000 bis weit über 250'000 Menschen. Die Schätzungen gehen weit auseinander. Noch heute leiden Menschen an Behinderungen und Missbildungen wegen der radioaktiven Strahlung. Seit 1945 wurde keine Atomwaffe mehr in einem Konflikt eingesetzt.

Wie hat sich die Atombombe seither entwickelt?

Vereinfacht gesagt sind Atombomben relativ rasch zu Wasserstoffbomben entwickelt worden. Diese haben eine weitaus grössere zerstörerische Kraft. Sie wird verglichen mit der Energie, die der Sprengstoff TNT freisetzt, und heisst daher TNT-Äquivalent. Ein Beispiel: Die Hiroshimabombe entsprach rund 13'000 Tonnen TNT. Die sowjetische Wasserstoffbombe AN602, auch Zar-Bombe genannt, wurde 1961 getestet und kam auf 57'000'000 Tonnen TNT. Seitdem wurde nie wieder eine Bombe mit grösserer zerstörerischer Kraft getestet.

Welche Länder haben die Bombe?

Die fünf Vetomächte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verfügen über Atomwaffen. Das sind: die USA, das Vereinigte Königreich, Russland, China und Frankreich. Ausserdem haben Indien und Pakistan nukleare Waffen. Nordkorea dürfte auch über knapp zehn Sprengköpfe verfügen. Es ist aber unklar, ob Pyongyang geeignete Raketen zu deren Transport besitzt. Inoffiziell gilt auch Israel als Atomwaffenstaat. Die britische Denkfabrik für Sicherheitspolitik IISS schätzt, dass mindestens 30 Länder Atomwaffen bauen könnten, wenn sie denn wollten – Südafrika hatte das gemacht, baute seine Bomben aber wieder ab – oder wenn sie dürften. Der Atomwaffensperrvertrag von 1970 verbietet dies und wurde von 189 Ländern unterschrieben und ratifiziert.

Nach dem ausgehandelten Atomdeal: Wäre ein Iran mit Atomwaffen wirklich gefährlich gewesen?

Die Frage ist in der Praxis nicht zu beantworten. Aber Theoretiker bieten zwei Antworten, die weit auseinanderlaufen.

Die einen sagen Ja und argumentieren:

  • jedes Land mit Atomwaffen führe zu einer unsicheren Welt, weil das Risiko eines Atomkriegs und -unfalls steigt;
  • in der Region würde es ein nukleares Wettrüsten geben (Saudiarabien, Israel, Ägypten);
  • ein Iran mit Atomwaffen könnte nicht mehr so einfach von anderen Ländern (USA und Verbündete) in Schach gehalten werden.

Die anderen sagen Nein, denn:

  • mehr nuklearbewaffnete Länder schaffen ein Gleichgewicht der Kräfte;
  • Staaten müssten sich gründlich überlegen, ob sie einen Atomwaffenstaat angreifen (Israel würde keinen Angriff auf den Iran wagen, umgekehrt gilt das Gleiche);
  • die reale Gefahr, die durch nukleare Waffen verursacht wird, würde von Medien und der Politik übertrieben.

Wie ist der Abbau von Atomwaffen vorangeschritten?

Um die Bombe entwickelte sich zuerst ein regelrechter Kult (siehe Bildstrecke oben). Doch in den Ostermärschen der 1950er- und 60er-Jahren sowie in der Bewegung der 1980er-Jahre demonstrierten Hunderttausende Menschen weltweit gegen die zerstörerischen Waffen. Politiker und Diplomaten haben rund ein Dutzend unterschiedlicher Verträge und Abkommen aufgegleist, unter anderem, um Atomtests teilweise zu verbieten, die Verbreitung der Waffen zu stoppen oder die Zahl der Sprengköpfe abzubauen. Einige wurden multilateral, andere bilateral (USA und Sowjetunion respektive Russland) geschlossen. Aber nicht jedes unterschriebene Dokument wird von den Ländern in Kraft gesetzt (Start II). Mitte der 1980er-Jahre gab es weltweit rund 65'000 Nuklearwaffen. Es verbleiben gemäss der UN-Organisation für Abrüstung rund 22'000. Die Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler schätzt die Zahl auf 15'700 (Übersicht).

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Sollten Atomwaffen überhaupt vernichtet werden?

Die spontane Antwort ist: Ja, natürlich. Denn so würde die Welt sicherer – sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten (Unfälle). Zu viel Tod und Zerstörung haben allein die beiden Bombenwürfe während des Zweiten Weltkrieges gebracht. Doch die Realität dürfte komplexer und komplizierter sein. Einige Politwissenschaftler argumentieren: «Global zero», also das Abschaffen aller Atomwaffen ...

... würde das derzeitige Machtgefüge – basierend auf den fünf UNO-Vetomächten, insbesondere den USA – durcheinanderbringen und zu Konflikten und Kriegen führen.

... würde ein Wettrüsten provozieren.

... würde nicht mehr als Abschreckung für «Schurkenstaaten» dienen.

... würde zur Entwicklung noch gefährlicherer und zunächst unberechenbarer Waffen wie biologischen Waffen führen.

... würde jenem Staat einen Vorteil bieten, der im Krisenfall schnell wieder einsatzfähige Atomwaffen entwickeln könnte. Denn das Wissen zum Bau einer Bombe lässt sich nicht löschen.

Die Politologen betonen: Die Hindernisse bedeuten nicht, dass wir keine atomwaffenfreie Welt erstreben sollten. Doch es sei unmöglich, in die Zeit vor der Bombe zurückzukehren.

Erstellt: 16.07.2015, 15:11 Uhr

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