Genervter Castro wegen Journalisten-Frage

Alles kann ja nicht rund laufen, beim ersten Kuba-USA-Treffen.

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Während des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Kuba kam es zu einem Disput um politische Gefangene im Land. Es gebe mindestens 80 politische Gefangene, sagte Elizardo Sánchez, Sprecher der Kubanischen Kommission für Menschenrechte in Havanna.

Er stelle eine entsprechende Liste gerne zur Verfügung, sagte Sánchez der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte Castro in einer Pressekonferenz auf eine entsprechende Frage eines Journalisten etwas ungehalten geantwortet: «Geben Sie mir die Liste der politischen Gefangenen, um sie freizulassen.» Liege so eine Liste vor, kämen sie sofort frei.

Obama warb bei dem ersten Besuch eines US-Präsidenten seit 1928 für mehr Meinungsfreiheit in dem sozialistischen Land. «Amerika glaubt an die Demokratie», sagte Obama in Havanna. Castro verbat sich – ohne die USA direkt zu nennen – grundsätzlich eine Einmischung in innere Angelegenheiten. Obama betonte daraufhin: «Die Zukunft der Kubaner wird von den Kubanern entschieden, von niemandem sonst.»

Obama betonte trotz aller Differenzen: «Das ist ein neuer Tag». «Wir bewegen uns nach vorn und schauen nicht zurück.» Er kündigte weitere Schritte für eine Annäherung an: So werde American Airlines noch in diesem Jahr Direktflüge von den USA nach Kuba aufnehmen. Castro setzt auf mehr Touristen in seinem Land - und damit eine Steigerung der Staatseinnahmen.

Im Revolutionspalast sprach Obama mit Castro über eine weitere Vertiefung der Beziehungen, der Prozess war Ende 2014 zwischen den beiden begonnen worden.

Rückgabe von Guántanamo

Nach der Revolution 1959 kam es zu heftigen Konflikten und zu einem US-Handelsembargo. Erstmals ertönte beim Besuch Obamas die US-Hymne für einen amerikanischen Präsidenten im Revolutionspalast. Castro fordert eine vollständige Aufhebung des US-Embargos und eine Rückgabe des seit 1903 unter US-Kontrolle stehenden Stützpunktes Guántanamo.

Kuba band sich nach der Revolution schrittweise an die Sowjetunion, 1962 war die Welt nach der Stationierung sowjetischer Raketen am Rande eines Atomkrieges. Die USA straften Kuba mit einem Embargo, das neben einem Handelsboykott touristische Reisen von US-Bürgern sowie Geschäfte von US-Firmen mit Kuba untersagte. Es wurde zuletzt gelockert, aber der US-Kongress ist gegen eine komplette Aufhebung.

Ausserdem wurde der kubanische Staatschef gefragt, wen er lieber als amerikanischen Präsidenten sehe: Hillary Clinton oder Donald Trump. Seine Antwort:

Weiter nach Argentinien

Auch Kubas Führung will vorerst nur eine behutsame Öffnung. Mitte April findet der Parteikongress der kommunistischen Partei statt. Dabei dürfte es auch um den neuen Entspannungskurs gehen und darum, wie weit die Öffnungspolitik des Karibikstaates gehen soll.

US-Präsident Barack Obama hat sich offen für einen Treffen mit dem kubanischen Revolutionsführer und Ex-Staatschef Fidel Castro gezeigt. Mit einer solchen Begegnung «als einem reinen Symbol für das Ende des Kapitels des Kalten Kriegs» hätte er kein Problem, sagte Obama in einem Interview des TV-Senders ABC News. Ein Treffen wäre jedoch nur möglich, wenn dies die Gesundheit des 89-jährigen Castro zuliesse. Castro soll gesundheitlich angeschlagen sein. Wann er mit Kubas Ex-Präsident zusammenkommen könnte, wisse er nicht, sagte Obama.

Das Weisse Haus hat bereits klargestellt, dass es nicht während Obamas aktuellem Kuba-Besuch dazu kommen werde. Der Fokus seiner Visite soll auf der Zukunft des Karibikstaats und der Auslotung von Potenzialen für Wirtschaftswachstum und Reformen liegen. Ein Treffen mit dem einstigen Revolutionsführer Castro könnte dieses Ziel aus Sicht von Beobachtern untergraben.

Obama will zum Abschluss seines Kuba-Besuchs am Dienstag eine im Staatsfernsehen übertragene Rede an das kubanische Volk halten. Anschliessend ist ein Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft geplant und der Besuch eines Baseballspiel der Nationalmannschaft Kubas gegen die Tampa Bay Rays aus Florida – in beiden Ländern ist Baseball ein Nationalsport, daher wird der Sport als Vehikel für die Annäherung angesehen. Von Kuba aus reist Obama nach Argentinien, wo Präsident Mauricio Macri die Beziehungen zu den USA stärken will.

(thu/chk/sda/AP)

Erstellt: 21.03.2016, 16:34 Uhr

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