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Die freundliche Fassade bröckelt

Bei den republikanischen Vorwahlen liegen die Nerven blank. Rick Santorum beleidigt einen Journalisten – und wird von einigen Experten schon abgeschrieben.

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur versucht der US-Republikaner Rick Santorum verzweifelt, den enormen Vorsprung seines Konkurrenten Mitt Romney wettzumachen. Im Eifer des Gefechts gingen ihm nun die Nerven durch, wie ein Video von einer Wahlveranstaltung in Wisconsin zeigt.

Ein Journalist der «New York Times» sprach Santorum auf eine Rede vom Vorabend an. Er warf dem Politiker vor, Mitt Romney den «schlechtesten Republikaner im Land» genannt zu haben. «Hören Sie auf zu lügen!», entgegnet Santorum sichtlich entnervt. «Ich sagte, er sei der am schlechtesten geeignete republikanische Gegenkandidat von Barack Obama.» Anstatt sich abzuwenden, zeigt Santorum mit dem Finger auf den Reporter und rät ihm, diesen «Bullshit» nicht in der Zeitung zu drucken.

«Hippie-Kinder, die um ein Lagerfeuer stehen»

Nur ein Lapsus in einem langen Wahlkampf? Mitnichten, schreibt die «Washington Post». Das «Nice Guy»-Image von Rick Santorum drohe in letzter Zeit immer bröckliger zu werden. Er beginne wieder seine eigentliche, «kratzige» Persönlichkeit zu zeigen, so die Zeitung. Der amerikanische Präsidentschaftsexperte G. Terry Madonna wird mit folgenden Worten zitiert: «Alle, die Rick Santorum kennen, waren ob seiner bemerkenswerten Disziplin in den vergangenen Monaten sehr überrascht.»

Santorum hatte im US-Kongress, wo er 16 Jahre lang Abgeordneter war, einen Ruf als leidenschaftlicher Hitzkopf inne. Der treue Anhänger von George W. Bush war bekannt für seine hetzerischen Aussprüche. So nannte er die Teilnehmer eines Sozialhilfeprogramms «Hippie-Kinder, die um ein Lagerfeuer stehen und ‹Kumbaya› singen». Erst vor wenigen Monaten kommentierte er einen Ausspruch von John F. Kennedy über die Trennung von Kirche und Staat mit den Worten: «Ich könnte kotzen.» Nach einer langen Phase der Selbstbeherrschung scheint Rick Santorum nun wieder sein wahres Polit-Ich zu zeigen.

«Santorum ist ein Todgeweihter»

Santorum selbst versucht seinen Ausrutscher in einem CNN-Interview mit Humor geradezubiegen: «Jeder gute Konservative, der im Gespräch mit der «New York Times» keinen Wutanfall bekommt, taugt sowieso nichts», sagte er dem TV-Sender. Der Politexperte John Weaver sieht die Sache einiges dramatischer. Der Ausraster sei ein Zeichen dafür, dass der Kampf um die Nomination vorbei sei: «Santorum ist ein Todgeweihter.» Sollte sich dies bestätigen, wäre der Weg frei für den Spitzenkandidaten Mitt Romney.

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