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Die Geburtsstunde des Politstars

Vor 50 Jahren standen sich John F. Kennedy und Richard Nixon in einem TV-Studio gegenüber. Mit dieser ersten TV-Debatte war die Entscheidung ums Weisse Haus gefallen – und das Fernsehen zum Wahlhelfer Nummer eins avanciert.

Der amtierende Vizepräsident Richard Nixon, nach einem Spitalaufenthalt bleich und eingefallen, wusste nicht, wie ihm geschah: Der junge Senator John F. Kennedy aus Massachusetts, braungebrannt von Wahlkampfreisen im offenen Cabriolet unter Kaliforniens Sonne, zog am 26. September 1960 bei seiner Ankunft im Fernsehstudio in Chicago jede Aufmerksamkeit der anwesenden Fotografen von ihm ab.

Das war allerdings weniger schlimm als die Wirkung Kennedys im Land draussen: Er hatte auf allen Ebenen gepunktet – obwohl Nixon in der ersten sowohl im Radio als auch im Fernsehen live übertragenen Wahldebatte von den Radiohörern als kompetenter beurteilt wurde. Aber die Kamera liebte den Vizepräsidenten nicht. Und er tat sich selbst keinen Gefallen, indem er Schminke verweigerte und sich nur pudern liess. Der Puder überdeckte aber seine stark spriessenden Bartstoppeln nicht und richtete nicht genug aus gegen das starke Schwitzen, das Nixon auch Jahrzehnte später beim legendären Fernsehinterview von David Frost zu schaffen machte.

Deutliche Worte des Running Mate

Inhaltlich punktete der charismatische Kennedy zudem mit einer brillianten Aufzählung all der Dinge, die ihn an den USA störten – zum Beispiel, dass sie weniger Wissenschaftler hervorbrächten als die Sowjetunion. Amerika müsse wieder zum Mass aller Dinge werden in den Augen der übrigen Welt.

Ein dossierfester, nicht nur im Hautton fader und schwitzender Nixon hatte gegen rhetorisches Geschick, gepaart mit jugendlicher Attraktivität, keine Chance. «That son of a bitch just lost the election» («Dieser Hurensohn hat eben die Wahl verloren»), sagte Henry Cabot Lodge wenig fein, aber durchaus zutreffend. Cabot Lodge war Nixons Vizepräsidentschaftskandidat und musste an diesem Abend seine eigenen Ambitionen ebenfalls begraben.

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