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Die Gefahr für die Nato kommt von innen

Die westliche Militärallianz soll vor Angriffen von aussen schützen. Aber heute droht dem Bündnis Gefahr von innen: durch Donald Trump.

Die Allianz wird die Ära Trump nur überstehen, wenn es ein Bündnis im Bündnis gibt. Im Bild: Nato Gipfel in Prag, 2002. Bild: Keystone
Die Allianz wird die Ära Trump nur überstehen, wenn es ein Bündnis im Bündnis gibt. Im Bild: Nato Gipfel in Prag, 2002. Bild: Keystone

Die grösste Gefahr für die Nato geht aus vom einzigen Mann, der die Macht hat, den Nato-Gipfel diese Woche in Brüssel zu sprengen – bewaffnet allein mit seinem iPhone. Es stimmt: Bisher hat Donald Trump die transatlantische Allianz nicht kaputtgemacht. Das erste Erschrecken über den Einzug eines tumben Nationalisten ins Weisse Haus wich im Nato-Hauptquartier erstaunlich rasch der Erleichterung. Zur Selbstbeschwichtigung trug bei, dass Trump sich nach einigem Drängen zu einem Bekenntnis zum Beistandsartikel 5 des Nordatlantik-Vertrages herabliess.

Hinzu kam die verstärkte US-Präsenz im Osten Europas. Trumps Alleingänge beim Klima, im Nahen Osten und in Sachen Iran-Deal schienen die Bedeutung der Allianz sogar noch zu erhöhen als letzte, uneinnehmbare Burg des Westens. Die Aussenmauern dieser Burg werden tatsächlich emsig verstärkt. Nur: Gegen ein unterspültes Fundament nützt das nichts. Die Allianz wird die Ära Trump nur überstehen, wenn es ein Bündnis im Bündnis gibt.

Die barschen Mahnschreiben Trumps an jene Verbündeten, die ihre Verteidigungsausgaben nicht schnell genug steigern, sind für sich genommen gar nicht so schlimm. Der Unmut in den USA über saumselige Verbündete ist begründet und älter als die jetzige Präsidentschaft. Fast alle Äusserungen Trumps zum Thema belegen aber, dass es ihm gar nicht um die Verstärkung der Allianz geht. Die Deutschen (und andere) sollen zahlen – nicht, damit die Nato stärker wird, sondern damit Amerikas wirtschaftliche Konkurrenten schwächer werden. Darin liegt das eigentliche Problem des Bündnisses: dass Trump in Wahrheit gar keine Verbündeten kennt.

Lieblingsfeinde werden unter den Alliierten gesucht

Naiv wäre daher, im desaströs gescheiterten G-7-Gipfel nicht auch ein Menetekel für die Nato zu erkennen. In Trumps Welt sind die Grenzen zwischen dem Club der westlichen Wirtschaftsmächte und dem militärisch organisierten Westen fliessend. Nur logisch ist deshalb, wenn der US-Präsident seinen Nato-Furor vermischt mit dem Handelsstreit. Seiner Feindseligkeit gegenüber Deutschland und Kanzlerin Angela Merkel – aber auch anderen – lässt er freien Lauf.

Schlimmer als diese Respektlosigkeit gegenüber den gewählten Anführern eigentlich befreundeter Demokratien ist nur der fehlende Respekt Trumps vor der Demokratie selbst. Neu ist, dass der Anführer des mächtigsten Nato-Landes sich seine Lieblingsfeinde unter den Alliierten sucht.

Es gilt, die Erosion des Westen einzudämmen

Das ist die Lage, und sie ist grauenhaft ernst. Für jeden, der Wladimir Putin nicht für einen Friedensfürsten hält und auch nicht glaubt, dass um Europa herum bald auf wundersame Weise Ruhe und Harmonie einkehren werden, kann es nur eine Konsequenz geben: die Nato beschützen. Im Kalten Krieg sollte das Containment, die Politik der Eindämmung, die Ausbreitung des Kommunismus verhindern. Heute gilt es, die Erosion des Westens einzudämmen, nämlich wenigstens dort zu stoppen, wo die Zerstörung der Allianz anfängt.

Die Nato wird die Präsidentschaft Trump nur überstehen, wenn es so etwas wie ein Bündnis im Bündnis gibt zwischen der politisch-militärischen Nato-Lobby in den USA sowie den Europäern und Kanadiern in der Allianz. Nicht um diesem amerikanischen Präsidenten zu Diensten zu sein, müssen die Europäer jetzt einen viel stärkeren Teil der Verantwortung und der Last übernehmen, sondern um ihm einigermassen selbstbewusst entgegentreten zu können. Wer Europa wirklich schützen will, muss die Nato retten.

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