Die grössten Hits der Trump-Tournee

Donald Trump ist diese Woche zum ersten Mal auf Auslandreise. Peinlichkeiten inklusive. So hat er sich geschlagen.

Beschwörend: Abdel Fattah al-Sisi, König Salman und Donald Trump bei der Eröffnung des «Globalen Zentrums für die Bekämpfung extremistischer Ideologie».

Beschwörend: Abdel Fattah al-Sisi, König Salman und Donald Trump bei der Eröffnung des «Globalen Zentrums für die Bekämpfung extremistischer Ideologie». Bild: Twitter / Saudische Botschaft in Washington

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Auslandreisen von Präsidenten sind in der Regel bürokratisch, formell und alles in allem nicht besonders aufregend. Donald Trump modelt die graue Aktenschieberei jedoch zu einem Wanderzirkus um. Trumps erste Reise ins Ausland – in den Nahen Osten und nach Europa – hatte an Fauxpas und Kuriositäten einiges zu bieten.

Saudiarabien

Empfehlungen für das Organisieren von Rundreisebüros könnten so lauten: Planen Sie Ihre Reise so, dass Sie immer wieder neue Höhepunkte erleben. Oder vielleicht: Sparen Sie sich das Beste für den Schluss. An diese Ratschläge hat sich die Trump-Delegation nicht gehalten. In Saudiarabien, der ersten Destination, jagte bereits ein Highlight das nächste.

Die Saudis luden zum Beispiel zu Festlichkeiten und Trump zum traditionellen Schwerttanz, der sich natürlich nicht lange bitten liess. Eine Ehre, die schon George W. Bush zuteil kam. Das sieht dann so aus:

Doch in Saudiarabien bewies Trump nicht nur sein Taktgefühl, sondern wohnte auch der Eröffnung des «Globalen Zentrums für die Bekämpfung extremistischer Ideologie» bei. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi, König Salman und Donald Trump (und Saruman, der böse Zauberer aus dem «Herrn der Ringe», geht es nach einigen Spass-Twitterern) vollzogen den zeremoniellen Akt der Eröffnung, indem sie ihre Hände auf eine glühende Kugel legten und damit das Zentrum aktivierten:

Quelle: Saudische Botschaft in Washington / Twitter

Und schliesslich erhält Donald Trump – ganz nach seinem Geschmack – auch noch eine Goldmedaille. Der «Kragen von Abdulaziz al-Saud» wird regelmässig an ausländische Staatschefs vergeben, zum Beispiel an die britische Premierministerin Theresa May, den französischen Ex-Präsidenten François Hollande – und Trumps Vorgänger Barack Obama und George W. Bush.

Die Reise besiegelte Trump, indem er einen Rüstungsdeal in Milliardenhöhe abschloss. Trumps Tochter Ivanka profitierte indirekt mit. Die Saudis spendeten mehrere Millionen an einen Hilfsfonds der Weltbank, den Ivanka mitinitiierte.

Einer, dem das Treffen sichtlich unwohl war, war der Architekt des «Muslim-Ban», Trump-Berater Stephen Bannon:

Steve Bannon experiencing his worst nightmare

Trumps Saudi-Besuch – Prädikat: abenteuerlich.

Israel

Weiter ging es für Trump ins Gelobte Land, nach Israel. Kaum kam Trump in Tel Aviv an, der erste blamable «Zwischenfall». Trump will die Hand seiner Gattin Melania in die seine nehmen, sie aber schlägt sie nur brüsk weg.

Beim Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin angekommen, erzählte er diesem von seinem Saudiarabien-Trip: «Wir sind gerade aus dem Nahen Osten zurückgekehrt.» Ein Mann auf der rechten Seite grinst sichtlich.

Auch Aussenminister und Chefdiplomat Rex Tillerson griff einmal kurz daneben. Er bezeichnete Tel Aviv als «Zuhause des Judentums» – dabei gilt Tel Aviv als besonders säkulare Stadt, die zum Beispiel Clubs und Bars am Sabbat keinesfalls schliesst.

Schliesslich besuchte Trump die bedeutende Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Er verewigte sich dort, wie viele andere Staatsoberhäupter, im Gästebuch. Allerdings etwas anders, als man es erwarten würde. Man ist versucht zu sagen: Im Trump-Twitter-Stil:

«Es ist eine grosse Ehre, hier mit all meinen Freunden zu sein. So grossartig + werde es Nie Vergessen»

«It is a great honor to be here with all of my friends – so amazing + will Never Forget» (Quelle: Reuters)

Dagegen Obamas Eintrag:

Wie beim Schwerttanz in Saudiarabien gibt es hier eine Bush-Parallele: Auch George W. Bush dachte sich, dass in der Kürze die Würze liegt. Er schrieb einfach: «Gott segne Israel».

Italien

Der Besuch in Rom beginnt peinlich, wie in Tel Aviv, denn Melania Trump tut es schon wieder: Der US-Präsident will ihre Hand nehmen, sie lehnt wieder ab – dieses Mal aber elegant mit einem Griff ins eigene Haar. Ein verstohlener Ausweichversuch, den am Ende doch die ganze Welt sah:

Der Höhepunkt des Besuches in Italien war selbstverständlich die Privataudienz beim Heiligen Vater, Papst Franziskus. Über seinen Besuch bei Franziskus sagte Trump später: «Wir sind zum Papst gegangen. Sehr eindrücklich. Der Papst ist toll.» («We went to the Pope. Very impressive. The Pope is terrific.»)

Dabei waren die Trump-Frauen ganz in Schwarz gekleidet – und mit Schleier. Das Kontroverse: In Saudiarabien zeigten sie sich wie gewohnt unbedeckt. Skeptische Kommentare waren programmiert. Selbstverständlich auch humorvolle. Die Erklärung eines Benutzers auf der Social-News-Seite Reddit ist einfach. Warum waren Trumps in Europa verschleiert? Natürlich weil Europa von Muslimen überrannt worden sei, wie Trump es schon festgestellt hatte. In Tat und Wahrheit hielten sich die Trump-Damen an den empfohlenen Dresscode des Vatikans.

Ebenfalls für Häme sorgte der sichtlich düstere Ausdruck im Gesicht des Papstes auf diesem Bild:

Auch hier soll aber Fairness walten. Es gibt auch solche Bilder von den beiden:

Quelle: Reuters

Belgien

In Brüssel, der Hauptstadt der EU, wartet der «unspektakulärste» Besuch der Reise auf Trump. Auf dem Plan steht ein Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und dem Präsidenten der EU, Donald Tusk, sowie ein Lunch mit Emmanuel Macron und Unterredungen mit der Nato.

Eine Herausforderung für Donald Trump, dem sogar seine eigenen Leute eine relativ kurze Aufmerksamkeitsspanne attestieren. So berichtete das US-Magazin «Newsweek» gemäss einer anonymen Quelle, Trumps Mitarbeiter hätten sich auf die Reise vorbereitet, «als wäre er ein launisches Kind ohne Wissen über die Nato, ohne Interesse an politischen Problemen, die in die Tiefe gehen, einfach nichts». Kurz zuvor gelangte an die Öffentlichkeit, dass Mitarbeiter absichtlich Trumps Namen in internen Memos wiederholen würden, damit er bei der Sache bleibt.

Dementsprechend problematisch gestalteten sich dann die Treffen. Zunächst traf Trump Juncker und Tusk.

Trump prahlte sogleich mit seiner Reise. Er habe viele Länder besucht, viele Führer getroffen, «grossartige Treffen» seien das gewesen.

Juncker, unbeeindruckt: «Jaja, das haben wir gesehen.»

Tusk, wohl halb im Scherz: «Die Bilder des Saudiarabien-Trips sind spektakulär.»

Trump, mit Superlativen: «Sehr spektakulär, ich denke nicht, dass es je so was gegeben hat. Ich denke, das war jenseits dessen, was jemals irgendjemand gesehen hat.»

Nonchalant erwähnte Trump zudem, er sei unzufrieden mit dem deutschen Handelsbilanzüberschuss: «Die Deutschen sind schlecht, sehr schlecht, beklagte er. Juncker habe ihm widersprochen und sich «um einen freundlichen Ton» bemüht, wie der «Spiegel» berichtete. Ein Reddit-User kommentiert dazu: «Duterte ist gut, Erdogan ist gut, Kim Jong-un ist clever … Die Deutschen sind schlecht. Ich verstehe nichts mehr.»

Die EU-Seite zeigte sich nach dem Treffen «entsetzt» darüber, wie uninformiert die amerikanische Delegation über Handelspolitik sei. Zum Beispiel sei Trumps Wirtschaftsberater nicht klar gewesen, dass EU-Länder ihre Handelsverträge nur zusammen abschliessen, schreibt der «Spiegel». Das erinnert an das Merkel-Trump-Treffen in Washington. Berichten zufolge soll Merkel Trump ganze 11 Mal die Prinzipien der EU erklären haben müssen.

Trump beendete das EU-Treffen schliesslich ohne öffentliches Statement und begab sich in Richtung des neuen französischen Präsidenten, Emmanuel Macron.

An dieser Stelle: Wir erinnern uns an eine von Trumps Hauptwaffen, wenn es darum geht, Dominanz zu markieren: seinen Handschlag. Dabei zieht er ruckartig am Arm seines vermeintlichen Kontrahenten und drückt kräftig zu.

Zum Beispiel hier mit dem japanischen Premier Shinzo Abe:

Oder hier bei der Supreme-Court-Nominierung von Neil Gorsuch:

Emmanuel Macron seinerseits war wohl auf den Handschlag vorbereitet, wollte seinerseits Dominanz markieren und das unausweichliche «Duell» gewinnen. Obwohl Trump zweimal versuchte, sich aus dem eisernen Griff Macrons zu befreien, liess dieser nicht von ihm ab.

Übrigens: Auch in Saudiarabien verlor Trump dasselbe Spiel – gegen den Präsidenten Tadschikistans:

Beim späteren Fototermin nach dem Nato-Gipfel, bei dem Trump ordentlich wütete, leistete er sich die nächste Peinlichkeit. Anscheinend wollte The Donald, wie es sich für einen Anführer der Freien Welt gehört, in der ersten Reihe stehen – obwohl er die Nato noch vor kurzer Zeit als obsolet bezeichnet hatte. Trump drängelte sich darum unwirsch am montenegrinischen Premierminister Dusko Markovic vorbei. «America First» eben.

Markovic selber nahm den Vorfall gelassen.

Erstellt: 26.05.2017, 15:50 Uhr

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