Die heikle Clinton-Strategie

Bernie Sanders und Donald Trump begeistern die Massen: Die ehemalige First Lady verfolgt einen anderen Plan – doch der könnte ihr bald Probleme bereiten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ob Hillary Clinton gegen ihren innerparteilichen Rivalen Bernie Sanders Wahlkampf macht oder gegen den mutmasslichen republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, eines ist stets gleich: Beide Gegner begeistern Wähler, die ihre Überzeugungen im bisherigen Politspektrum nicht vertreten sahen, während sie selbst als Kandidatin des traditionellen politischen Establishments gilt. Zudem wirkt Clintons Wahlkampf manchmal deutlich weniger mitreissend als der ihrer Konkurrenten.

Die frühere US-Aussenministerin hat sich in den Vorwahlen mehr Stimmen für die Präsidentschaftskandidatur gesichert als jeder andere Bewerber. Doch wenn ihr Gegner bei der Wahl Trump heisst, dürften die Zweifel lauter werden, ob sie potenzielle Wähler ähnlich stark begeistern kann wie er. Ihr Stil ist leiser, sie setzt auf gezielte Vorschläge statt auf pauschale Versprechen. Trump dagegen will bei seinen lautstarken Massenveranstaltungen bleiben. Clintons Anhänger zeigen sich davon unbeeindruckt.

Clinton spricht zu 15 Zuhörern

«Grosse Menschenmengen bedeuten nichts», sagt der frühere Gouverneur des Staats Pennsylvania, Ed Rendell. «Man kriegt keine Extrapunkte für ein enthusiastisches Abstimmungsergebnis gegenüber einem mässig enthusiastischen.» Doch die Unterschiede sind deutlich: In den vergangenen Tagen kamen 4000 Menschen zu einer Veranstaltung von Sanders in Oregon, und zu Trump kamen im Staat Washington ebenfalls Tausende. Clinton dagegen hielt in New Jersey eine Rede vor 1000 Menschen, und in Virginia sprach sie bei einem Treffen mit etwa 15 Interessierten über Familienthemen.

Die Grossveranstaltungen dienen nicht nur Trumps Ego, sie halfen ihm auch dabei, seine zahlreichen innerparteilichen Konkurrenten in den Schatten zu stellen und letztlich alle aus dem Rennen zu werfen. Clinton dagegen hat es noch immer mit ihrem Herausforderer Sanders zu tun. «Ich glaube, die Kundgebungen von Trump sind der Beweis für seine Anziehungskraft», sagt der republikanische Meinungsforscher Greg Strimple. Und dasselbe gelte auch für Sanders. Dieser hätte nicht so viele Menschen mobilisieren können, «wenn die Demokraten so über ihre (Clintons) Kandidatur begeistert wären», erklärt Strimple.

Keine Clinton-Bewegung

Die republikanische Strategin Sara Fagen, die Trump nicht unterstützt, sagt, Clinton könne sich nicht auf eine Bewegung stützen. «Sie hat eine Basis von Leuten, aber sie sind nicht übermässig motiviert.» Fagen weist jedoch darauf hin, dass sich Trumps Erfolge bislang lediglich auf die Vorwahlen beschränkten. Bei der Wahl im November könne es schwieriger für ihn werden. Denn inzwischen meldeten sich auch Menschen zu Wort, die ihm ihre Unterstützung versagten. «Er polarisiert.»

Bei Umfragen unter Wählern erzielen sowohl Clinton als auch Trump negative Werte, Trump allerdings in einem Ausmass, das es zweifelhaft erscheinen lässt, dass er im November breite Wählerschichten für sich einnehmen kann. Doch Trump zeigt sich davon unbeeindruckt, er setzt auf seine Fähigkeit, Menschen zu begeistern, und die Eigendynamik seines Wahlkampfs. «Ich habe bei weitem die grössten Menschenmassen. Ich habe bei weitem die loyalsten Wähler», erklärte er kürzlich.

Clinton kann im intimeren Rahmen besser punkten. Bereits zu Beginn des Wahlkampfs erklärte sie, dass sie auf kleineren Veranstaltungen mit Wählern diskutieren wolle. Schon 2008, als sie in den Vorwahlen gegen den späteren Präsidenten Barack Obama antrat und unterlag, hatte sie damit zu kämpfen, dass ihr die Herzen der Massen nicht zuflogen. Obama hielt Grossveranstaltungen ab und begeisterte seine Zuhörer. Für 2016 erwartet Exgouverneur Rendell derartige Probleme nicht, denn Furcht und Abscheu vor einem möglichen Präsidenten Trump würden dessen Gegner mobilisieren.

Der demokratische Meinungsforscher Geoff Garin sagt, die Emotionen, die Trumps Kandidatur wecke, seien eine zweischneidige Sache. Mit seinem Auftreten motiviere Trump nämlich demokratische Wähler, sich zu engagieren und im November an die Urnen zu gehen. Der Enthusiasmus, den Trump im anderen Lager auslöse, werde dadurch wettgemacht.

Und der demokratische Berater Joe Trippi sagt, möglicherweise komme es Clinton zugute, dass sie sich noch mit Sanders und dessen Grosskundgebungen auseinandersetzen müsse. «Sie müssen sich vielleicht einfach daran gewöhnen, dass jeder darüber jammert: ‹Aber zu ihm kamen all diese Menschenmassen!›», sagt Trippi. «Vielleicht ist diese Vorwahl eine gute Übung. Es gibt keinen Beweis dafür, dass all dies eine Rolle spielt.»

Erstellt: 16.05.2016, 21:41 Uhr

Artikel zum Thema

Zwei Frauen im Weissen Haus

In den Spekulationen darüber, wer unter Hillary Clinton das Amt des US-Vizepräsidenten übernehmen könnte, taucht immer wieder ein Name auf: Elizabeth Warren. Mehr...

Kandidatin des Status quo

Analyse Die Schadenfreude der Demokraten über Donald Trump ist gefährlich: Eine Traumkandidatin ist Hillary Clinton keineswegs. Mehr...

Die durchleuchtete Hillary

Wahltheater Im amerikanischen Wahlkampf stehen sich nun Trump und Clinton gegenüber. Und die nächste Phase der Schlammschlacht ist bereits absehbar. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Hoher Blutdruck: Senken Sie das Risiko

Ein zu hoher Blutdruck kann gefährlich werden. Vor allem, wenn er lange nicht erkannt wird. Die jährliche Blutdruckmessung in der Rotpunkt Apotheke hilft mit, die Risiken zu senken.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...