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Die Kinderflüchtlinge sitzen meist auf dem Dach eines Zuges

Die US-Regierung erwartet in diesem Jahr 60'000 minderjährige Flüchtlinge, die meisten aus Zentralamerika - mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr. Wie begegnet sie dem Ansturm?

Manche der Flüchtlinge sind kaum dem Kindergartenalter entwachsen: Zwei Knaben in Managua, Nicaragua (Archivbild: Keystone)
Manche der Flüchtlinge sind kaum dem Kindergartenalter entwachsen: Zwei Knaben in Managua, Nicaragua (Archivbild: Keystone)

Sie stammen zumeist aus El Salvador, Guatemala, Honduras oder Mexiko. Nicht selten kommen die Flüchtlinge auf dem Dach eines Zuges über die Grenze. Die USA sehen sich mit einer ungewöhnlich hohen Zahl minderjähriger Migranten konfrontiert, die ohne Begleitung ins Land kommen. Manche von ihnen sind kaum dem Kindergartenalter entwachsen.

Dabei kommt die Mehrzahl der jungen Flüchtlinge aus der Region laut einer UNO-Studie nicht freiwillig. Es handle sich häufig um Zwangsvertriebene, die vor der Gewalt organisierter Krimineller und häuslicher Gewalt flüchteten oder von Menschenschmugglern zwangsrekrutiert würden.

Die US-Regierung selbst erwartet in diesem Jahr 60'000 oder mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Das wäre mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr, als gut 24'600 Kinder ohne Erlaubnis einreisten.

Viel Geld und Gespräche mit Regierungschefs

Helfen soll nun der Einsatz von viel Geld. Und jener von Vizepräsident Joe Biden, der am Freitag nach Guatemala reiste, um dort mit Präsident Otto Pérez Molina, dem salvadorianischen Präsident Salvador Sánchez Cerén sowie Regierungsvertretern aus Honduras und Mexiko über die Situation zu sprechen.

Bereits am Donnerstag hatte Präsident Barack Obama mit seinem mexikanischen Amtskollegen Enrique Peña Nieto telefonisch darüber beraten, wie der Zustrom Zehntausender minderjähriger Migranten in die Vereinigten Staaten mit einer regionalen Strategie eingedämmt werden könnte.

Wehrlose ausgenutzt

Einen Schuldigen hat das Weisse Haus bereits ausgemacht: Kriminelle Syndikate in Mittelamerika würden die Menschen absichtlich mit Fehlinformationen in die Irre führen.

Drogenbanden und Menschenschmuggler würden das Unwissen wehrloser Menschen ausnutzen und diese falsch über die Einreise in die USA informieren. Wiederholt wies Washington darauf hin, dass es ein Irrglaube sei, nur weil man minderjährig an der US-Grenze auftauche, dann auch problemlos einreisen zu können.

Vielmehr ist es so, dass Kinder aufgrund ihres Alters ein gesondertes Verfahren erhalten und einen Asylantrag stellen können. Erwachsene ohne Einreiseerlaubnis werden für gewöhnlich umgehend in ihr Heimatland abgeschoben.

Zusätzliche Beamte

Mittlerweile hat die Krise in den USA zu einer kontroversen öffentlichen Debatte geführt, so dass sich das Weisse Haus am Freitag zum Handeln gezwungen sah. So will das Ministerium für innere Sicherheit zusätzliche Richter und Beamte entsenden, um der Schar von Anwälten etwas entgegen zu setzen, die für ihre Mandanten die Einwanderung auf eine rechtlich stabile Basis stellen wollen.

«Ein Zehnjähriger, der kein Englisch spricht, ist offensichtlich nicht in der Lage, sich vor Vertretern der Einwanderungsbehörde selbst zu vertreten», liess der Kongressabgeordnete Luis Gutierrez von den Demokraten mitteilen.

Neue Auffanglager

Um den Zustrom zu bewältigen, wollen die USA zudem weitere Aufnahmelager einrichten. Zusätzlich will Washington die Regierungen in Mittelamerika in den nächsten Jahren mit rund 250 Millionen Dollar unter anderem bei ihrem Kampf gegen Bandengewalt und der Ankurbelung der Wirtschaft unterstützen.

Derweil nutzen die Republikaner die Krise für einen Angriff auf den Präsidenten. Schuld sei Obamas Initiative, den in den USA geborenen Kindern von Flüchtlingen die Erlaubnis für Arbeit und Studium zu erteilen, obwohl deren Eltern unrechtmässig ins Land gekommen seien, klagte Oppositionsführer John Boehner.

Er forderte gar die Entsendung der Nationalgarde an die Grenze, was jedoch auf heftige Kritik bei den Demokraten stiess. Kinder, die vor der Gewalt in Mittelamerika flüchteten, «sollten nicht von einer Nationalgarde mit aufgepflanztem Bajonett empfangen werden», liess ein demokratisches Kongressmitglied wissen.

(SDA)

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