Die Kunst des politischen Jiu-Jitsu ist gefragt

Die Konturen des kommenden US-Wahlkampfs zeichnen sich ab. Er wird gnadenlos und brutal werden.

US-Präsident Donald Trump und der Demokrat Beto O'Rourke sind sich nicht einig darüber, wie ein Land sicher wird. (11. Februar 2019)
Video: Reuters

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Wenn US-Historiker dereinst den Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs 2020 markieren, werden sie vielleicht auf das Duell zwischen Donald Trump und dem möglichen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Beto O’Rourke am Montagabend in El Paso verweisen – wenngleich noch über 600 Tage bis zum Wahltag vergehen werden und O’Rourke sich bislang nicht als Kandidat erklärt hat.

Aber die Umrisse dieses Wahlkampfs beginnen sichtbar zu werden, die politischen Themen werden von beiden Seiten, Republikanern wie Demokraten, schon jetzt Zug um Zug besetzt. Und es zeichnet sich ab, dass der Kampf um das Weisse Haus härter und schmutziger als jemals zuvor ausfallen wird. Amerikanische Politik auf jeder Ebene, vom Stadtrat bis hin zum Kongress und der Präsidentschaft, ist nichts für Zartbesaitete. Die Kunst des politischen Jiu-Jitsu ist gefragt, brutale Manöver und Schläge unter die Gürtellinie sind an der Tagesordnung.

Diese Art des Wahlkampfs hat Tradition

Es war immer so. Beim erbitterten Präsidentschaftswahlkampf 1800 beschimpfte Thomas Jeffersons Mann fürs Grobe, der Journalist James Callender, Jeffersons Kontrahenten John Adams als «hermaphroditische» Kreatur, nicht Mann, nicht Frau. 1824 beleidigte Andrew Jackson seinen Widersacher John Quincy Adams als «Zuhälter», der während seiner Zeit als US-Botschafter in Russland den Zaren mit Frauen versorgt habe.

Video: Trump vs. O'Rourke in El Paso

Über die Notwendigkeit der Mauer scheiden sich die politischen Geister in den USA. (Video: Storyful/Reuters)

Nun garantiert die Person Donald Trumps ebenso die heraufziehende Schlammschlacht wie der Vorsatz der Demokraten, sich dieses Präsidenten um beinahe jeden Preis zu entledigen. Erste Anzeichen dafür lieferten die vergangenen Tage: Da war Trump in El Paso, wie er Beto O’Rourke verhöhnte, da war die demokratische Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren mit ihrer Bemerkung, Trump sei 2020 womöglich nicht mehr Präsident, ja vielleicht sei er «nicht einmal eine freie Person». Der Präsident wiederum verspottet Warren seit Monaten wegen ihrer vermeintlich indianischen Abstammung als «Pocahontas».

Gnadenlos

Und kaum hatte sich Trump über die demokratische Senatorin Amy Klobuchar lustig gemacht, weil sie ihre Präsidentschaftskandidatur am Sonntag in einem Schneesturm in Minnesota erklärte, schoss Klobuchar umgehend zurück: Sie wundere sich, «wie es Ihrem Haar in einem Blizzard ergehen würde».

Hinter solchen Frozzeleien verstecken sich die Konturen eines Wahlkampfs ohne Gnade. Und je weiter die Demokraten nach links rücken, desto forscher werden Trump und seine Verbündeten in konservativen Medien mit breiten Pinselstrichen das Horrorszenario eines «sozialistischen Angriffs» auf US-Amerika und seine Traditionen und Gewohnheiten malen.

Die Gefahr für die Demokraten

Ein «Green New Deal» inklusive schnellem Ausstieg aus Fossilbrennstoffen und mit beträchtlichen staatlichen Hilfen für Arbeitnehmer und Studenten, wie ihn der demokratische Polit-Star Alexandria Ocasio-Cortez vorgeschlagen hat: Das sei, so der republikanische Senator John Barrasso, ein «sozialistisches Manifest». Trump hat ebenfalls angedeutet, wohin es gehen wird in diesem Wahlkampf: Er witterte bereits venezolanische Zustände bei den Demokraten.

Wer austeilt, muss einstecken können, und man muss es dem Präsidenten lassen, dass er nach zwei Jahren demokratischen Trommelfeuers und etlichen Skandalen noch nicht in die Knie gegangen ist. Man wird ihn als korrupten Ignoranten zeichnen, ein deformierter Mensch, der dem Land Schande eingetragen hat und präsidiale Normen am Fliessband verletzt.

Damit aber ist noch nichts gewonnen, und die Demokraten laufen Gefahr, dass ihr Programm nur aus einem einzigen Punkt besteht, nämlich Trump aus dem Weissen Haus zu entfernen. Sicher ist, dass der Wahlkampf von einer Intensität sein wird, die den Kontrahenten ein nahezu übermenschliches Stehvermögen abverlangen wird. Trump besitzt es, sein demokratischer Herausforderer wird es schon bei den innerparteilichen Vorwahlen benötigen, die in weniger als einem Jahr beginnen und aus dem grossen Feld der Bewerber den Bannerträger der Partei aussieben werden.

Erstellt: 13.02.2019, 10:36 Uhr

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