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Die Leichen im Keller der Republikaner

Bissige Interviews, Schmähschriften im Web: Die Demokraten kämpfen vor den US-Kongresswahlen mit harten Bandagen gegen die drohende Niederlage.

Demokraten schalten Werbespots gegen Republikaner, um die drohende Niederlage bei den US-Kongresswahlen abzuwenden: US-Präsident Obama an einer Wahlkampfveranstaltung in Madison.
Demokraten schalten Werbespots gegen Republikaner, um die drohende Niederlage bei den US-Kongresswahlen abzuwenden: US-Präsident Obama an einer Wahlkampfveranstaltung in Madison.
Keystone

Verlorene Kongresswahlen scheinen bei den US-Demokraten so greifbar zu sein, dass sie vor keinen Tabus mehr Halt machen. Die Demokraten greifen zum Mittel der Schmutzkampagne und machen die Leichen im Keller der US-Republikaner öffentlich. Über Tom Ganley, der für die Republikaner in Ohio antritt, kursiert zum Beispiel ein TV-Werbespot der Demokraten. Er sei in seinem Berufsleben «mehr als 400-mal verklagt worden». Der Republikaner habe sich des Betrugs, der überteuerten Reparaturen und schlechter Sicherheitspolitik schuldig gemacht, heisst es im Werbespot. «Sie kennen das Sprichwort: Kunde, sei wachsam» – kein sehr positives Bild, das die Demokraten vom ehemaligen Gebrauchtwagenhändler malen.

Ganley ist nicht der Einzige, der den Demokraten Angriffsflächen bietet, schreibt der «Spiegel». Auch über den republikanischen Kandidaten in Chicago, wissen die politischen Gegner Brisantes. Randy Hultgren habe Obamas Rettungspaket für den Finanzsektor öffentlich abgelehnt. Das habe die Firma Performance Trust Investment Advisor, in der er Vizepräsident ist, aber nicht daran gehindert, Mittel daraus für eigene Geschäfte zu verwenden.

Website für George-W.-Bush-Klon

Auf einer neuen Website stellen die Demokraten den Kandidaten in Washington, Dino Rossi, als George-W.-Bush-Klon dar. Dem Kandidaten im Bundesstaat New York wird wiederum vorgeworfen, er habe sich Wahlkampfgelder von einem Parteikollegen beschaffen lassen, gegen den der Staat bereits wegen enger Lobbykontakte ermittelt habe.

Die «New York Times» berichtete, die Demokraten denken sogar darüber nach, noch schwerere Geschütze aufzufahren. «Wir müssen die Botschaft senden, dass es gefährlicher denn je ist, die Republikaner zu wählen», wird ein Stratege der Demokraten zitiert. Die Gefahr komme hier vor allem vom wachsenden Einfluss der Tea Party.

Persönliche Angriffe und Negativkampagnen

Die Schlammschlacht hat in den USA rund vier Wochen vor der Kongresswahl relativ früh begonnen. Vor allem die Demokraten, die mit hohen Verlusten rechnen müssen, versuchen mit persönlichen Angriffen und einer Negativkampagne ein paar Sitze zu retten. Auch die Republikaner haben ein paar aggressive Werbespots geschaltet. Doch die Partei, bei der Schmutzkampagnen bis anhin zum Standard gehörten, gibt sich derzeit sehr seriös. Polit-Experte Dennis Johnson von der George-Washington-Universität nimmt den Republikanern die neu zelebrierte Seriosität allerdings nur bedingt ab: «Sie kaprizieren sich aber definitiv auf die negativen Themen von Obamas Präsidentschaft – und auf seine angebliche Führungsschwäche», sagte er gegenüber «Spiegel online».

39 Sitze brauchen die Republikaner, um Obamas Mehrheit im Kongress zu brechen. Wenn man sich die aktuellen Umfragen anschaut, ist dies durchaus realistisch. Laut einer Erhebung der «Washington Post» und des TV-Senders ABC liegen die Demokraten und Republikaner gleichauf bei der Frage, wer die grossen Probleme des Landes lösen könne. Vor drei Monaten verfügten die Demokraten noch über grosszügige zwölf Prozent Vorsprung. Je nach Umfrage liegen die republikanischen Kandidaten zwei bis sieben Prozent vor den demokratischen.

Wirtschaftsfeindlichkeit bei Obama

Kritik an den Demokraten kommt aus den Zweifeln an Obamas Politik. Dem Präsidenten werde Wirtschaftsfeindlichkeit nachgesagt, schrieb der «Economist». Seine Politik sei eine Abkehr von den uramerikanischen Werten der Selbstbestimmung. Polit-Experte Johnson konstatiert den Demokraten, einen schweren Stand bei den Kongresswahlen zu haben. «Die Demokraten haben es nicht geschafft, den Wählern ihre Politik nahezubringen. Jetzt versuchen sie, die Aufmerksamkeit auf Fehler der Republikaner zu lenken.» Die Demokraten haben also definitiv einen schweren Stand bei den Kongresswahlen. Nur schlecht wäre ein Sitzverlust aber nicht: Sollten die Republikaner die Mehrheit im Kongress erhalten, könnte das Obama sogar wieder Auftrieb verleihen. Bei Problemen könnte er dann die Schuld einfach den Republikanern zuschieben.

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