Zum Hauptinhalt springen

«Die NSA wusste genau, wo sie bei Google und Yahoo suchen muss»

US-Geheimdienstler sollen bei Internetfirmen nicht nur Metadaten, sondern ganze Datenspeicher abgeschöpft haben. Hannes Lubich, Experte für Internetsicherheit, erklärt diese neue Abhördimension.

«Sie finden wohl oft Dinge, von denen sie gar nicht gewusst haben, dass sie sie suchen»: Hund Elmo (l.) vor einer Wand mit der Aufschrift «streng geheim» bei Google in Zürich. (9. März 2011)
«Sie finden wohl oft Dinge, von denen sie gar nicht gewusst haben, dass sie sie suchen»: Hund Elmo (l.) vor einer Wand mit der Aufschrift «streng geheim» bei Google in Zürich. (9. März 2011)
Reuters
Es sei technisch möglich, die Kommunikation ausländischer Feinde abzuhören, sagte er im August 1975, ohne die NSA beim Namen zu nennen: Der Senator Frank Church.
Es sei technisch möglich, die Kommunikation ausländischer Feinde abzuhören, sagte er im August 1975, ohne die NSA beim Namen zu nennen: Der Senator Frank Church.
Keystone
Streitet die Vorwürfe an die Adresse der USA ab: NSA-Chef Keith Alexander vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats. (29. Oktober 2013)
Streitet die Vorwürfe an die Adresse der USA ab: NSA-Chef Keith Alexander vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats. (29. Oktober 2013)
Jason Reed, Reuters
Dreht gemeinsam mit Alexander den Spiess um: Geheimdienstdirektor James Clapper. (29. Oktober 2013)
Dreht gemeinsam mit Alexander den Spiess um: Geheimdienstdirektor James Clapper. (29. Oktober 2013)
AP Photo/ Evan Vucci
Von US-Botschaften aus sollen die US-Geheimdienste CIA und NSA Abhöraktionen durchführen: Verdächtig überdachte Fenster an der Botschaft in Berlin. (27. Oktober 2013)
Von US-Botschaften aus sollen die US-Geheimdienste CIA und NSA Abhöraktionen durchführen: Verdächtig überdachte Fenster an der Botschaft in Berlin. (27. Oktober 2013)
Reuters
Muss seine Verbündeten besänftigen: US-Präsident Barack Obama. (24. Oktober 2013)
Muss seine Verbündeten besänftigen: US-Präsident Barack Obama. (24. Oktober 2013)
Larry Downing, Reuters
Ihr Fall hat neue Empörung über die Machenschaften des US-Geheimdienstes NSA ausgelöst: Bundeskanzlerin Angela Merkel (hier in einer Bundestagssitzung am Handy).
Ihr Fall hat neue Empörung über die Machenschaften des US-Geheimdienstes NSA ausgelöst: Bundeskanzlerin Angela Merkel (hier in einer Bundestagssitzung am Handy).
Keystone
Unter seinesgleichen: Edward Snowden bekommt an einer Versammlung von Ex-CIA-Mitarbeitern und Aktivisten in Moskau eine Auszeichnung überreicht. (12. Oktober 2013)
Unter seinesgleichen: Edward Snowden bekommt an einer Versammlung von Ex-CIA-Mitarbeitern und Aktivisten in Moskau eine Auszeichnung überreicht. (12. Oktober 2013)
AFP
Auch Familienbesuch darf der Whistleblower im Exil empfangen: Vater Lon Snowden am New Yorker Flughafen JFK nach seiner Rückkehr aus Moskau. (16. Oktober 2013)
Auch Familienbesuch darf der Whistleblower im Exil empfangen: Vater Lon Snowden am New Yorker Flughafen JFK nach seiner Rückkehr aus Moskau. (16. Oktober 2013)
Reuters
Stellte in über 20 Ländern einen Asylantrag: Edward Snowden auf einem Poster in Deutschland. (4. Juli 2013)
Stellte in über 20 Ländern einen Asylantrag: Edward Snowden auf einem Poster in Deutschland. (4. Juli 2013)
Keystone
Edward Snowden selber bleibt vor der Öffentlichkeit verborgen: Ein Demonstrant in Berlin tut seine Unterstützung für den Enthüller kund. (4. Juli 2103)
Edward Snowden selber bleibt vor der Öffentlichkeit verborgen: Ein Demonstrant in Berlin tut seine Unterstützung für den Enthüller kund. (4. Juli 2103)
EPA/Ole Spata
Seine Geschichte geht um die Welt: Englische und chinesische Zeitungen berichten über den Fall Snowden. (11. Juni 2013)
Seine Geschichte geht um die Welt: Englische und chinesische Zeitungen berichten über den Fall Snowden. (11. Juni 2013)
Reuters
«Ich erwarte nicht, jemals wieder nach Hause zu kommen»: Der 29-jährige Informatiker Edward Snowden brachte den Prism-Skandal ins Rollen. (9. Juni 2013)
«Ich erwarte nicht, jemals wieder nach Hause zu kommen»: Der 29-jährige Informatiker Edward Snowden brachte den Prism-Skandal ins Rollen. (9. Juni 2013)
Keystone
Er ist vor drei Wochen nach Hongkong geflüchtet – die US-Flagge weht dort vor dem amerikanischen Konsulat. (10. Juni 2013)
Er ist vor drei Wochen nach Hongkong geflüchtet – die US-Flagge weht dort vor dem amerikanischen Konsulat. (10. Juni 2013)
AFP
Zum Verkauf ausgeschrieben: Das Haus auf Hawaii, in dem Snowden bis vor kurzem mit seiner Freundin wohnte. (9. Juni 2013)
Zum Verkauf ausgeschrieben: Das Haus auf Hawaii, in dem Snowden bis vor kurzem mit seiner Freundin wohnte. (9. Juni 2013)
Keystone
An ihn wandte sich der 29-Jährige mit seinen brisanten Informationen: Glenn Greenwald, Journalist des britischen «Guardian», gibt selber ein Interview. (10. Juni 2013)
An ihn wandte sich der 29-Jährige mit seinen brisanten Informationen: Glenn Greenwald, Journalist des britischen «Guardian», gibt selber ein Interview. (10. Juni 2013)
Keystone
1 / 18

Die NSA-Affäre wurde losgetreten mit Informationen zum Abhörprogramm Prism, mit dem Nutzerdaten von Internetfirmen gesammelt wurden. Nun soll der Geheimdienst im Rahmen des Programms Muscular auch ohne das Wissen der Unternehmen Daten bei Google und Yahoo angezapft haben. Was ist nun anders?

Unter Prism wurden die Konzerne gezwungen, Metadaten an die NSA zu liefern. Sie hat aufgrund dieser Daten dann wahrscheinlich festgestellt, dass es viel mehr interessante Informationen gäbe, die in den ausgelieferten Verkehrsranddaten aber nicht enthalten waren. Ich vermute, dass die NSA annimmt, es würde zu lange dauern und sei ungewiss, ob es funktioniert, sich diese Daten auch auf dem offiziellen Weg mit einem Gerichtsbeschluss zu beschaffen. Das nun neu bekannt gewordene Programm Muscular basiert also vermutlich auf Erkenntnissen, die man ursprünglich aus Prism gewonnen hat. Die NSA wusste also dank Prism genau, wo sie bei Google und Yahoo suchen muss. Es scheint mir folgerichtig, dass das gemacht wird, denn die Randdaten gaben der NSA Hinweise, aber nicht den Grossteil des Inhalts der Daten. Die Geheimdienstler wollten aber auch an den Inhalt der Daten. Und die Chefs der beteiligten Aufklärungsdienste sehen das als normale und juristisch sauber abgedeckte Tätigkeit an, wie man bei der gestrigen Anhörung in Washington gesehen hat.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.