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Die Popstars der Trump-Résistance

Linke Politkommentatoren in den USA wettern auf Talk-Podcasts hemmungslos über die Regierung. Das Ganze ist so erfolgreich, dass es bereits Merchandise-Artikel gibt.

Kritik auf Abruf: Das Logo von «Pod Save America» (Bild: Crooked.com)
Kritik auf Abruf: Das Logo von «Pod Save America» (Bild: Crooked.com)

Als Jon, Jon, Dan und Tommy die US-Präsidentschaftswahl 2016 verfolgten, trauten sie ihren Augen (und Ohren) kaum. Die vier ehemaligen Mitarbeiter im Stab von Barack Obama – zwei von ihnen waren seine Redenschreiber – starteten den Podcast «Keepin It 1600», in dem sie den Wahlkampf so kommentierten, wie sie ihn auch untereinander besprachen: entgeistert, kenntnisreich, klug.

Die Episoden boten intellektuelle Zuflucht im Irrsinnsjahr. Es würde mit der Wahl von Hillary Clinton enden, dachten Jon Favreau, Jon Lovett, Dan Pfeiffer und Tommy Vietor, und dann würden sie auch ihren Podcast einstellen. Als es anders herauskam, atmeten sie kurz durch und machten weiter.

«Ende meiner Tirade!»

Anfang Jahr lancierten sie den politischen Talk-Podcast «Pod Save America», der mittlerweile pro Folge um die 1,5 Millionen Hörer hat. Die Diskussionen um den republikanischen Angriff auf Obamacare oder die Wahlniederlage von Roy Moore in Alabama sind dossierfest, aber alles andere als ausgewogen - vor allem, wenn es um die Heuchelei konservativer Politiker oder die grotesken Hickhacks geht, die Donald Trump via Twitter anstrengt. Es kann dann schon mal vorkommen, dass einer der Radiomacher zur Wutrede ansetzt, die er mit «Ende meiner Tirade!» beschliesst.

Aus dem einen Podcast sind mittlerweile acht geworden, zusammengehalten unter dem Dach Crooked Media. Das linke «Medienimperium» inklusive redaktioneller Website ist nach der Beleidigung benannt, die Donald Trump regelmässig den Massenmedien entgegenschleudert.

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Video: «Diese Trump-Karikatur ging um die Welt»

Felix Schaad zeigt seine Lieblings-Illustrationen aus dem Jahr 2017. (Video: Nicolas Fäs)

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Der Regierung begegnen die Moderatoren von Crooked Media mit gerechtem Zorn und nicht jugendfreien Angriffen. Auch weil sie wissen: Über einen Misthaufen gibts keine ausgeglichene Berichterstattung, es ist einfach ein Misthaufen.

Auch das eine Folge des Wahljahrs 2016, als die Nachrichtensendungen im US-Fernsehen im Bemühen um Balance schreiende Köpfe aus beiden Lagern aufeinander losliessen und so den Eindruck erweckten, es gebe zu jedem Thema zwei gleichwertig irre Positionen. Crooked Media dagegen will über Politik berichten, «ohne dass man das Verlangen bekommt, sein Handy aus dem Fenster zu schmeissen».

Liveaufnahme im Dolby Theatre

Von Anfang an haben Jon, Jon, Dan und Tommy in ihre Podcasts demokratische Politiker eingeladen und ihre Hörer dezidiert zum Engagement aufgerufen. Seit sie mit ihren Sendungen auf Livetour gehen, sind sie regelrechte Popstars der Trump-Résistance geworden. Es gibt auch schon Merchandise. Die kommende Liveaufnahme in Los Angeles findet im Dolby Theatre statt - also dort, wo die Oscars verliehen werden.

Erstaunlich ist auch, wenn man hört, wie die Komiker und Schauspieler, die Jon Lovett in seinem Podiums-Podcast «Lovett or Leave It» um sich versammelt, in grösster Selbstverständlichkeit und mit viel Witz die aktuellen Aufreger aus dem Weissen Haus auseinandernehmen: der Polit-Podcast als Infotainment - und die Profiunterhalter als politische Köpfe. Zusammen ergibt es ein reaktiviertes Bewusstsein für alle Misthaufen.

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Video: «Das waren die Bilder des Jahres»

Bildredaktor Boris Müller über Trumps Fake-Triumph und den berührenden Abschied von toten Rockstars. (Video: Lea Koch, Nicolas Fäs)

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