Die Trump-Spiele sind bitterer Ernst

Seine Worte nicht zu beachten, ist keine Option. Im Gegenteil. Es fängt alles gerade erst an.

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In seiner ersten Woche hinter dem Schreibtisch im Oval Office zeigt sich Donald Trump so sprunghaft und dünnhäutig wie zuvor im Wahlkampf. Erst ging es ihm um die Anzahl Zuschauer, die ihn bei seiner Amtseinsetzung beklatschten, als spiele das eine Rolle. Dann beklagte er sich mehrmals über Wahlbetrug und behauptete, «Millionen von Menschen» hätten illegal ihre Stimme abgegeben, auch wenn es dafür keinerlei Beweise gibt. Jetzt lobte er in seinem ersten TV-Interview als Präsident die Foltermethode des Waterboarding und sagte, er würde sie wieder einführen wollen, weil sie «so effektiv» sei, obwohl sich sein Verteidigungsminister klar dagegen aussprach.

Den Aufschrei, den seine Sätze über Folter ent­fachen, hat Trump schon einkalkuliert. Er will die Verwirrung, den Lärm, die Schlagzeilen. So kam er schon ins Weisse Haus. Kurz: Die Trump-Spiele scheinen weiterzugehen, wie sie vor 18 Monaten begannen, nur sind sie mittlerweile zum bitteren Ernst verkommen, denn Trump ist nicht mehr nur Immobilienhai und Inhaber von Schönheitswettbewerben, sondern Commander-in-Chief und somit mächtigster Mann der Welt.

Den Aufschrei, den seine Sätze über Folter ent­fachen, hat Trump schon einkalkuliert. Er will die Verwirrung, den Lärm, die Schlagzeilen.

«Wenn wir eines gelernt haben in diesen ersten ­Tagen, dann dies: Man darf ihn nicht beim Wort nehmen», schrieb Margaret Sullivan, Medienjournalistin der «Washington Post». Wenn man ihn zur Rede stellen wolle in einer Sache, hüpfe er schon zur nächsten. Trump stellt den Journalismus tatsächlich vor Schwierigkeiten. Soll man seine Worte, etwa die Folter wieder einzuführen, nicht beachten, weil er sich selbst schon so oft widersprochen hat? Weil er ja doch nur zündeln will, um vielleicht von anderen Dingen abzulenken?

Publikationen wie die «New York Times» oder die «Washington Post» haben als Reaktion angekündigt, nicht etwa weniger, sondern mehr über Trump zu berichten und ihre Reporterteams aufzustocken. Selten war es wichtiger, dem Präsidenten auf die Finger zu schauen, hiess es. Jedes Wort hat Gewicht. Jeder Tweet ist eine offizielle Stellungnahme aus dem ­Weissen Haus. Trumps Worte nicht zu beachten, wie einige fordern, ist keine Option. Im Gegenteil. Es fängt alles gerade erst an.

Erstellt: 26.01.2017, 23:28 Uhr

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