Die Waffe des Orlando-Attentäters

Das Sturmgewehr AR-15, mit dem Omar Mateen mindestens 50 Menschen tötete, ist in den USA ein Verkaufsschlager. Jetzt verklagen Hinterbliebene den Hersteller.

Kann in den meisten US-Bundesstaaten legal gekauft werden: Ein Mann posiert mit einer Variante des AR-15-Sturmgewehrs. Foto: hardwarehank (Flickr)

Kann in den meisten US-Bundesstaaten legal gekauft werden: Ein Mann posiert mit einer Variante des AR-15-Sturmgewehrs. Foto: hardwarehank (Flickr)

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Omar Mateen ist ein Attentäter, der mindestens 50 Menschen umgebracht und weitere 53 verletzt hat. Für seine Tat nutzte er eine Waffe, über die in den USA in den kommenden Tagen wohl heftig diskutiert werden wird – zum wiederholten Mal.

Das AR-15 ist ein halb automatisches Sturmgewehr. Es ist die zivile Version des M-16-Gewehrs des US-Militärs. Halb automatisch bedeutet, dass die Patronen automatisch nachgeladen werden und pro Drücken des Abzugs ein einzelner Schuss abgefeuert wird – vollautomatische Waffen feuern, solange der Finger am Abzug bleibt.

Das Gewehr kann in den meisten US-Bundesstaaten legal gekauft werden. Auch Mateen erwarb seine Waffen nur wenige Tage vor der Tat legal. Er konnte dies, obwohl das FBI 2013 und 2014 gegen ihn ermittelte. Er war nicht vorbestraft und hatte eine Lizenz zum Besitz von Waffen.

Der Fall Newtown führte zu einem Anstieg der Verkaufszahlen.

Das AR-15-Gewehr – oder eine seiner vielen Varianten –, das Mateen verwendete, wurde auch beim Amoklauf am Umpqua Community College im Jahr 2015 eingesetzt, neun Menschen starben. Und ebenfalls beim Amoklauf in Aurora (2012, zwölf Tote), an der Grundschule in Newtown (2012, 26 Tote) und bei dem Anschlag in San Bernardino (2016, 14 Tote).

Insbesondere der Fall Newtown, der Präsident Obama während einer emotionalen Ansprache Tränen in die Augen trieb, führte zu einem massiven Anstieg der Verkaufszahlen. Der Preis der Waffe verdoppelte sich, wie die «New York Times» damals berichtete. «Die junge Generation mag diese Waffen, die nach Angriff aussehen», wurde ein Verkäufer zitiert.

Ein Verbot trat nie in Kraft

Nach der Ansprache von Präsident Obama und dessen Ankündigung, die Waffengesetze verschärfen zu wollen, kauften Waffenfans das Sturmgewehr, um einem möglichen Verbot zuvorzukommen. Ein Verbot trat nie in Kraft.

Eine kleine Einführung für Anfänger. Video nsz85 (Youtube)

Das Sturmgewehr ist das «beliebteste Gewehr» in den USA, wie die National Rifle Association (NRA) mitteilt. Der Waffenlobby zufolge wurde das AR-15 mehr als fünf Millionen Mal verkauft. Die hohe Zahl allein zeige schon, schreibt die NRA, dass «praktisch alle AR-15 nicht missbräuchlich verwendet werden». Die Amokläufe und Attentate seien Ausnahmefälle.

«Lego für erwachsene Männer»

In einem Artikel des Technikmagazins «Wired» wird der Erfolg der Waffe vor allem darauf zurückgeführt, dass sie personalisierbar sei. Darin beschreibt ein Waffenverkäufer die AR-15 als «Lego für erwachsene Männer»: «Es gibt viele Menschen, die ein, zwei, sechs ARs kaufen. Und sie basteln ununterbrochen an ihnen herum.» Die Waffe sei eine «Ablenkung von der Realität».

Einige Eltern der in Newtown getöteten Kinder versuchen derzeit, gegen den Waffenproduzenten Bushmaster Firearms vorzugehen – einen der vielen Hersteller dieser Gewehrfamilie. In der Klage führen sie das Argument an, dass aggressiv geführte PR-Kampagnen Massaker inhaltlich legitimierten. In der Klageschrift heisst es, dass Bushmaster Firearms das AR-15-Gewehr als ultimative Waffe bewerbe. «Das militaristische Marketing bekräftigt die Darstellung einer Angriffswaffe, die genutzt wird, um Kriege anzufangen und Menschen zu töten», heisst es weiter. Die Klage wurde zugelassen. Der erste Verhandlungstag wird der 3. April 2018 sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2016, 12:07 Uhr

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