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Hier werden sich die Midterms entscheiden

In den USA haben die mit Spannung erwarteten Kongresswahlen begonnen. Wir nennen die Midterms-Schauplätze mit besonderer Bedeutung.

Kampf um einen Sitz im Repräsentantenhaus: Amy McGrath, Demokratin und Ex-Pilotin, im Wahlkampf in Kentucky.
Kampf um einen Sitz im Repräsentantenhaus: Amy McGrath, Demokratin und Ex-Pilotin, im Wahlkampf in Kentucky.
Keystone

Nach einem äusserst aufgeheizten Wahlkampf gilt es nun ernst in den USA. Umfragen zufolge könnten die oppositionellen Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobern, während die Republikaner ihre Senatsmehrheit verteidigen dürften. Bei den Midterms werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat vergeben. Ausserdem finden 36 Gouverneurswahlen statt. Die Midterms sind auch ein Referendum über die Politik von US-Präsident Donald Trump.

Erste Wahllokale öffneten heute Dienstag an der Ostküste des Landes um 6 Uhr Ortszeit (12 Uhr MEZ). Weil sich die USA über viele Zeitzonen erstrecken, zieht sich die Abstimmung lange hin. Mit aussagekräftigen Ergebnissen zu den Kongresswahlen wird daher erst am frühen Mittwochmorgen mitteleuropäischer Zeit gerechnet. In einigen Bundesstaaten hat es besonders spannende Wahlkämpfe gegeben. Sie zeigen, wo die politischen Bruchlinien in den USA verlaufen. Redaktion Tamedia nennt ein paar Schauplätze der Midterms, die Aufschluss geben könnten über den Verlauf der Kongresswahlen und die künftigen Entwicklungen der politischen Landschaft der USA.

House-Wahlen in Kentucky: Siegt Ex-Pilotin für Demokraten?

Im erzkonservativen US-Bundesstaat Kentucky will eine Demokratin einen Sitz im Repräsentantenhaus gewinnen. Amy McGrath (43) kandidiert gegen den amtierenden Republikaner Andy Barr (45). Die Demokratin ist eine Frau mit Kriegserfahrung. Veteranin McGrath war die erste weibliche Marine, die einen F-18-Kampfjet flog. Sie steuerte das Kriegsflugzeug in fast 90 Kampfeinsätzen im Irak und in Afghanistan. Der Ausgang des Rennens zwischen McGrath und Barr ist offen. McGraths Sieg wäre auch ein Zeichen dafür, dass Wähler es gutheissen, wenn Kandidaten früher beim Militär waren. Präsident Trump ist der Grund, weshalb McGrath in den Kongress will.

Gouverneurswahlen in Florida: Werden die Weichen für 2020 gestellt?

Der nach Kalifornien und Texas bevölkerungsreichste US-Gliedstaat Florida ist parteipolitisch ausgewogen und gilt als Mikrokosmos der USA. Wer hier als Gouverneur die nächsten Präsidentschaftswahlen organisiert, könnte 2020 sehr wichtig werden. In die Fussstapfen des zurücktretenden Republikaners Rick Scott will Ron DeSantis (40) treten. Der Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus stellt sich vorbehaltlos hinter Trump. In Umfragen liegt allerdings durchgängig der Demokrat Andrew Gillum (39) leicht vorne. Der afroamerikanische Bürgermeister der Hauptstadt Tallahassee gilt als politischer Senkrechtstarter nach dem Muster von Barack Obama.

Das Rennen um den Gouverneursposten in Florida ist offen: Ron DeSantis (Republikaner) gegen Andrew Gillum (Demokraten). Fotos: Reuters
Das Rennen um den Gouverneursposten in Florida ist offen: Ron DeSantis (Republikaner) gegen Andrew Gillum (Demokraten). Fotos: Reuters

Gouverneurswahlen in Georgia: Hören die Schwarzen auf Oprah Winfrey?

Der grosse Südstaat Georgia wählt gemeinhin republikanisch. Doch jetzt legt sich der Superstar Oprah Winfrey für die schwarze Demokratin Stacey Abrams (44) ins Zeug. Sie könnte jene Minderheiten zum Urnengang bewegen, die hier vor zwei Jahren Hillary Clinton zum Sieg fehlten. Das Nachsehen hätte der Republikaner Brian Kemp (55). Präsident Trump nennt Abrams «extrem» und kanzelte sie als unqualifiziert ab. Die Lokalpolitikerin würde als erste schwarze Gouverneurin in die Geschichte eingehen. Ein Sieg von Abrams würde zeigen, dass die von Ex-Präsident Obama geschmiedete Koalition von Frauen, Minderheiten und Jungen unter Trump Zukunft hat.

Senatswahlen in Missouri: Zahlt sich Opportunismus aus?

In einigen Gliedstaaten haben die demokratischen Senatsmitglieder mit ihrer Wiederwahl Mühe, weil dort die Arbeiterschaft zu den Republikanern abgewandert ist. In Missouri bekommt das gerade Claire McCaskill (65) zu spüren. Die nach 20 Jahren im Senat sehr erfahrene Politikerin verlor in Umfragen zunehmend an Terrain gegen den jungen Oberstaatsanwalt Josh Hawley (38). In ihrer Bedrängnis erwies sich McCaskill bezüglich ihrer politischen Positionen als äusserst wandelbar. Einst war sie für eine grosszügige Einwanderungspolitik, jetzt deckt sie Trump «zu hundert Prozent». Missouri gilt als wichtiger Indikator für den Ausgang der Senatswahlen.

Gouverneurswahlen in Kansas: Sensationssieg der Demokraten?

Das weite Flachland von Kansas durchweht ein konservativer Geist. Dennoch bekundet der Republikaner Kris Kobach (52) Mühe, Gouverneur zu werden. Der für seine Kampagne gegen angeblichen Wahlbetrug bekannte Staatssekretär sei «ein gedopter Sam Brownback», höhnt seine demokratische Rivalin Laura Kelly (68). Sie bezieht sich damit auf einen Ex-Gouverneur, der die Steuern senkte und Kansas ein Riesendefizit bescherte. Ein Sieg der Demokratin wäre eine Sensation.

Kampf um das Gouverneursamt in Kansas: Die Demokratin Laura Kelly fordert den Republikaner Kris Kobach heraus. Foto: Keystone
Kampf um das Gouverneursamt in Kansas: Die Demokratin Laura Kelly fordert den Republikaner Kris Kobach heraus. Foto: Keystone

House-Wahlen in Maryland: Machen Veteranen den Unterschied?

Die nationalen Stars unter den Demokraten stehen oft links. Um in Wahlbezirken zu siegen, in denen 2016 Trump gewann, rekrutierte die Oppositionspartei aber viele Mittekandidaten konservativen Schlags. Das gelang gut in Marylands erstem Wahlbezirk, wo die Demokraten den feschen Militärveteranen Jesse Colvin (34) ins Rennen gegen den republikanischen Amtsinhaber Andy Harris (61) schickten. Ein Sieg von Colvin wäre ein Indikator für einen Erdrutschsieg der Demokraten. Zu deren Kandidaten in Trump-freundlichen konservativen Wahlkreisen zählen 19 Veteranen.

House-Wahlen in Iowa: Genügt Frauenpower für den Sieg?

Junge Frau nimmt älteren Mann aufs Korn: Mit dieser Strategie nutzen die Demokraten die Energie der #MeToo-Bewegung und den frauenfeindlichen Ruf Trumps. Im ersten Bezirk des ideologisch ausgeglichenen Agrarstaats Iowa nimmt die Lokalpolitikerin Abby Finkenauer (29) einen Anlauf, den republikanischen Bisherigen Rod Blum (63) zu stürzen. Obwohl Trump hier mit 4 Prozentpunkten siegte, hat die Jungpolitikerin gute Chancen, dem Geschäftsmann Blum den Sitz abzujagen. Vergleichbare Machtwechsel werden für Vorortsbezirke im ganzen Land erwartet.

House-Wahlen in Utah: Demokratenerfolg in der Mormonenbastion?

Es war eine Sensation, als Mia Love (42) vor vier Jahren im konservativen Mormonenstaat Utah als erste schwarze Republikanerin ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Die Tochter haitianischer Eltern muss um ihre Wiederwahl zittern. Ihr Herausforderer im vierten Bezirk ist der Demokrat Ben Adams (43). Der Bürgermeister von Salt Lake City ist ein Politiker der Mitte. Seine Chancen hängen damit zusammen, dass in dem Mittelklasse-Bezirk die Opposition gegen Trump zugenommen hat.

Sie muss in Utah um ihre Wiederwahl zittern: Mia Love, die erste schwarze Republikanerin im Repräsentantenhaus. Foto: Reuters
Sie muss in Utah um ihre Wiederwahl zittern: Mia Love, die erste schwarze Republikanerin im Repräsentantenhaus. Foto: Reuters

Senatswahlen in North Dakota: Wirkt das Kavanaugh-Votum nach?

Im Wilden Westen North Dakotas haben die Republikaner die besten Chancen, den Demokraten einen Sitz abzujagen und ihre Mehrheit im Senat auszubauen. Das wahrscheinliche Opfer, Heidi Heitkamp (63), ist eine Befürworterin von liberalen Waffenrechten und fossiler Energienutzung. Heitkamp ist beliebt, sie wird aber wohl gegen den Republikaner Kevin Cramer (57) verlieren. Taktisch verhängnisvoll war ihre Stimme gegen die Bestätigung des umstrittenen obersten Bundesrichters Brett Kavanaugh, dessen Behandlung durch den Senat die Republikaner in Rage brachte.

Senatswahlen in Texas: Wachsende Chancen für Demokraten?

In Texas kämpft der Demokrat Beto O’Rourke (46) gegen den republikanischen Senator Ted Cruz (47). O’Rourke will unter anderem die vom Staat zur Verfügung gestellte Krankenversicherung Medicaid ausweiten und Waffengesetze verschärfen. Er wird von vielen nationalen US-Medien gefeiert und häufig mit John F. Kennedy verglichen, liegt aber in vielen Umfragen rund sechs Prozentpunkte hinter Cruz. Sein Sieg ist damit nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Er stünde jedoch dafür, dass die Demokraten auch im konservativeren Süden der USA künftig bessere Chancen haben.

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