Diese militärischen Möglichkeiten hat Trump

Kim Jong-un lässt sich leicht provozieren. Trotzdem wird in Amerika ein militärischer Einsatz geübt.

Ein B1B-Langstreckenbomber könnte 168 Bomben abwerfen – und trotzdem eine Eskalation verhindern. (8. Januar 2002). Foto: Cedric H. Rudisill (Reuters)

Ein B1B-Langstreckenbomber könnte 168 Bomben abwerfen – und trotzdem eine Eskalation verhindern. (8. Januar 2002). Foto: Cedric H. Rudisill (Reuters)

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Der eskalierende Konflikt zwischen Washington und Pyongyang hat die Trump-Regierung bereits vor Monaten bewogen, vom Nationalen Sicherheitsrat militärische Einsatzpläne anzufordern. Sicherheitsberater H. R. McMaster zufolge ist die nukleare Aufrüstung Nordkoreas für Präsident Trump «untragbar». Unter den Möglichkeiten zur Lösung der Krise befinde sich auch «eine militärische Option», sagte McMaster kürzlich.

Präsident Trump und seine aussen- und sicherheitspolitischen Berater erörterten die Krise auf der koreanischen Halbinsel am Donnerstag im Feriendomizil des Präsidenten im Staat New Jersey. Laut Insidern hat Trump folgende militärische Optionen: Cyber-Attacken, der verdeckte Einsatz südkoreanischer und amerikanischer Sonderkräfte, die Ausschaltung der nordkoreanischen Führung und Luftangriffe zur Zerstörung von atomaren Anlagen und Raketenstützpunkten in Nordkorea.

Am Mittwoch hatte der TV-Sender NBC unter Berufung auf mehrere hochrangige US-Militärs berichtet, im Mittelpunkt der militärischen Planung stehe eine Luftoffensive mit B1B-Langstreckenbombern. Sechs B1B sind derzeit auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Andersen in Guam stationiert. Die Pazifikinsel ist US-Territorium; am Dienstag drohte Pyongyang, Mitte August mehrere Mittelstreckenraketen in die unmittelbare Umgebung Guams zu feuern.

Laut NBC haben die B1B-Bomber bereits elf Trainingseinsätze absolviert und dabei offenbar eine militärische Aktion gegen Nordkorea simuliert. Die B1B könnte die rund 3200 Kilometer von Guam bis zur koreanischen Halbinsel mühelos bewältigen und in der Luft betankt werden. Neu entwickelte Raketen erlaubten es dem Bomber, Nordkorea aus einer Entfernung von 900 Kilometern anzugreifen.

Alternativ kann die B1B dank ihrer drei Bombenschächte 168 zielgenaue Bomben von jeweils 450 Pfund abwerfen. Da der Bomber nicht für Atomwaffen ausgelegt ist, könnte China und Russland signalisiert werden, dass eine nukleare Eskalation nicht geplant ist. Nicht nur ist zweifelhaft, ob Pyongyang ein solches Signal zu interpretieren wüsste: Kaum dürften US-Geheimdienste darüber hinaus sämtliche Standorte nordkoreanischer Atom- und Raketenanlagen kennen.

Würde Kim Jong-un «zu einer Antwort zwingen»

Auch ist völlig ungewiss, wie Nordkorea auf einen amerikanischen Luftangriff oder die versuchte Enthauptung der politischen und militärischen Führung reagieren würde. Ein Angriff mit B1B-Bombern sei «eine von zwei oder drei Optionen, die zumindest die Möglichkeit einer Nicht-Eskalation beinhalten», sagte James Stavridis, der ehemalige US-Oberkommandierende in Europa, gegenüber NBC.

Der Ex-Admiral fügte jedoch hinzu, auch ein Luftschlag würde Kim Jong-un «zu einer Antwort zwingen» und könnte zu einem nordkoreanischen Angriff auf die südkoreanische Hauptstadt Seoul oder gar auf Guam führen. Trotz dieser Risiken warnte US-Verteidigungsminister James Mattis am Mittwoch einmal mehr, dass man zwar versuchen werde, die derzeitige Krise diplomatisch beizulegen, die «kombinierten allierten Streitkräfte» aber über die «weltweit präzisesten, trainiertesten und robustesten Offensiv- und Defensivkapazitäten verfügen».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2017, 09:47 Uhr

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