Diese Rede zeigt glasklar, wie Trump denkt

Jeder soll innerhalb seiner Grenzen tun, was er will, glaubt Trump. Wer sich aber nicht daran hält, zahlt einen Preis.

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Zeitweise hörte es sich an, als würde US-Präsident Donald Trump eine Wahlkampfrede halten, nur sprach er nicht vor seinen Anhängern in irgendeiner Konzerthalle im Mittleren Westen, sondern hielt seine erste Rede an einer UNO-Vollversammlung. Doch die Themen waren bekannt, viele Sätze identisch. Er hielt ein Plädoyer für mehr Patriotismus, für souveräne Staaten mit starken Grenzen.

Trump unterteilte die Welt in zwei Lager, womit er ein wenig an George W. Bushs «Achse des Bösen» erinnerte. Auch für Trump gibt es die demokratischen Regierungen, die der Bevölkerung dienen und mit denen er, trotz seinem «America-First»-Credo, zusammenarbeiten möchte – insbesondere in der Bekämpfung des Terrorismus.

Und dann gibt es die Gruppe der «Schurkenstaaten», denen er droht und die er während seines Auftritts alle aufzählte: Kuba, Venezuela, vor allem aber zeigte Trump mit dem Finger auf den Iran, «ein Mörder-Regime», das den Terror unterstütze und seine Bevölkerung aushungere. Nordkorea widmete er die meiste Zeit, er drohte gar mit der totalen Zerstörung.

Eine Rede für die republikanische Basis

Das bisschen Diplomatie, das Trump in den letzten Tagen am Rande der Vollversammlung aufblitzen liess, war am Dienstag verflogen. Seine Rede zeigte noch einmal glasklar auf, wie er denkt: Trump ist kein Ideologe, er verlor kein Wort über Menschenrechte und amerikanische Werte, wie das Präsidenten vor ihm taten. Jeder soll sich erst um sich kümmern, so die Idee Trumps, jeder soll innerhalb seiner Grenzen tun, was er will. Wer sich aber nicht daran hält, zahlt einen Preis.

Donald Trumps Rede war eine Rede an seine republikanische Basis: undiplomatisch, laut, aggressiv. So hat er die Wahlen in den USA gewonnen, so wird er weiter regieren. Ob er sich in der Völkergemeinschaft mit diesen Worten durchsetzen kann, ist allerdings zweifelhaft. Die Vertreter der 193 UNO-Länder hoben immer wieder ihre Augenbrauen. Sie müssen sich an Trumps Ton erst gewöhnen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.09.2017, 19:27 Uhr

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