Dieser Mann ist wie Erin Brockovich

Der Anwalt Robert Bilott deckte einen der grössten Umweltskandale der USA auf. Nun erhält er dafür den Alternativen Nobelpreis.

Kämpft gegen mächtige Chemieunternehmen: Der Anwalt Robert Bilott ist Experte für Umweltrecht. (Foto: Taft Stettinius & Hollister LP)

Kämpft gegen mächtige Chemieunternehmen: Der Anwalt Robert Bilott ist Experte für Umweltrecht. (Foto: Taft Stettinius & Hollister LP)

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Eine Firma vergiftet das Grundwasser und versucht zu vertuschen, dass sie die Anwohner krank macht. Das ist der Plot des Films «Erin Brockovich», der auf einer wahren Geschichte aus den 90ern basiert. Und es ist der Plot von Robert Bilotts Leben geworden. Der Anwalt im US-Staat Ohio hat, wie die von Julia Roberts gespielte Titelfigur des Films, eine Firma für ihre Umweltsünden verklagt.

«Erin Brockovich» erhielt im März 2001 einen Oscar. Im selben Jahr schrieb Robert Bilott einen 972 Seiten langen Brief an die amerikanische Umweltbehörde EPA.

16 Jahre später erhält Bilott nun einen der vier diesjährigen Right Livelihood Awards. Die Auszeichnung ist auch als «Alternativer Nobelpreis» bekannt. «Durch die Kombination von innovativer Prozessführung, wissenschaftlichem Verständnis und einem beachtlichen Durchhaltevermögen gelang es ihm, einen der grössten gerichtlichen Erfolge des Jahrhunderts im Umweltrecht und für die Verantwortung grosser Unternehmen zu erzielen», begründete die Stiftung, die den Preis vergibt, die Entscheidung.

Studien stammten aus der Chemiebranche

Bilott arbeitet in der Dependance einer Grosskanzlei in Cincinnati, wo er eigentlich Firmen vertreten sollte, statt sie anzuklagen. Doch der Anwalt kämpft seit den 90ern gegen das Chemieunternehmen DuPont. Der Fall eines Viehbauern machte ihn auf die Firma aufmerksam. Dann deckte der Anwalt auf, dass DuPont hunderttausende Tonnen giftigen Puders in den Ohio River pumpte.

DuPont arbeitet mit Perfluoroctansäure, die auf Englisch PFOA abgekürzt wird. Als Emulgator verhindert sie, dass Teflon während der Herstellung verklumpt. Gelangt sie in den Körper, wird sie nicht abgebaut, sondern mit dem Blut in alle Organe verteilt. In hohen Mengen kann PFOA Nieren- und Hodenkrebs erregen. Die Substanz steht ausserdem in Verdacht, die Schilddrüse zu schädigen, Embryonen zu gefährden und entzündliche Darmerkrankungen auszulösen.

Die wenigen Studien zu der Substanz, die es gibt, hat grösstenteils die Chemiebranche selbst in Auftrag gegeben. Hinweise auf Gesundheitsgefahren von PFOA vertuschte DuPont gezielt. Der Anwalt Bilott meldete die Flussverschmutzung bei den Behörden, klagte im Namen Geschädigter gegen die Firma, ignorierte ihre Beschwichtigungsversuche und liess das Blut von Anwohnern mit aufwändigen Methoden testen.

Bis heute kämpft Bilott dafür, dass die Opfer entschädigt werden. Inzwischen sind einige Betroffene an Krebs gestorben, aber mehr als 3000 übrige hoffen, dass ihre Therapie künftig von der Firma bezahlt wird. Sie alle vertritt Bilott in Klagen, die noch Jahre dauern werden. Die Chemiefirma hat inzwischen aufgehört, Müll ungefiltert ins Grundwasser zu leiten und verwendet einen anderen Emulgator als PFOA.

Buddhistischer Lebenswandel

«Ich hoffe, dass diese Auszeichnung dazu beiträgt, ein stärkeres Bewusstsein für den Schutz unseres Trinkwassers und die Stärkung der Rechte von betroffenen Anwohnern und Gemeinden zu schaffen», sagt Bilott über seinen Preis.

Der sogenannte Alternative Nobelpreis hat nichts mit dem von dem schwedischen Erfinder Alfred Nobel gestifteten Nobelpreis zu tun. Der adlige Publizist Jakob von Uexküll hat ihn 1980 ins Leben gerufen. Er hatte der Nobel-Stiftung vergeblich angeboten, von seinem Vermögen Preise in zwei neuen Kategorien zu stiften: Armutsbekämpfung und Umweltschutz. Stattdessen also der Right Livelihood Award, benannt nach dem buddhistischen Konzept des «rechten Lebenswandels», der zum Pfad ins Nirwana gehört.

«Der Right Livelihood Award ist keine Auszeichnung für die politische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche Elite der Welt, sondern eine Auszeichnung für normale Menschen», erklärt die Stiftung ihre Ziele.

Von Astrid Lindgren bis Edward Snowden

Jeder kann eine Person oder Organisation für den Preis nominieren. Wer gewinnt, entscheidet eine Jury des Stiftungsvorstands. Bisher wurden unter anderem die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, der Whistleblower Edward Snowden und die Lebensretter der syrischen Weisshelme ausgezeichnet.

Robert Bilott hat den Ehrenpreis gewonnen. Die drei übrigen Preisträger von 2017 sind der indische Menschenrechtsanwalt Colin Gonsalves, die äthiopische Aktivistin Yetnebersh Nigussie und die die aserbaidschanische Investigativjournalistin Khadija Ismayilova.

Erstellt: 26.09.2017, 12:43 Uhr

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