Diplomatie mit dem Hammer

Donald Trump mag sich nach dem Deal mit Mexiko feiern. Doch solange die Migration nicht zurückgeht, hat er nichts erreicht.

Seine Drohungen könnten sich für ihn politisch lohnen: US-Präsident Donald Trump will erreichen, dass Mexiko den Strom von Migranten stoppt. Bild: Oliver Contreras/EPA/Keystone

Seine Drohungen könnten sich für ihn politisch lohnen: US-Präsident Donald Trump will erreichen, dass Mexiko den Strom von Migranten stoppt. Bild: Oliver Contreras/EPA/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Noch ist nicht klar, was genau die Einigung umfasst, die die USA und Mexiko am Wochenende in der Migrationsfrage gefunden haben. Wenn es aber stimmt, was Donald Trump am Montag andeutete – dass sich Mexiko zum sicheren Drittstaat für Asylbewerber erklären könnte –, wäre das ein politischer Erfolg für den US-Präsidenten.

Seine erpresserische Drohung, Strafzölle gegen den Nachbarn zu verhängen, wenn dieser den Strom von Migranten nicht stoppe, hätte sich dann aus seiner Sicht gelohnt. Diplomatie mit dem Vorschlaghammer, das Ausspielen wirtschaftlicher Macht ohne Rücksicht auf Verluste: Das ist ganz nach Trumps Geschmack.

Zwar sind nicht alle Zugeständnisse, die die mexikanische Regierung nun eingegangen ist, eine direkte Folge von Trumps angedrohten Zöllen. Aber zweifellos sind sie eine Folge des Drucks, den die USA in den vergangenen Monaten aufgebaut haben. Den Preis für die jüngste Eskalation wird allerdings nicht nur Mexiko bezahlen. Indem Trump den Mexikanern zerstörerische Abgaben in Aussicht stellte und es weiterhin tut, beschädigt er das Verhältnis beider Staaten. Er untergräbt das Vertrauen in die USA als berechenbarer Verbündeter. Er stürzt die eigene Wirtschaft in Unsicherheit.

Vor allem aber ist schwer zu sehen, wie Trumps Deal die Migration aus Zentralamerika stoppen soll. Gegen die Gewalt, Korruption und Armut in den Herkunftsländern, die die Menschen in die Flucht treiben, ist damit nichts getan. Der US-Präsident mag sich nun als Sieger feiern.

Doch alle seine bisherigen Verschärfungen – die Militarisierung der Grenze, die restriktivere Asylpraxis, die unselige Trennung von Kindern von ihren Familien – konnten bisher nicht verhindern, dass die Zahl der Grenzübertritte zuletzt deutlich zunahm. Wird das nun anders? Solange die Migranten an der US-Grenze nicht weniger werden, solange die Zahlen nicht nachweislich sinken, hat Trump viel Lärm gemacht – aber nichts erreicht.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 10.06.2019, 19:31 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Durchbruch, aber welcher?

Mexiko will zur Besänftigung Donald Trumps härter gegen Migranten vorgehen. Unklar ist jedoch, was das Land den USA zugesagt hat. Mehr...

Scharfe Worte gegen Trump nach Deal mit Mexiko

Die Einigung im Handels- und Grenzstreit provoziert Reaktionen. Die sind für den US-Präsidenten nicht nur positiv. Mehr...

Trump verkündet Einigung mit Mexiko im Migrationsstreit

Mexiko will entschieden gegen die illegale Einwanderung über die Grenze in die USA vorgehen – im Gegenzug verzichtet die US-Regierung auf Strafzölle. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Neustart dank alten Kaffeesorten

Nespresso lanciert mit «Reviving Origins» eine Initiative zur Wiederbelebung des Kaffeeanbaus in wirtschaftlich und politisch gefährdeten Regionen.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...