Trump beschimpft auch seine republikanischen Kritiker

Der Präsidentschaftskandidat bezeichnet Republikaner, die sich von ihm abwenden, als «Heuchler». Parteistrategen befürchten, sein Erbe könnte jahrelang toxisch wirken.

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Die Republikaner befinden sich laut «New York Times» «am Rande eines Bürgerkrieges». Innerhalb der Partei habe sich ein Graben aufgetan, wie man es in jüngerer Zeit nie gesehen habe. Seit das Video mit Trumps sexistischen Sprüchen aufgetaucht ist, haben sich zahlreiche namhafte Exponenten der Republikaner von Trump abgewendet.

Andere, die sich schon zuvor gegen ihn ausgesprochen hatten, haben ihre Ablehnung bekräftigt. Alte und neue republikanische Trump-Gegner sind etwa der Senator und frühere Präsidentschaftskandidat John McCain, der Abgeordnete Jason Chaffetz aus Utah, Utahs Gouverneur Gary Herbert, Ohios Gouverneur John Kasich, Tennessees Gouverneur Bill Haslam, Ex-Aussenministerin Condoleezza Rice, der ehemalige Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, der Schauspieler und ehemalige kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger.

Mental, moralisch und intellektuell unfähig

In der «Washington Post» behauptet der republikanische Parteistratege Steve Schmidt: «Niemand, der innerhalb der Partei eine verantwortungsvolle Position innehält, äussert im privaten Gespräch die Ansicht, Trump sei mental, moralisch und intellektuell fähig, das Präsidentenamt auszuüben.»

Donald Trump versucht nicht, die Abtrünnigen zu besänftigen oder zurückzugewinnen, sondern er attackiert sie frontal. Schon vor der zweiten Debatte gegen Hillary Clinton bezeichnete er sie auf Twitter als «selbstgerechte Heuchler», während Mitarbeiter von Trumps Kampagne den internen Kritikern vorwarfen, sich «mehr um ihre politische Zukunft zu kümmern als um das Wohl des Landes».

Im Dilemma stecken besonders jene republikanischen Anwärter auf Sitze im Abgeordnetenhaus und im Senat, die sich mit einem aussichtsreichen demokratischen Gegner konfrontiert sehen. Halten sie Trump die Treue, riskieren sie, dass sich gemässigte Wähler von ihnen abwenden, ganz zu schweigen von Frauen und Angehörigen ethnischer Minderheiten. Andererseits verfügt Trump bei der Parteibasis nach wie vor über einen grossen Rückhalt. Wenden sich republikanische Kandidaten für den Kongress von ihm ab, droht ihnen die Strafe der unbeirrbaren Trump-Anhänger.

Die Strafe der Trump-Anhänger

Gemäss Parteistrategen genügt es, dass lediglich 5 Prozent der republikanischen Stammwähler aus Ärger über die Trump-Kritiker der Urne fernbleiben oder lokalen Kandidaten die Gefolgschaft verweigern – in der Folge würden die Republikaner fast alle offenen Rennen um Parlamentssitze verlieren.

Es ist durchaus denkbar, dass die Republikaner wegen des von Trump angerichteten Desasters die Mehrheit in beiden Parlamentskammern verlieren. Und nicht nur das: Der republikanische Berater Rick Wilson äussert in der «Washington Post» die Befürchtung, Trumps Erbe könnte auch ferner in der Zukunft liegende Wahlgänge für republikanische Politiker vergiften. «Jahrelang werden Demokraten in TV-Spots sagen können: Denkt daran, wen dieser oder jener Republikaner unterstützte: Donald Trump. Er unterstützte Donald Trumps Frauenhass, seinen Rassismus, seinen Sexismus und seine Dummheit.»

Erstellt: 10.10.2016, 13:21 Uhr

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