Donald Trump hat einen neuen Lieblingssender

Schlechte Nachrichten für Fox News: Der US-Präsident lobt seit kurzem bei jeder Gelegenheit einen anderen Sender. Was dahintersteckt.

Sein Besuch in Dayton und El Paso ist mit ein Grund, warum Fox News gerade nicht hoch im Kurs steht: Donald Trump spricht mit Medienschaffenden auf dem Rückflug. Foto: Reuters/Leah Mills

Sein Besuch in Dayton und El Paso ist mit ein Grund, warum Fox News gerade nicht hoch im Kurs steht: Donald Trump spricht mit Medienschaffenden auf dem Rückflug. Foto: Reuters/Leah Mills

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Der US-Präsident lässt seine rund 63 Millionen Twitter-Anhänger wissen, dass er mit der Berichterstattung von Fox News über seine Besuche der beiden von Schusswaffenattacken erschütterten Städte El Paso und Dayton unzufrieden ist.

Insbesondere Fox-News-Moderator Sheppard Smith, der dem US-Präsidenten kritischer gegenübersteht als andere Moderatoren des Senders – und auch nicht zögert, dies seinen Zuschauern mitzuteilen –, ist Trump ein Dorn im Auge.

Smith hatte kritisiert, dass Trump dem Pressekorps nicht erlaubt habe, den Präsidenten bei den Besuchen zu begleiten. Stattdessen habe das Weisse Haus eigene Bilder des Besuchs veröffentlicht, «während die Medien ferngehalten werden».

Trump lästert über seine Berichterstattung: Shepard Smith. (Bild: Twitter/Shepard Smith)

Smith sei schlimmer als Fake News CNN, lautete Trumps Reaktion per Twitter. In seinem Tweet spottete er über Smiths Sendung, welche die tiefsten Zuschauerquoten auf Fox News habe. Wann immer es ihm möglich sei, schalte er deshalb OANN an – einen Sender, den Kritiker gerne als «Fox-News-Möchtegern», bezeichnen.

Die Bauchpinselei hat «One America News Network» unter anderem dem Umstand zu verdanken, dass der bereits seit Jahren auf Trump-Linie gelegene Sender erwähnt hatte, dass der Schütze in Dayton in der Vergangenheit die Politiker Bernie Sanders (parteilos), Elizabeth Warren (Demokraten) und die linksradikale Gruppe Antifaschistische Aktion (Antifa) unterstützte.

Gemäss Trump hätten die meisten Nachrichtenagenturen die politischen Neigungen des Ohio-Schützen bewusst ausgelassen, da er nicht nur von liberaler Überzeugung war, sondern auch kein Trump-Anhänger.

Trumps Zuneigung gegenüber OANN basiere aber auch darauf, dass der Sender die Trump-Administration als «Volltreffer des Fortschritts» sehe, schrieb beispielsweise die «Washington Post». Recherchen und Beobachtungen anderer Zeitungen haben dargelegt, dass der Sender rechtsextreme Verschwörungstheorien ungefiltert weiterverbreitet.

Das obskure «One America News Network» gleiche den Mangel an Einfluss und Publikum aus, indem es alle Trump-Äusserungen abhandelt, Verschwörungstheorien aufgreift, russische Bedrohungen herunterspielt, die Mainstream-Medien verprügelt und sich für die Agenda «Make America Great Again» einsetzt, schreibt der «Guardian».

Und so wundert es auch nicht, dass Gründer und Eigentümer Robert Herring dem Präsidenten für dessen Tweet mit dem Verweis auf seinen Sender dankte. Man stehe für echte News und bemühe sich, Wahrheiten zu liefern, twitterte Herring.

Seit seiner Gründung im Jahr 2013 und insbesondere seit Trumps Marsch Richtung Weisses Haus hat Herring, der mit dem Drucken von Leiterplatten zum Multimillionär wurde, seinen Sender angewiesen, Trumps Kandidatur voranzutreiben. Während der Präsidentschafts-Kampagne sei es den OANN-Journalisten beispielsweise verboten worden, über Umfragen, in denen andere als Trump an der Spitze standen, zu berichten.

OANN sicherte sich mittlerweile einen Sitz im Briefing Room des Weissen Hauses, und seine Journalisten werden regelmässig aufgefordert, auf Pressekonferenzen Fragen zu stellen.

Auch Fox-Moderator Smith hat auf Trumps Tweet reagiert. Im Wissen oder Glauben, dass der Präsident trotzdem weiterhin seine Show verfolgt, begann er sie mit den Worten: «Guten Tag, Herr Präsident, es ist schön, Sie bei uns zu haben.» (nag)

Erstellt: 08.08.2019, 12:27 Uhr

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