Donald unter der Haube

Trumps ideologische Nähe zu Rechtsextremen inspiriert die Karikaturisten.

Gegenseitiger Hass: Donald Trump hasst die liberale Presse – und sie ihn.

Gegenseitiger Hass: Donald Trump hasst die liberale Presse – und sie ihn.

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In dieser Sache muss man Donald Trump recht geben: Selten wurde ein amerikanischer Präsident dermassen wüst dargestellt wie er. Schon beim Wahlkampf fiel das auf, die liberale Presse zeigte den Überraschungskandidaten der republikanischen Partei nicht als Gesicht, sondern als Fratze: hassverzerrt, mit ungünstig offenem Mund, gefletschten Zähnen, ein hässlicher, weisser, alter Sack, der einen schon körperlich dermassen abstiess, dass man sich gar nicht erst auf seine wechselnden politischen Ansichten einzulassen brauchte. Acht Jahre nach Barack Obama, dem schönen schwarzen Mann, kam mit Donald Trump der wüste alte Weisse an die Macht.

Neue Eskalationsstufe

Wenigstens sind die Gefühle gegenseitig: Donald Trump hasst die liberale Presse aufs Blut, und sie hasst ihn zurück. Mit dem rechtsextremen Aufmarsch von Charlottesville vor zwei Wochen, von dem sich der Präsident nur halbherzig und dann doch nicht distanzierte, indem er stattdessen von Gewalt auf beiden Seiten redete, hat die Wut seiner Gegner eine neue Eskalationsstufe erklommen. Kein amerikanischer Präsident der Neuzeit hat sich dermassen matt von Rechtsextremisten distanziert wie Donald Trump, wenn er es denn tat, und noch nie haben diese sich so offen zu einem Präsidenten bekannt wie jetzt. Schon während des Wahlkampfs hatte sich David Duke, langjähriger Führer des Ku-Klux-Klans, ein ­glühender Rassist und Holocaustleugner, für die Wahl von Donald Trump ausgesprochen.

Die enthüllende Verhüllung

Auf diese Entwicklungen reagieren jetzt die Karikaturisten auf eine Art, die sich ein Präsident gefallen lassen muss, der sich dermassen offen für gewalttätige Gegner der Demokratie ausspricht: Sie enthüllen ihn durchs Verhüllen. Dabei kommt ihnen die emblematische Uniform des Ku-Klux-Klans entgegen, diese weisse Kutte mit der spitzen Haube, die das Klan-Mitglied vor dem Erkennen schützt.

«Trump hasst die liberalen Medien aufs Blut – und sie ihn.»

Der «Spiegel», der Trump auf seinen Titel­seiten von allem Anfang an mit scharfen Karikaturen attackierte, zeigt ihn jetzt unter der weissen Haube des Klans mit blutroter Krawatte, Schlagzeile: «Das wahre Gesicht des Donald Trump». Fast poetisch mutet der Bildeinfall des «New Yorker» an: Hier sitzt Trump am Steuer eines Bootes und bläst Wind in ein Segel, das eine Klan-Haube ist. Also treiben nicht die Rechts­extremen den Präsidenten an, sondern umgekehrt. Der originellste Cartoon zum Thema kommt vom «Economist», dem britischen, für seine geistreichen Titelblätter bekannten Wirtschaftsmagazin: Hier wird die Klan-Haube zum Sprachrohr, in das der Präsident hineinschreit, ein rechtsextremes Megafon.

«Die Klan-Kapuze ist ein Geschenk für uns», räumt Jon Berkeley ein, Karikaturist beim «Economist». «Sie ist einfach, und ihre Bedrohlichkeit wird sogleich sichtbar.» Auch das passt irgendwie zu Donald Trump.

Erstellt: 24.08.2017, 18:12 Uhr

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