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Donald Trumps Traum von einer Mauer ist tot

Er kann so oft «Build the Wall!» twittern, wie er will. Doch jetzt ist klar: Die Mauer wird nicht kommen.

Wurde von Nancy Pelosi als Bluffer entlarvt: US-Präsident Donald Trump. Foto: Brendan Smialowski (AFP)
Wurde von Nancy Pelosi als Bluffer entlarvt: US-Präsident Donald Trump. Foto: Brendan Smialowski (AFP)

Mike Tyson war ein rabiater Kämpfer, seinem Gegner Evander Holyfield biss der Boxer im Ring einst das Ohr ab. Als Vorbild für politische Auseinandersetzungen taugt er eher nicht. Auch ist Tyson nicht als grosser Denker bekannt. Allerdings stammt von ihm eine bemerkenswerte Lebensweisheit: «Jeder hat einen Plan, bis er eine reingehauen bekommt.»

Womit man bei Donald Trump wäre. Der Präsident der Vereinigten Staaten hatte einen Plan: Er wollte an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen. Eine «schöne» Mauer, unüberwindbar für illegale Einwanderer.

Jetzt bekommt Trump – natürlich nur bildlich gesprochen – eine reingehauen. Er hatte versucht, den Demokraten im Kongress sechs Milliarden Dollar für den Bau der Mauer abzupressen. Er hatte 800'000 Staatsbedienstete fünf Wochen lang nicht bezahlt. Am Freitag musste er kapitulieren. Statt Beton oder Stahl bekommt der Präsident jetzt erst einmal eine Arbeitsgruppe: Parlamentarier beider Parteien sollen jetzt in therapeutischen Sitzungen über Massnahmen zum Grenzschutz sprechen und dem Präsidenten dann ein Paket vorschlagen.

Eine Prognose: Was immer dieses Paket enthält – ein neues Bauwerk von nennenswerter Länge und Höhe wird nicht dabei sein. Trumps Plan, eine Mauer an der Grenze im Süden zu bauen, für die dann später irgendwann Mexiko bezahlt, nachdem der Kongress das Geld aus Steuermitteln schon einmal vorgestreckt hat, ist tot. Da kann Trump noch so oft «Build the Wall!» twittern.

Pelosi hat Trump die schwerste und peinlichste Niederlage seiner bisherigen Amtszeit zugefügt.

Selbst die Drohung des Präsidenten, die Milliarden per Dekret am Parlament vorbei aus dem Verteidigungsetat abzuzweigen, klingt nicht sehr durchdacht. Das wäre ungefähr so, als überfalle der Bankdirektor die eigene Bank, weil sein Konto so überzogen ist, dass die eigenen Angestellten ihm kein Geld ausbezahlen. Gut möglich, dass Trump das trotzdem macht. Nicht auszuschliessen allerdings, dass er sich dann wieder eine blutige Nase holt, weil die eigene Partei meutert oder ein Gericht ihn stoppt.

Bemerkenswert war, wer in den vergangenen Wochen die Rolle des Mike Tyson gespielt hat: Nancy Pelosi. Die Anführerin der Demokraten im Abgeordnetenhaus ist vermutlich weniger tätowiert als der Boxer, aber mindestens so hart. Sie hat den Demokraten gezeigt, dass sie gegen Trump gewinnen können. Sie hat den Präsidenten als das entlarvt, was er immer schon war: ein Bluffer. Das wird nicht immer funktionieren, denn nicht alle politischen Vorhaben von Trump sind so bizarr und unbeliebt wie die Mauer. Und selbst Trump wird einen so dummen Fehler wie den Shutdown (wahrscheinlich) nicht noch einmal machen. Unstrittig aber ist: Pelosi hat, keine vier Wochen nachdem sie zur Oppositionsführerin aufgestiegen ist, Trump die schwerste und peinlichste Niederlage seiner bisherigen Amtszeit zugefügt.

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