Das Doppelspiel des «Aufräumers» ist aufgeflogen

Genaro García Luna galt in Mexiko und den USA als Vorkämpfer gegen die Drogenkriminalität. Bis nun die Wahrheit ans Licht kam.

Nur vermeintlich ein Feind der Kartelle: Genaro García Luna. Foto: Marco Ugarte/AP

Nur vermeintlich ein Feind der Kartelle: Genaro García Luna. Foto: Marco Ugarte/AP

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In einem Superhelden-Film wäre Genaro García Luna der Polizist gewesen, der unermüdlich gegen korrupte Kollegen und übermächtige Superschurken kämpft. Nun ist er in Dallas verhaftet worden, er soll mehrere Millionen Dollar an Bestechungsgeldern vom mexikanischen Drogenkartell Sinaloa angenommen haben.

Das ist erst einmal nicht ungewöhnlich; bei der Gerichtsverhandlung gegen den langjährigen Chef des Kartells, Joaquín «El Chapo» Guzmán, kamen im vergangenen Jahr die Details eines riesigen und dennoch engmaschigen Netzwerks an die Öffentlichkeit – nur: Luna ist in Mexiko das Symbol für einen integren und unbestechlichen Beamten gewesen.

Luna wurde 2001, nach der Wahl des Rechtspopulisten Vicente Fox zum Präsidenten Mexikos, Leiter der Bundesbehörde Federal Investigation Agency (AFI). Er machte sich sogleich einen Namen, weil er den korrupten Laden öffentlichkeitswirksam auseinandernahm: Er feuerte Hunderte Polizisten und kündigte an, die Behörde modernisieren und professionalisieren zu wollen. 2006 wurde er unter dem neuen Präsidenten Felipe Calderón als Minister für öffentliche Sicherheit zum Gesicht der Drogenbekämpfung.

Die mexikanische AFI führt den Kampf gegen die Drogenkriminalität: Bewaffneter Beamter in Mexiko-Stadt. Foto: Reuters

Zu dieser Zeit erschien im Magazin der «New York Times» ein Porträt, in dem er als «Wunderkind» gefeiert wurde und in dem er sagte: «Wir werden keine Kompromisse schliessen, sondern Verbrechen konsequent bekämpfen. Es ist unsere Pflicht.»

Auch die amerikanischen Behörden kooperierten mit Luna. Er sollte zum Beispiel in Mexiko eine Bundesbehörde zur Bekämpfung des Drogenschmuggels aufbauen und dabei eng mit den US-Kollegen arbeiten, um das Problem von beiden Seiten der Grenze aus zu bekämpfen.

Koffer voller Bargeld als Lohn

Luna allerdings nutzte all die Kontakte und Informationen, um dem Sinaloa-Kartell zu helfen. Er versorgte das Kartell mit den Plänen der Drogenfahnder in beiden Ländern und zeigte so Routen auf, wie die Drogen unbehelligt von Südamerika in die Vereinigten Staaten gelangen konnten. Dazu gab er Informationen über verfeindete Kartelle an Sinaloa weiter, das so einen wichtigen Vorteil im oftmals blutigen Bandenkrieg erhielt.

Dafür wurde Luna mindestens zweimal mit Koffern belohnt, die jeweils mit 3 Millionen Dollar Bargeld gefüllt waren: einmal als Leiter der Bundesbehörde und einmal als Minister.

Das kam bei der Verhandlung gegen Guzmán im vergangenen Jahr heraus, als ein Zeuge berichtete, diese Koffer in den Jahren 2005 und 2006 höchstselbst an Luna übergeben zu haben. Guzmán wurde zu lebenslanger Haft verurteilt; nach zwei spektakulären Ausbrüchen aus mexikanischen Anstalten vor dem Prozess in den USA wurde er in ein Hochsicherheits-Gefängnis im US-Bundesstaat Colorado gebracht.

Wie leistet sich ein Staatsdiener derart schicke Häuser?

Es hatte bereits zuvor Zweifel an der Integrität Lunas gegeben – zunächst, weil sich eine Drogenrazzia als fürs Fernsehen inszeniert herausstellte. Die Journalistin Anabel Hernández veröffentlichte 2010 ein Buch, in dem sie fragte, wie sich ein Staatsdiener derart schicke Häuser leisten könne, und stellte dabei einen Zusammenhang zum Sinaloa-Kartell her; später zeigte sie Luna an, da dieser Bundespolizisten angeheuert habe, um sie zu töten. Nach dem Ende seiner Amtszeit im Jahr 2012 siedelte Luna in die USA über, und wieder tauchte die Frage auf, woher die vielen Millionen Dollar für die gewaltigen Häuser kamen.

Luna, 51, hatte eine Aufenthaltserlaubnis für die USA, er lebte vorwiegend im Bundesstaat Florida. Im vergangenen Jahr beantragte er die amerikanische Staatsbürgerschaft – es hiess jedoch, dass er im Antrag «falsche Angaben gemacht und seine kriminelle Vergangenheit verschwiegen» habe. Gleichzeitig wurde er während der Verhandlung gegen Guzmán schwer belastet, was zu Ermittlungen führte, die nun für die Verhaftung sorgten.

«Wir versuchen, all jene zur Verantwortung zu ziehen, die Drogenkartellen helfen und grossen Schaden in Mexiko und den USA anrichten – völlig unabhängig von Rang und Namen», sagt Staatsanwalt Richard Donoghue. Bei einer Verurteilung drohen Luna mindestens zehn Jahre Haft.

Erstellt: 12.12.2019, 12:38 Uhr

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