Dubioser Held

Oliver North ist der neue Chef der US-Waffenlobby.

Der heute 74-Jährige war in den 80er-Jahren Schlüsselfigur eines dubiosen Waffengeschäfts. Foto: Gage Skidmore

Der heute 74-Jährige war in den 80er-Jahren Schlüsselfigur eines dubiosen Waffengeschäfts. Foto: Gage Skidmore

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Wenn es um Waffen geht, kann man womöglich kaum einen geeigneteren Mann finden, denn mit Waffen kennt Oliver North sich aus. Der neue Vorsitzende der mächtigen US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) war in den 80er-Jahren Schlüsselfigur eines dubiosen Waffengeschäfts. Der heute 74-Jährige erlangte zweifelhaften Weltruhm mit der Iran/Contra-Affäre, einem der finsteren Kapitel amerikanischer Einflussnahme auf verschiedenen Kontinenten.

Am 25. November 1986 trat US-Justizminister Edwin Meese vor die Presse im Weissen Haus, um offiziell über Vorgänge zu informieren, die als «Irangate» in die Geschichte eingegangen sind. Im Zentrum der Affäre: Oliver North. Der Veteran des Vietnamkrieges und CIA-Agent war zu dieser Zeit als militärischer Berater des Nationalen Sicherheitsrates tätig. Er hatte direkten Zugang zu Präsident Ronald Reagan. Andere Offiziere nannten ihn etwas neidisch den «höchstrangigen Oberstleutnant der Welt». Sein Spezialgebiet waren verdeckte Operationen.

Zu dieser Zeit führte der Iran Krieg mit dem Irak. Ausgerechnet an den Iran, eigentlich seit der Besetzung der US-Botschaft in Teheran 1980 Erzfeind der Amerikaner, wurden über Mittelsmänner Waffen geliefert – natürlich illegal. Die Einnahmen wurden an die sogenannten Contras in Nicaragua weitergeleitet. Oliver North wurde beschuldigt, das Geschäft arrangiert zu haben. Die Contras waren Rebellen, die gegen die linke Revolutionsregierung kämpften, die seit 1979 in Nicaragua regierte. Es war Kalter Krieg, die UdSSR Ronald Reagans Hauptfeind. Dass die nicaraguanischen Revolutionäre von den Sowjets Unterstützung bekamen, wollte er nicht hinnehmen. Er befürchtete ein zweites Kuba.

Dem Land gedient

Doch offen eingreifen wollten die USA auch nicht. Die CIA liess also die nicaraguanischen Häfen verminen, im Nachbarland Honduras rüstete sie Rebellen aus – die sogenannten Contras. Diese rekrutierten sich aus Mitgliedern der früheren Garde des Diktators Anastasio Somoza, den die Revolutionäre unter ihrem Führer Daniel Ortega gestürzt hatten.

Für die einen war North ein Held. Für die anderen war er jemand, der nach der Methode «der Zweck heiligt die Mittel» auf Recht und Anstand herumtrampelte. North selbst behauptete, er habe stets nur seinem Land gedient. 1989 wurde er verurteilt. Er legte Berufung ein, das Urteil wurde wegen Verfahrensfehlern aufgehoben, ein neues gab es nie.

1994 kandidierte er für den Senat, verlor zwar, aber ein Idol der Konservativen blieb er. North verdiente Geld als Buchautor und Darsteller seiner selbst in TV-Produktionen, zuletzt arbeitete er bei Fox News. NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre sagte, Norths Berufung sei die «aufregendste Neuigkeit», seit der Schauspieler Charlton Heston 1998 Präsident der Vereinigung geworden sei.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.05.2018, 18:48 Uhr

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