Ein Duell wird schon mal richtig hässlich

Donald Trump und Joe Biden attackieren sich bereits im Vorfeld zum Wahlkampf 2020.

«Sleepy Joe»: US-Präsident Donald Trump schiesst bei einer Wahlkampfrede in Iowa hart gegen Joe Biden. Video: AFP

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Ein normaler Präsident würde nicht vor das Weisse Haus stehen, sich an die Schläfe tippen und sagen: «Er ist mental der Schwächste von allen. Er sieht anders aus als früher, er führt sich anders auf, er ist noch langsamer geworden. Er ist ein Dummkopf.» Doch Donald Trump ist kein normaler Präsident, und mit den Worten, die er am Dienstag über den 76 Jahre alten Joe Biden verlor, machte er schon einmal deutlich: Der Wahlkampf 2020 wird vieles werden. Aber sicher nicht anständig.

Biden ist einer von 23 Bewerbern der Demokraten für die Präsidentschaft – und zumindest zum jetzigen Zeitpunkt der Favorit, wenn es darum geht, wen die Partei schliesslich als Kandidaten gegen Trump aufstellt. Glaubt man den Medienberichten der letzten Tage, dann macht Trump diese Aussicht ziemlich nervös. Mehrere Umfragen zeigen ihn gegenüber Biden deutlich im Rückstand, sowohl, was die eher bedeutungslosen Erhebungen auf nationaler Ebene betrifft, wie auch, was die Zahlen in den umkämpften Swing-States Pennsylvania, Michigan oder Ohio angeht.

Erinnerungen an Clinton

Bevor Trump also am Dienstag für einen Auftritt in den Vorwahlstaat Iowa aufbrach, schoss er sich regelrecht auf Biden ein. Die Anspielungen auf dessen Gesundheitszustand erinnerten dabei an die Art und Weise, wie Trump und viele Republikaner 2016 über Hillary Clinton gesprochen hatten: als wäre sie eine Scheintote. Gleichzeitig traf der – selber ebenfalls schon 72 Jahre alte – Präsident einen wunden Punkt: Denn viele Demokraten haben Zweifel daran, ob es sinnvoll ist, einen Mann im achten Lebensjahrzehnt ins Rennen zu schicken.

Auch Biden absolvierte diese Woche einige Auftritte in Iowa. Und auch er nutzte die Gelegenheit, um Trump zu attackieren. Bereits vor seiner Abreise liess seine Kampagne den Medien einen Redetext zukommen, in dem Biden Trump 76-mal namentlich erwähnte. Er nannte den Präsidenten eine «existenzielle Bedrohung» für die USA und sagte, dass sich der Charakter des Landes für immer zum Schlechten verändern werde, wenn er im Amt bestätigt wird. «Hat er irgendetwas getan, um sich zu ­lösen von all den Schurken, die er auf dem internationalen Parkett umarmt hat, von Wladimir Putin bis Kim Jong-un? Nein», sagte Biden. Stattdessen ziehe Trump lieber auf Twitter über Politiker und Schauspielerinnen her, die ihn kritisierten. «Die ganze Welt sieht, wie kindisch er dabei ist.»

Reibung als Strategie

Die Reibung an Trump passt zu Bidens bisheriger Strategie. Während sich die anderen demokratischen Kandidaten bemühen, möglichst wenig über den Präsidenten zu sprechen und stattdessen ihre eigenen Programme und Pläne in den Mittelpunkt zu stellen, schlägt der frühere Vizepräsident von Barack Obama einen anderen Weg ein: Er tut so, als hätte er die internen Vorwahlen bereits gewonnen, als stünde er über dem Kleinkrieg zwischen seinen Konkurrenten – und hätte nur noch Trump zu besiegen.

Diese Strategie stützt sich auf den Umstand, dass viele demokratische Wähler in Biden zwar nicht den Traumkandidaten sehen, der ihnen politisch am nächsten steht – aber dafür jenen Mann, der Trump am ehesten schlagen kann. Weil er erfahren ist, moderat – und ein weisser Mann. «Electability» heisst das Wort, das die Amerikaner dafür verwenden, «Wählbarkeit», und es handelt sich dabei um ein leicht tautologisches Konstrukt: Biden ist wählbar, weil ihn viele Wähler für wählbar halten.

Das Risiko dabei ist, dass sich diese Wahrnehmung rasch ändern kann. Ein paar rhetorische Fehltritte, ein schlechter Auftritt an einer Debatte, und Biden ist seinen Schimmer los.

Erstellt: 13.06.2019, 06:23 Uhr

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