Zum Hauptinhalt springen

Ein Entscheid fern der Realität

Im US-Bundesstaat Michigan wurde die gezielte Förderung von Minderheiten gesetzlich verboten. Solche Sonderregeln sind zwar oft problematisch, in der Realität aber trotzdem notwendig.

Gegner der Affirmative Action betonen es immer wieder: Die Förderung von Minderheiten sollte nur temporär sein, eine vorübergehende Massnahme zur Wiederherstellung der Chancengleichheit nach Jahrhunderten der Unterdrückung. Dank positiver Diskriminierung sollten Afroamerikaner, Native Americans und andere wieder zum Rest der Bevölkerung aufschliessen können. Der Oberste Gerichtshof der USA ist nun der Ansicht, dass diese Übergangshilfe ausgedient hat. Herkunft und Hautfarbe sollen nicht mehr darüber ­entscheiden, ob jemand einen Studienplatz bekommt oder nicht.

Das klingt nicht falsch. Sonderregeln sind meist problematisch. In den USA können sie, wie auch afroamerikanische Kritiker beklagen, einen bizarren Opferkult befördern, wenn das Schicksal versklavter Ahnen plötzlich zu einem Studienplatz berechtigen soll. Sicher zementieren sie eine ungute Vorstellung von klar unterscheidbaren Bevölkerungsblöcken: Wer Stipendien für Schwarze oder Indianer schafft, der glaubt fest an die zweifelsfreie Zu­ordnung der Bewerber. Die Realität aber ist bunter und komplizierter.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.