Ein Foto könnte Trudeau die Wiederwahl kosten

Der kanadische Premier muss sich für ein rassistisches Bild rechtfertigen, das ihn als braun angemalten Aladdin zeigt. Ende Oktober steht seine Wiederwahl an.

«Ich hätte es besser wissen müssen»: Justin Trudeau entschuldigt sich vor den Medien. Sean Kilpatrick/The Canadian Press via AP

«Ich hätte es besser wissen müssen»: Justin Trudeau entschuldigt sich vor den Medien. Sean Kilpatrick/The Canadian Press via AP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Justin Trudeau galt lange als Strahlemann der kanadischen Politik – und als klares Gegenstück zu seinem Amtskollegen weiter südlich, US-Präsident Donald Trump. Das Image des kanadischen Premiers als weltoffener Vorkämpfer für Minderheiten dürfte nun aber deutlich Schaden nehmen, genau wie seine Chancen, Ende Oktober die Parlamentswahlen zu gewinnen.

Das Time-Magazine veröffentlichte am Mittwoch ein altes Foto aus dem Jahr 2001, das Trudeau mit brauner Schminke im Gesicht zeigt. Das Bild erschien im Jahrbuch der West Point Grey Academy. An der Privatschule in British Columbia war der damals 29-jährige Trudeau als Lehrer tätig gewesen, ehe er in die Politik ging. Das Foto zeigt ihn mit Turban und Robe sowie dunklem Make-up an Händen, Gesicht und Hals.

Der Sprecher von Trudeaus Liberal Party bestätigte, dass der Premierminister auf dem Bild zu sehen sei. Geschossen worden sei es bei einem jährlich von der Privatschule ausgerichteten Abendessen, das in jenem Jahr unter dem Motto «Arabische Nächte» gestanden habe. Trudeau habe sich damals als Aladdin verkleidet. Time zufolge sei er allerdings der einzige gewesen, der sein Gesicht anmalte, also ein sogenanntes «Brownface» trug.

Trudeau äusserte sich kurz nach Bekanntwerden des Time-Berichts öffentlich und entschuldigte sich. «Ich hätte das nicht tun sollen. Ich hätte es besser wissen müssen», sagte er Journalisten auf dem Weg von einer Wahlkampfveranstaltung. Es sei rassistisch, aber zum damaligen Zeitpunkt habe er es nicht als rassistisch wahrgenommen. Er bitte die Kanadier, ihm zu verzeihen. Trudeau fügte hinzu, dass er auch einmal als Schüler sein Gesicht schwarz angemalt habe, um ein jamaikanisches Lied zu performen.

Für Trudeau, der Kanada seit vier Jahren regiert, kommen diese Nachrichten zu einer denkbar schlechten Zeit. Vergangene Woche löste er das Parlament auf, am 21. Oktober stehen Neuwahlen an. Schon vor Veröffentlichung des Fotos lagen Trudeaus Liberale etwa gleichauf in Umfragen mit den Konservativen. Anfang des Jahres büsste er durch einen Skandal um einen kanadischen Baukonzern bereits deutlich an Zustimmung in der Bevölkerung ein. Die kanadischen Behörden ermitteln gegen den Konzern, weil dieser jahrelang die libysche Regierung unter Muammar al-Gaddafi bestochen haben soll. Berichten zufolge soll der Premier der Justizministerin nahegelegt haben, der für seine Heimatregion wichtigen Firma einen Vergleich zu ermöglichen. Dieser Verstoss gegen die Ethikvorschriften und die Einmischung in Ermittlungen kratzen stark an Trudeaus Image.

Das nun veröffentlichte Foto könnte ihm zusätzlich im Wahlkampf schaden. Diversität und Weltoffenheit gelten als Grundprinzipien von Trudeaus Politik.

2018 sah sich der Premier schon ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt, als er sich bei einem Besuch in Indien in Tracht zeigte, die als klischeehaft und übertrieben kritisiert wurde.

Erstellt: 19.09.2019, 07:59 Uhr

Artikel zum Thema

Geheimer Telefonmitschnitt belastet Trudeau

Video Kanadas Ex-Justizministerin macht dem Premier schwere Vorwürfe. Ein aufgezeichnetes Telefonat soll ihre Anschuldigung belegen. Mehr...

Kanadas lässiger Premier gerät in Bedrängnis

Als Justin Trudeau 2015 Regierungschef wurde, galt er als progressiver Hoffnungsträger. Doch nun schrumpft seine Popularität. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...