Ein furchtloser Krieger

Jaime Vargas, der Anführer der Indigenen, hat dem ecuadorianischen Präsidenten eine herbe Niederlage zugefügt.

Die angekündigten Sparmassnahmen in Ecuador sollen neu ausgehandelt werden. Nicht zuletzt dank ihm, Jaime Vargas. Foto: Getty Images

Die angekündigten Sparmassnahmen in Ecuador sollen neu ausgehandelt werden. Nicht zuletzt dank ihm, Jaime Vargas. Foto: Getty Images

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Es heisst, die Achua seien furchtlose Krieger. Und zumindest für Jaime Vargas dürfte das zutreffen. Am Sonntagabend sass er in Quito an einem Verhandlungstisch, mit Federkrone und Gesichtsbemalung, ihm gegenüber Lenín Moreno in zerknittertem Hemd und mit Augenringen. Ecuadors Präsident erklärte, man werde die Sparmassnahmen zurücknehmen, gegen die seit knapp zwei Wochen Zehntausende Menschen demonstriert hatten. Es war eine Niederlage für Moreno und ein Sieg für Vargas.

Der 40-Jährige ist der Anführer der Konföderation der indigenen Nationen Ecuadors (Conaie), der grössten Dachorganisation der traditionellen Gemeinschaften in Ecuador und jetzt eine der Hauptkräfte bei den Protesten. Diese begannen vor knapp zwei Wochen. Ecuadors Präsident hatte per Dekret eine ganze Reihe von Sparmassnahmen verabschiedet: Er kürzte den Urlaub der Staatsangestellten, baute Arbeitsschutzvorschriften ab und strich vor allem die Subventionen auf Treibstoff. Über Nacht wurde das Benzin so um ein Viertel teurer, der Preis für Diesel stieg sogar um mehr als 120 Prozent. Die Regierung wollte so Milliarden einsparen. Ecuador ist hoch verschuldet, und Anfang des Jahres musste das Land darum einen Kredit beim Internationalen Währungsfonds aufnehmen. Erleichterungen für Unternehmen waren die Auflage, dazu aber auch Kürzungen bei den Ausgaben. Vor allem der teure Diesel traf dabei die ärmsten Teile der Bevölkerung.

Jaime Vargas und die Conaie distanzierten sich von jeder Gewalt, zum Wochenende aber eskalierte die Situation, die Hauptstadt Quito versank im Chaos.

Als nach Eintreten der Sparmassnahmen am 3. Oktober die Bus- und Taxifahrer streikten, schlossen sich schnell auch Gewerkschaften und Studentenvereinigungen den Protesten an, dazu rief aber eben auch die Conaie ihre Mitglieder zum Widerstand auf. Ein Grossteil der indigenen Gemeinschaften Ecuadors ist mittlerweile in der Conaie organisiert, darunter auch die Achua, die ein dicht bewaldetes Gebiet im Amazonas zwischen Anden und dem Fluss Pastaza bewohnen.

Hier kam Jaime Vargas zur Welt. Schon als junger Mann stieg er in die Führung seiner Gemeinschaft auf, die heute noch etwa 18'000 Menschen umfasst. In der Provinzhauptstadt Puyo hat er Verwaltung und BWL studiert, Vargas hat die Rechte seiner Nation schon vor dem Interamerikanischen Gerichtshof vertreten, und seit 2017 ist er Vorsitzender der Conaie. Sie kämpft heute für die Rechte der Indigenen in Ecuador, aber auch gegen den zunehmenden Raubbau von Bodenschätzen.

Tausende folgten dem Ruf von Vargas und der Conaie und kamen zu Protesten nach Quito. Die Demonstranten blockierten Strassen und zogen in Protestmärschen durch die Strassen. Jaime Vargas und die Conaie distanzierten sich von jeder Gewalt, zum Wochenende aber eskalierte die Situation, die Hauptstadt Quito versank im Chaos. Moreno verhängte eine Ausgangssperre, setzte das Militär ein, rief aber auch die indigenen Gruppen zum Dialog auf.

Die Sparmassnahmen sollen nun neu ausgehandelt werden, unter Beteiligung der indigenen Gruppen. Nach dem Rückzieher der Regierung tanzten und sangen die Demonstranten auf der Strasse. Sie feierten ihren Sieg – und ihren Anführer Jaime Vargas.

Erstellt: 14.10.2019, 18:45 Uhr

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