Ein historischer Tag für die amerikanischen Frauen

Mindestens 95 Frauen haben einen Sitz im Repräsentantenhaus gewonnen – so viele wie noch nie.

Die jüngste Frau in der Kongressgeschichte: Die 29-jährige Alexandria Ocasio-Cortez.

Die jüngste Frau in der Kongressgeschichte: Die 29-jährige Alexandria Ocasio-Cortez. Bild: Keystone

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Die «Blue Wave» ist ausgeblieben, die Demokraten konnten den erhofften Erdrutschsieg bei den Midterms nicht feiern. Dafür sorgt die weibliche «Pink Wave» für Furore. Noch liegen die definitiven Resultate der US-Zwischenwahlen nicht vor. Aber schon jetzt ist klar: Die politische Mobilisierung der Frauen hat sich ausgezahlt.

Seit Donald Trumps Amtseinführung gehen sie in den USA auf die Strasse, um gegen Sexismus, Diskriminierung und für mehr Mitsprache zu demonstrieren. Der Women’s March und die #MeToo-Bewegung haben viele angespornt, sich stärker in der Politik zu engagieren. Sowohl für das Repräsentantenhaus als auch für den Senat und die Gouverneursposten kandidierten 2018 mehr Frauen als je zuvor.

Das zahlt sich nun aus: Mindestens 95 Frauen haben einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington gewonnen – ein historischer Höchstwert. Prognosen lassen vermuten, dass es am Ende sogar mehr als 100 sein könnten.

Bisher hielten die Frauen 84 Sitze im Repräsentantenhaus, 2016 zwischenzeitlich noch einen mehr. Fast drei Viertel davon gehörten der Demokratischen Partei an. Seit Jahren stellen die Demokraten klar mehr Politikerinnen als die Republikaner. Nur in den ersten Jahrzehnten der Frauenvertretung in Washington war es umgekehrt. So gehörte etwa Jeannette Rankin, die 1917 als erste Frau überhaupt in den Kongress gewählt wurde, zur Republikanischen Partei.

2018 sind es eindeutig Demokratinnen, die US-Geschichte schreiben und dafür sorgen, dass ihre Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen wird. Sie haben 83 der bislang 95 Sitze erobert. Republikanerinnen holten immerhin 12 Sitze.

Gesichter hat die Erfolgsgeschichte der demokratischen Frauen viele. Zum Beispiel Ilhan Omar und Rashida Tlaib, die ersten beiden Musliminnen, die je in den Kongress gewählt wurden. Oder Sharice Davids und Deb Haaland, die es als erste weibliche «Native Americans» schafften. Die 29-jährige Alexandria Ocasio-Cortez ist gar jüngste Frau in der Kongressgeschichte.

Bunt, weiblich, jung: Die Midterms in den USA haben dieses Jahr bemerkenswerte und teils historische Resultate geliefert. Video: Reuters

Auch bei der Wahl in die zweite Kammer des US-Parlaments sorgen Frauen für Schlagzeilen. Im Bundesstaat Tennessee etwa wird erstmals eine Frau in den Senat einziehen: die Republikanerin Marsha Blackburn. Dasselbe gilt für Arizona. Hier ist allerdings noch nicht sicher, ob es die Republikanerin Martha McSally oder die Demokratin Kyrsten Sinema sein wird.

Jacky Rosen in Nevada ist dafür verantwortlich, dass die Demokraten den Republikanern einen Sitz im Senat abluchsen konnten. Allgemein läuft es jedoch sowohl für die Demokraten als auch für die Frauen weniger gut im Senat. Die Republikaner holten sich im Gegenzug 3 Sitze, die bisher die Demokraten hielten. Und gemäss aktuellen Hochrechnungen wurden erst 22 Frauen für die kommende Legislatur gewählt. Bis vor den Zwischenwahlen waren im Senat 23 Sitze weiblich besetzt.

Damit würden die Frauen gut ein Fünftel der 100 Sitze im Senat halten. Im 435-köpfigen Repräsentantenhaus wäre der Anteil neu gleich gross. Insgesamt wird der weibliche Einfluss auf die amerikanische Politik also deutlich zunehmen. Gemäss aktuellen Hochrechnungen wird der Frauenanteil im Kongress fast 22 Prozent betragen – doppelt so viel wie noch vor zwanzig Jahren.

Der Aufschwung der Frauen macht auch vor den Gouverneurswahlen nicht Halt. Der bisherige Rekord mit 9 Vertreterinnen aus dem Jahr 2004 ist bereits eingestellt. In zwei drei Bundesstaaten gibt es sogar zum ersten Mal überhaupt eine weibliche Gouverneurin: Janet Mills in Maine, Kristi Noem in South Dakota und Lou Leon Guerrero auf der US-Pazifikinsel Guam.

Entscheidend beigetragen zum Sieg der Demokraten und der vielen Frauen, welche für die Partei antraten, haben weibliche Wähler. Laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage stimmten 55 Prozent der befragten Frauen für die Demokraten. Bei den Kongresswahlen vor vier Jahren waren es lediglich 49 Prozent. Viele dürften damit ihre Wut über den aktuellen US-Präsidenten zum Ausdruck gebracht haben. Politische Beobachter glauben, dass die Resultate der Midterms ohne die Wahl von Donald Trump nicht möglich gewesen wären.

Erstellt: 07.11.2018, 14:22 Uhr

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Sandro Benini, Redaktor International Tages-Anzeiger


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