Ein Mann und viele Worte

Kubas Revolutionsführer Fidel Castro wird am Samstag 90. Kein lebender Politiker hat so viel geredet wie er. Lesen Sie, was er so alles gesagt hat in 57 Jahren.

Fidel Castros mutmassliche Abschiedsrede, April 2016. Video: Newsfirst Sri Lanka (Youtube)


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Macht und Demokratie

Macht interessiert mich nicht, ich denke nicht daran, selbst Macht zu erlangen.
1. 1. 1959, in seiner ersten Rede nach dem Triumpf der Revolution

Es wird absolute Freiheit für alle geben, auch für jene, die uns kritisieren und attackieren. Wir werden nie beleidigt sein (. . .) und stets einer Maxime folgen: die Rechte und das Denken aller respektieren.
1. 1. 1959

Wenn man auch nur ein Recht unterdrückt, endet das irgendwann darin, dass man alle Rechte unterdrückt, das ist undemokratisch. Ideen verteidigt man mit Argumenten, nicht mit­ Waffen. Ich bin ein Liebhaber der Demokratie.
7. 1. 1959

Von nun an wird es keine Zensur mehr geben, die Presse wird frei sein, freier denn je, sie kann sich sicher sein, dass nie wieder die Zensur zurückkehrt. Das Volk kann sich frei versammeln, es wird keine Folter, keine politischen Gefangenen, keine Morde und keinen Terror mehr geben.
8. 1. 1959

Das Erste, was Diktatoren tun, ist die freie Presse abzuschaffen und die Zensur einzuführen. Es gibt keinen Zweifel, dass die freie Presse der erste Feind der Diktaturen ist.
17. 4. 1959

Hier regiert das Volk. Das ist wahre Demokratie!
26. 7.1959

Das mit dem «Diktator» kann ich mir nicht erklären. Was ist ein Diktator? Einer, der eigenmächtig und willkürlich entscheidet? Einer, der über die Institutionen und die Gesetze hinweg Entscheide fällt? (. . .) Jeder amerikanische Präsident hat mehr Macht als ich. Ich kann ja nicht mal Minister oder Botschafter ernennen. Ich habe Autorität und Einfluss, aus historischen Gründen, aber ich gebe keine Befehle und regiere nicht per Dekret.
2006, im Gespräch mit dem Journalisten Ignacio Ramonet

Kommunismus und Kapitalismus

Die neue Regierung lehnt jeglichen Umgang mit diktatorisch regierten Staaten wie die Sowjetunion ab. Es kann nicht die geringste Über­einstimmung zwischen jenen geben, die damit begonnen haben, ihr Volk zu emanzipieren, und jenen, welche die Freiheiten eines Dutzend europäischer Staaten unterdrücken und das schlimmste Beispiel an Despotismus in der Welt errichtet haben.
11. 1. 1959

Ich habe in einer klaren und definitiven Form gesagt, dass wir keine Kommunisten sind. Die Türen stehen offen für private Investitionen, die zur industriellen Entwicklung Kubas beitragen. Es ist für uns völlig unmöglich, Fortschritte zu machen, wenn wir uns nicht mit den Vereinigten Staaten verstehen.
26. 4. 1959

Es lebe unsere sozialistische Revolution!
1. 5. 1961

Fidel Castro erklärt die Revolution: Propagandafilm von 1967. Video: mmacluhan (Youtube)

Ich sage mit Stolz und Überzeugung: Ich bin ein Marxist-Leninist, und ich werde bis zum letzten Tag meines Lebens ein Marxist-Leninist bleiben.
1. 12. 1961

Demokratie kann nur im Sozialismus existieren. Die höchste Form von Demokratie wird der Kommunismus sein, aber den haben wir noch nicht erreicht.
1993, im Gespräch mit dem Sandinisten Tomás Borge

Der Kapitalismus (...) und die brutale Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, sie nähern sich dem Untergang.
15. 10. 1976

USA

Ich wusste schon sehr früh, dass meine wahre Bestimmung der Krieg gegen die USA sein würde.
2004, im Film «Looking for Fidel» von Oliver Stone

Sie (die Amerikaner) werden einsehen müssen, dass sie uns niemals in die Knie zwingen werden. Wir können ein, zehn oder so viele Jahre wie nötig widerstehen, selbst wenn wir so leben müssten wie die Indios, die Kolumbus vorfand, als er vor 500 Jahren hier landete.
20. 12. 1980

Wir glauben, dass die Central Intelligence Agency nicht über die geringste Intelligenz verfügt. Wirklich keiner dieser CIA-Agenten ist intelligent. Sie sollten Central Agency of Yankee Cretins genannt werden.
8. 4. 1961

Kalter Krieg

Perestroika ist eines anderen Mannes Frau. Damit möchte ich nichts zu tun haben.
1989, gegenüber Journalisten

Es ist gut möglich, dass wir aufwachen, und die Sowjetunion ist verschwunden.
26. 7. 1989

Wir sind gezwungen, uns unter ausserordentlich schwierigen Bedingungen allein, ganz allein zu verteidigen, umgeben von einem Ozean des Kapitalismus.
10. 10. 1991

Wirtschaft

Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass unser Lebensstandard schon in wenigen Jahren höher sein wird als jener in den USA und der ­Sowjetunion.
16. 2. 1959

Unsere Viehzucht macht Fortschritte, es bestehen keine Zweifel, dass wir in einigen Jahren die beste Viehzucht weltweit haben. (. . .) Wir werden ein grosser Fleischlieferant für den Weltmarkt sein, quantitativ und qualitativ, auch bei den Zitrusfrüchten, Kaffee, Bananen und Ananas werden wir zu den Weltmarktführern gehören.
1. 2. 1968

Dokumentarfilm über Fidel Castro. Video: Docu Engsub For Education (Youtube)

Die Sonderperiode hat auch ihre positiven Seiten – wie die, dass wir jetzt in das Zeitalter des Fahrrads eintreten.
1991, als Kuba nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion praktisch keinen Treibstoff mehr hatte

Unser Betriebsmodell perfektioniert sich. Wir haben gelernt, mit wenig Ressourcen zu produzieren, mit mehr Effizienz und Disziplin.
2. 11. 2001.

Ich mache darauf aufmerksam, dass wir selbst fähig sind, all die Lebensmittel und materiellen Reichtümer zu produzieren, die wir benötigen. Wir haben es nicht nötig, dass das Imperium uns etwas schenkt.
27. 3. 2016, in einer Reflexion nach Obamas ­Besuch in Kuba

Menschenrechte

Über Menschenrechte darf man erst sprechen, wenn man kein Kapitalist mehr ist.
5. 4. 1977

Gibt es ein Land auf dieser Welt, das mehr getan hat für die Menschenrechte als wir?
1992, im Gespräch mit Tomás Borge

Innerhalb der Revolution alles, gegen die Revolution nichts.
30. 6. 1961

Revolution und Reden

Unsere Revolution hat alles getan, den Kindern und Jugendlichen alle möglichen Ausbildungsplätze und Arbeiten zu garantieren, für jeden nach seinem Talent, seinen Fähigkeiten und Vorlieben. Anständige Arbeit für alle, ohne Einschränkung. Welche andere Gesellschaft als eine sozialistische kann das bieten?
15.7. 1984

Eine der grössten Errungenschaften unserer Revolution ist, dass selbst unsere Prostituierten Akademiker sind.
2003, im Film «Comandante» von Oliver Stone

Sie können zweimal um die Erde fliegen, während ich meine Rede halte.
26. 7. 1961, zum Astronauten Juri Gagarin, Ehrengast an einer Rede

Ich versuche, mich kurz zu fassen.
17. 5. 1979

Leben

Mein Monatsgehalt beträgt umgerechnet 30 Dollar. Aber ich sterbe nicht vor Hunger. Ich zahle den Parteibeitrag und meine Miete, sie beträgt, glaube ich, 10 Prozent meines Lohns.
2006, im Gespräch mit Ignacio Ramonet

Das Beste, was du mit einer Kiste Zigarre machen kannst, ist, sie deinem Feind zu schenken.
1985, nachdem er das Rauchen aufgab

Ich bereue absolut nichts von alldem, was wir in unserem Land gemacht haben und wie wir unsere Gesellschaft organisiert haben.
2006, im Gespräch mit Ignacio Ramonet

Tod

Ich sterbe fast jeden Tag. Das macht mir Spass und ich fühle mich dadurch nur gesünder.
22. 7. 1960, zu den ständigen Gerüchten über seinen Tod

Sie sagen, ich habe diese und jene Krankheit. Jetzt haben sie erfunden, dass ich an Parkinson erkrankt bin. Wenn ich einmal wirklich sterbe, wird mir keiner glauben.
17. 11. 2005

Nichts wird passieren, und vielleicht werden die Dinge dann besser.
1998, auf die Frage eines Journalisten, was nach seinem Tod geschehe

Parteien, verschiedene Ideologien und Ziel­setzungen? Nein, das kann ich nicht zulassen. Sollte es unbedingt notwendig sein, dann soll das halt mein Nachfolger machen.
2000, gegenüber einem spanischen Politiker

Ende

Verurteilt mich; das hat nichts zu bedeuten. Die Geschichte wird mich freisprechen.
16. 10. 1953

(Die Zitate wurden zusammengestellt von Oscar Alba)

Erstellt: 12.08.2016, 23:28 Uhr

«Ich werde mich kurzfassen»: Fidel Castro in Aktion. Foto: AKG-Images (Universal Images Group)

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