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Ein Professor im Haifischbecken

US-Präsident Obama manövriert die Kritik der Schwellenländer aus und setzt für das Weltbankpräsidium auf den unbekannten Uniprofessor Jim Yong Kim. Zum Applaus gesellen sich auch Zweifel, ob er bestehen kann.

Dürfte neuer Weltbankpräsident werden: Jim Yong Kim, links beim «Dartmouth Idol» an seiner Uni, bei der Nominierung durch US-Präsident Obama (Mitte) und als Rektor seiner Uni (r.).
Dürfte neuer Weltbankpräsident werden: Jim Yong Kim, links beim «Dartmouth Idol» an seiner Uni, bei der Nominierung durch US-Präsident Obama (Mitte) und als Rektor seiner Uni (r.).

Seit der Gründung der Weltbank nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 war immer ein Amerikaner an ihrer Spitze. Die USA verfügen mit 16,4 Prozent über das grösste Stimmengewicht. Zusammen mit den Europäern sind es fast 50 Prozent. Die Wahl des nominierten Jim Yong Kim sollte deshalb gesichert sein. Doch die Entwicklungsländer sind es leid, dass immer Westler die beiden Top-Jobs des Weltbank- und des Währungsfonds-Präsidenten besetzen.

Die Nominierung des weitgehend unbekannten Wissenschaftlers Jim Yong Kim durch US-Präsident Barack Obama wird deshalb vor allem als Schachzug gesehen, um der wachsenden Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen. Für Kim mussten Schwergewichte wie die US-Aussenministerin Hillary Clinton, der Ökonom Jeffrey Sachs oder der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat John Kerry über die Klinge springen. Sie alle waren zuvor im Gespräch für den Weltbank-Posten.

Von Korea in die USA ausgewandert

Der ruandische Präsident Paul Kagame hat die Kandidatur bereits begrüsst. Kim sei ein Freund Afrikas. Damit stellt sich Kagame gegen die Kandidatur von Nigerias Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala, die ebenfalls heute ins Rennen ums Weltbankpräsidium eingestiegen ist. Okonjo-Iweala wird von Südafrika und Angola unterstützt und könnte, wie auch der frühere kolumbianische Finanzminister José Antonio Ocampo, der bereits am Mittwoch sein Interesse bekundet hatte, den Sukkurs von Staaten wie China, Indien oder Brasilien erhalten. Angesichts des wachsenden Gewichts stellen diese Schwellenländer die ungeschriebene Regel der amerikanisch-europäischen Führung der wichtigsten internationalen Wirtschaftorganisationen zunehmend in Frage.

Das dürfte ihnen bei Kim schwerer fallen. Der 52-Jährige wurde in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul geboren und kam als 5-Jähriger in den US-Bundesstaat Iowa. In der high-school tat er sich beim American Football und beim Basketball hervor, bevor er an den Elite-Unis Brown und Harvard in Medizin und Anthropologie doktorierte, wie die «BBC» berichtet. Seit 2009 steht er einer weiteren Top-Universität vor, dem Dartmouth College in Hanover, New Hampshire.

Fachlich qualifiziert statt Günstling

Das schlagende Argument für seine Kandidatur dürfte aber seine Erfahrung in der Entwicklungshilfe sein. Denn das ist die Kernaufgabe der Weltbank. Kim leitete während mehrerer Jahre die für Aids zuständige Abteilung bei der Weltgesundheitsorganisation. In dieser Funktion war er für ein Programm verantwortlich, das drei Millionen Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu HIV-Medikamenten verschaffte.

Präsident Obama würdigte denn auch Kims fachliche Eignung und sagte: «Es ist an der Zeit, dass ein Profi für Entwicklungshilfe die grösste Entwicklungshilfeorganisation der Welt führt». Dem pflichtet Mark Weisbrot, der Kodirektor des «Centre for Economic and Policy Research» in der «Financial Times» zu: «Zum ersten Mal in 68 Jahren haben wir einen fachlich qualifizierten Weltbankpräsidenten, anstelle eines politischen Günstlings.» Auch andere Kommentatoren äussern sich vorwiegend wohlwollend zum Uni-Professor, wie die «Huffington Post» berichtet.

«Diese Welt wird für Dr. Kim sehr fremd sein»

Felix Salmon wirft in einem «Reuters-Blog» jedoch die Frage auf, ob Kim auch genügend Gewicht entfalten kann, um gegenüber Staatsmännern zu bestehen oder um republikanische Politiker davon zu überzeugen, weiterhin Gelder für die Weltbank zu sprechen.

Uri Dadush, der selber bei der Weltbank gearbeitet hatte, und heute beim Think-Tank Carnegie Endowment ist, gibt zu bedenken, dass Wachstum der wichtigste Faktor für Entwicklung sei. Und das bedeute auch Wirtschaftspolitik. «Diese Welt wird für Dr. Kim sehr fremd sein», sagt Dadush in der «Financial Times».

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