«Ein verbaler Faustkampf ist nicht zu vermeiden»

Politik als Reality-Show: Am Donnerstag treten die republikanischen Präsidentschaftsbewerber zur ersten TV-Debatte an. Im Fokus steht besonders ein Kandidat.

Erhält unerwartet viel Sympathien: Immobilien-Tycoon Donald Trump.

Erhält unerwartet viel Sympathien: Immobilien-Tycoon Donald Trump. Bild: Keystone

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Wenn am Donnerstagabend Ortszeit zehn von 17 republikanischen Präsidentschaftskandidaten in Cleveland im Staat Ohio die Bühne zur ersten Fernsehdebatte des US-Präsidentschaftswahlkampfs betreten, beginnt die grösste politische Show auf Erden. Von Küste zu Küste werden Debatten, Vorwahlen und Versammlungen abgehalten, ehe die Republikanische Partei im Spätsommer 2016 ebenfalls in Cleveland ihren Kandidaten krönen wird.

«Wir leiden an einem Überfluss an Reichtum», urteilt Sean Spicer, der Chefstratege des Republikanischen Nationalkomitees, über die Masse der Bewerber. So viele sind es, dass der Debattenveranstalter Foxnews erst mal aussiebte. Wer von den 17 Kandidaten bei mehreren Umfragen unter den ersten Zehn landete, darf zur besten Sendezeit am Donnerstagabend debattieren. Der abgeschlagene Rest hingegen muss bereits am späten Donnerstagnachmittag antreten, wenn die Nation noch auf dem Heimweg von der Arbeit ist.

Kaum kann der Wert dieser ersten Debatte aller Kandidaten überschätzt werden: Da der stramm republikanische Foxnews-Kanal das Palaver überträgt und die Moderatoren der Sendung, vorneweg Starmoderatorin Megyn Kelly, bei den Parteiaktivisten hoch im Kurs stehen, wird sich die republikanische Basis erwartungsvoll in Wohnzimmern und Kneipen versammeln, um das Feld einzuschätzen. Und diese Basis ist es, die in einem halben Jahr die ersten Entscheidungen in den Staaten Iowa, New Hampshire, South Carolina und Nevada fällen wird.

Trump, überraschender Spitzenreiter

Sicherlich wird sich in Cleveland zeigen, ob eine Spitzengruppe im Kandidatenfeld erkennbar wird und ob ihr Jeb Bush, Wisconsins Gouverneur Scott Walker sowie Florida-Senator Marco Rubio angehören werden. Bush und Walker werden auf der Bühne zu beiden Seiten des Enfant Terrible stehen: Im TV-Bild werden sie Donald Trump einrahmen, den Lautsprecher aus New York und laut Umfragen überraschenden Spitzenreiter.

Der TV-Abend in Cleveland dürfte erstmals Aufschluss darüber geben, wie ernst es Trump mit seiner Kandidatur meint. Dass er momentan führt, mag einen tiefen Blick in die politische Befindlichkeit der republikanischen Basis erlauben, bedeutet ansonsten aber nicht allzu viel: Im August 2012 lag der Geschäftsmann Hermann Cain an der Spitze des damaligen republikanischen Kandidatenfelds, ehe er abstürzte und in der Versenkung verschwand.

Trump präsentiert dennoch ein Problem für seine Konkurrenten: Wie sollen sie ihm beikommen, wie auf ihn eingehen? Die Antwort wird davon abhängen, wie sich der Egomane in Cleveland benimmt. «Ich bin, wer ich bin, und ich denke, das ist gut genug», sagte Trump mit Blick auf die Debatte. Zumindest Jeb Bushs Berater warnen ihren Kandidaten, sich unter keinen Umständen auf einen Schlagabtausch mit Trump einzulassen, falls dieser wie gewohnt austeilt: Wer in den Morast wate, mache sich nur selber schmutzig, so ihr Rat.

«Verbaler Faustkampf ist nicht zu vermeiden»

Andererseits kann es keiner im Zehnerfeld auf sich sitzen lassen, wenn Trump politische Handkantenschläge verteilt. Aber vielleicht gibt sich der rabiate Milliardär staatsmännisch, um die Ernsthaftigkeit seiner Kandidatur zu unterstreichen. Da TV-Debatten jedoch nicht nur hohe Politik, sondern zugleich Reality-Show und Entertainment sind, werden die Foxnews-Moderatoren gewiss versuchen, auf der Bühne Konflikte zu schaffen.

«Ein verbaler Faustkampf ist nicht zu vermeiden», glaubt jedenfalls der republikanische Stratege Alex Castellanos. Dabei werden Patzer wie gelungene Seitenhiebe registriert, gewieftes Auftreten wie dummes Gerede. Der texanische Ex-Gouverneur Rick Perry weiss davon ein Lied zu singen: 2012 demontierte er sich bei den TV-Debatten in Windeseile, was ihn allerdings nicht davon abhielt, jetzt wieder anzutreten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.08.2015, 21:00 Uhr

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