Trumps einsame Entscheidung

Donald Trump streitet mit seinen Sicherheitsberatern. Zu einem schlechten Zeitpunkt.

Das Verhältnis zwischen Donald Trump und seinem Aussenminister Rex Tillerson (links) soll besonders schlecht sein. Bild: Keystone

Das Verhältnis zwischen Donald Trump und seinem Aussenminister Rex Tillerson (links) soll besonders schlecht sein. Bild: Keystone

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Eines der berühmtesten Duelle in der amerikanischen Geschichte fand 1804 in New Jersey statt. Damals trafen der amtierende Vizepräsident Aaron Burr und der frühere Finanzminister Alexander Hamilton aufeinander. Burr verwundete Hamilton tödlich. Ganz so weit will Donald Trump nicht gehen. Dennoch klang es wie ein Echo aus gar nicht so fernen Zeiten, als der US-Präsident seinem Aussenminister Rex Tillerson eine Art Duell anbot. Vielleicht, so Trump in einem Interview, sollte man mal seinen und Tillersons Intelligenzquotienten vergleichen. «Ich weiss, wer da gewinnen würde.» Das Weisse Haus teilte später mit, der Präsident habe nur einen Scherz gemacht. Aber alle wussten, dass die Bemerkung eine Retourkutsche war – ein Hieb gegen Tillerson, den Trump nicht besonders mag und der den Präsidenten nach einem Treffen vor einigen Wochen im Beisein von Zeugen als «Vollidioten» bezeichnet haben soll.

Das Verhältnis zwischen Trump und Tillerson mag besonders schlecht sein. So etwas kommt vor in Washington. Doch in der Trump-Regierung scheint dieser Zustand geradezu symptomatisch zu sein, zumindest in der Aussen- und der Sicherheitspolitik: Mit den meisten Zuständigen in seinem Kabinett wie auch im Kongress hat sich Trump zerstritten. Der Ton und die Bissigkeit variieren, doch im Grunde gibt es kaum jemanden von Rang, der Trumps aggressive Aussenpolitik unterstützt.

Das wird jetzt wichtig werden, wenn Trump die Axt an das Atomabkommen mit dem Iran legt. Er wird spätestens bis am Wochenende erklären, dass Teheran die Vereinbarung, durch die das iranische Nuklearprogramm eingefroren wurde, nicht einhält. Das würde es dem Kongress erlauben, wieder Wirtschaftssanktionen gegen den Iran zu verhängen. Allerdings gibt es in Trumps aussenpolitischem Beraterstab niemanden, der die Ansicht des Präsidenten teilt. Das Atomabkommen war bei den Republikanern nie sehr beliebt. Aber in aussenpolitischen Kreisen herrscht die Meinung vor, dass es besser als nichts sei. Verteidigungsminister James Mattis sagte jüngst, der Fortbestand der Vereinbarung liege im «nationalen Sicherheitsinteresse».

Ähnlich denkt auch Minister Tillerson. Und Trumps Sicherheits­berater und sein Stabschef dürften einen Kurs befürworten, der das Abkommen nicht zerstört. Sie sind keine Freunde Teherans, aber sie befürchten erheblichen aussenpolitischen Schaden. Im Kongress hat das Atomabkommen nur wenige Verteidiger. Doch der Drang, es rasch zu kippen, ist auch hier nicht besonders ausgeprägt.

In diesem belasteten Klima will Donald Trump nun eine der wichtigsten aussenpolitischen Entscheidungen seiner bisherigen Amtszeit verkünden. Es ist, nach allem, was man hört, eine einsame Entscheidung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2017, 23:30 Uhr

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