Eine klare Warnung an Teheran

Begleitet von scharfer Rhetorik, haben die USA angekündigt, einen Flugzeugträger in den Nahen Osten zu schicken. Dabei sind die Spannungen zwischen Washington und Teheran bereits hoch.

Blick von einem Zerstörer der US-Marine zum Flugzeugträger USS Lincoln. Foto: Reuters

Blick von einem Zerstörer der US-Marine zum Flugzeugträger USS Lincoln. Foto: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die USA haben angekündigt, den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln samt Begleitgruppe sowie Langstreckenbomber in den Nahen Osten zu verlegen. In einer Erklärung des Sicherheitsberaters von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, heisst es, dies geschehe als Reaktion auf «eine Reihe eskalierender Anzeichen und Warnungen». Es solle dem Iran die «unmissverständliche Botschaft» senden, dass jeder Angriff auf US-Interessen oder Alliierte mit unerbittlicher Gewalt beantwortet werde. Die USA strebten keinen Krieg mit dem Iran an, seien aber bereit, jederzeit auf Angriffe zu ­reagieren, ob sie von iranisch kontrollierten Gruppen wie der Hizbollah ausgingen, von den Revolutionsgarden oder dem regulären iranischen Militär.

Weder Bolton noch Aussenminister Mike Pompeo gingen näher darauf ein, ob oder welche Hinweise den USA auf mögliche Militäroperationen des Iran vorliegen. Viel spricht dafür, dass John Bolton, der als Hardliner ­bekannt ist, eine geplante Routinemission der USS Lincoln zur militärischen Machtdemonstration gegenüber dem Iran umgedeutet hat.

Drohungen für Schifffahrt

Allerdings hatten in jüngerer Zeit sowohl der Marinechef der ­iranischen Revolutionsgarden, Alireza Tangsiri, als auch Staatspräsident Hassan Rohani Washington damit gedroht, als Reaktion auf die Verschärfung der US-Sanktionen gegen iranische Ölausfuhren die Strasse von Hormuz zu blockieren.

Durch die Meerenge am Eingang zum Persischen Golf wird etwa ein Drittel der weltweiten Rohöllieferungen verschifft. An der engsten Stelle ist sie nur knapp 40 Kilometer breit. Wegen der starken Strömungen und des hohen Verkehrsaufkommens müssen Schiffe zwei jeweils drei Kilometer breite Fahrrinnen benutzen, die anfällig für Seeminen sind. Schiffe könnten aber auch von den Küsten aus mit Raketen unter Beschuss genommen werden. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim hatte zudem Ende April ein Video der Revolutionsgarden veröffentlicht, das hochauflösende Aufnahmen von US-Kriegsschiffen im Golf zeigen soll, die mit einer Drohne aufgenommen wurden.

Boltons Ankündigung, die Lincoln zu verlegen, fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen dem Iran und den USA. Ungeachtet der Widerstände beim US-Militär und den Geheimdiensten, hatte Präsident Trump – auf Drängen Boltons und Pompeos – im April die Revolutionsgarden zur Terrororganisation erklärt. Der Iran reagierte mit einem Gesetz, das alle Truppen der USA im NahenOsten entsprechend einstuft.

Der Iran droht den USA wegen der Sanktionen damit, die Strasse von Hormuz zu blockieren.

Der frühere US-Verteidigungsminister Jim Mattis hatte vor diesem Schritt gewarnt, weil im Golf, im Irak und auch in ­Syrien US-Soldaten in unmittelbarer Nähe zu iranischen Einheiten im Einsatz sind. Im Januar 2016 zum Beispiel waren zwei amerikanische Patrouillenboote im Golf wegen eines technischen Defekts in iranische Gewässer gefahren und von den Revolutionsgarden aufgebracht worden.

Damals kamen die Soldaten nach weniger als 24 Stunden wieder frei, nachdem die Aussenminister der beiden Länder miteinander telefoniert hatten. Europäische Diplomaten warnen vor der möglichen ungewollten Eskalation solcher Zwischenfälle, weil es auf hoher Regierungsebene zwischen Washington und Teheran keine direkten Kontakte mehr gebe, die es erlauben würden, solche Situationen schnell zu entschärfen.

Rede Rohanis erwartet

Zudem hatten die USA jüngst nochmals die Sanktionen gegen den Iran im Bereich der zivilen nuklearen Zusammenarbeit verschärft. Präsident Rohani hat für Mittwoch eine Rede angekündigt. Es wird erwartet, dass er dann erklärt, dass der Iran seine Verpflichtungen aus dem Atomabkommen nur noch mit Einschränkungen erfüllen werde. Trump war aus dem 2015 geschlossenen Abkommen ausgestiegen, die Europäer, Russland und China halten daran fest.

Während Boltons Rhetorik ungewöhnlich scharf ausfällt, ist es nicht unüblich, dass die USA eine Flugzeugträgergruppe in die Region verlegen. Bolton bestimmte das Ziel der Lincoln zwar nicht näher, doch die Website Navaltoday.com berichtete bereits nach Auslaufen des Schiffs Anfang April, der Verband solle nach gemeinsamen Rou­tineübungen mit dem Träger USS John C. Stennis und europäischen Streitkräften im Mittelmeer in den Persischen Golf und von dort weiter in den Indischen Ozean und den Pazifik fahren.

Über die Stationierung der Bomber gaben weder Bolton noch das Pentagon Details bekannt. Allerdings hat die US-Luftwaffe auf dem Stützpunkt al-Udeid in Katar ohnehin Dutzende Kampfjets stationiert, darunter bis Mitte März auch Langstreckenbomber vom Typ B-1 Lancer, die dann zu Wartungsarbeiten in die USA zurückbeordert wurden.

Solche Maschinen waren im April 2018 zu Angriffen auf ­Ziele in Syrien gestartet, die Präsident Trump als Reaktion auf einen Chemiewaffeneinsatz durch das Regime von Bashar al-Assadbefohlen hatte. Sie nahmen aber vor allem an Einsätzen gegen die  Terrormiliz IS und in Afghanistan teil.

Erstellt: 06.05.2019, 23:31 Uhr

Artikel zum Thema

USA und Iran werfen sich gegenseitig «Terrorismus» vor

Das Weisse Haus hat die iranischen Revolutionsgarden als «Terrororganisation» eingestuft. Die Antwort aus Teheran liess nicht lange auf sich warten. Mehr...

«Gefährlich für die ganze Welt»

Badran Ciya Kurd gehört zu den einflussreichsten Männern in den kurdischen Siedlungsgebieten Syriens. Er fordert Hilfe – auch von der Schweiz. Mehr...

Frachtflugzeug stürzt auf Wohngebiet bei Teheran

Die Boeing 707 ist bei einer Notlandung in Brand geraten. Von den 16 Insassen hat nur einer überlebt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Hoher Blutdruck: Senken Sie das Risiko

Ein zu hoher Blutdruck kann gefährlich werden. Vor allem, wenn er lange nicht erkannt wird. Die jährliche Blutdruckmessung in der Rotpunkt Apotheke hilft mit, die Risiken zu senken.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...