Eine neue Flüchtlingskrise an Mexikos Grenze

Ein Video zeigt, wie die mexikanische Nationalgarde eine Migranten-Karawane aus Zentralamerika stoppt.

An der Grenze zwischen Mexiko und Guatemala kommt es zu Zusammenstössen.
Video: Webvideo Tamedia

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Es waren dramatische Szenen, die sich am Rio Suchiate, dem Grenzfluss zwischen Mexiko und Guatemala abspielten. Hunderte Migranten aus Zentralamerika wichen dem regulären Grenzübergang aus und wateten durch das knöcheltiefe Wasser, um nach Mexiko zu gelangen. Ihnen stellten sich Sicherheitskräfte entgegen, die Tränengas einsetzten. Einige Migranten warfen mit Steinen nach den Grenzpolizisten. Für einige Migranten fand eine lange Reise ein jähes Ende. Einigen gelang es, an den Sicherheitskräften vorbeizurennen. Wie Videos zeigten, herrschten einige Minuten lang chaotische Zustände.

Mexiko hat seine Grenzen für Einwanderer aus Honduras, El Salvador und Guatemala geschlossen. Zumindest für diejenigen, die von sich aus sagen, sie wollten in die USA weiterreisen. Das trifft auf den grössten Teil der Migranten-Karawane zu, die sich in der vergangenen Woche von Honduras aus kommend auf den Weg gemacht hatte. Es ist seit Monaten die erste Karawane, die sich auf den Weg macht.

Eine Drohnenaufnahme zeigt Migranten an der Grenze zu Mexiko. Quelle: Keystone

Mexikos Einwanderungsbehörde (INM) erklärte, sie habe 402 Migranten festgenommen und sie zu Immigrationszentren gebracht, wo sie Nahrung, Wasser und Unterkunft erhalten würden. Das INM werde sie per Flugzeug oder Bus in ihre Heimatländer zurückbringen, wenn ihr rechtlicher Status nicht geklärt werden könne. Unter den Migranten sind auch Familien mit kleinen Kindern und Jugendliche, die auf eigene Faust reisen.

Trump hat Mexiko erpresst

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador hatte im Wahlkampf noch versprochen, gegenüber den Migranten eine nachsichtige Politik zu verfolgen. Es gelte, die Umstände in den zentralamerikanischen Ländern zu bekämpfen, nicht die Auswanderer an den Grenzen, sagte er. Die hehren Ideale des seit Dezember 2018 amtierenden Präsidenten prallten schnell auf die Abschottungs-Politik des US-Präsidenten Donald Trump.

Migranten überqueren den Fluss Suchiate zwischen Guatemala und Mexiko. Quelle: Reuters

Dieser hatte López Obrador de facto erpresst: Er verlangte ultimativ, dass Mexiko die Migranten daran hindert, bis an die US-Grenze zu marschieren. Ansonsten würde Washington hohe Zölle auf mexikanische Produkte erheben. Für die mexikanische Wirtschaft wäre das verheerend gewesen. Die USA sind ihr mit Abstand wichtigster Absatzmarkt. López Obrador musste umschwenken – und liess auch anfangs Woche die Nationalgarden gegen die Migranten aufmarschieren.

Trotzdem haben die Migranten ihre Ersparnisse eingesetzt, um unter grossen persönlichen Risiken in die USA zu reisen. Der Grund für die Massenflucht ist die desaströse Situation in Zentralamerika. Kriminelle Banden marodieren, die Mordraten sind hoch, die Armut weit verbreitet. Weil es in Honduras, Guatemala und El Salvador an Perspektiven fehlt, hat die Bevölkerung kaum noch etwas zu verlieren.

Die mexikanische Grenzpolizei trifft auf Migranten. Quelle: Reuters

Korruption und Drogenhandel

Daran sind auch die Regierungen mitschuldig. In den vergangenen Jahren haben sie vor allem für sich selber und ihre Günstlinge gesorgt.

In Guatemala litt die Bevölkerung lange unter der Herrschaft des ehemaligen TV-Comedians Jimmy Morales. Dieser warb noch im Wahlkampf mit dem Kampf gegen die Korruption. Damit war es vorbei, als die von der UNO unterstützte Kommission zur Bekämpfung der Korruption (CICIG) gegen den Präsidenten selber ermittelte. Sein Nachfolger Alejandro Giammattei muss erst noch zeigen, dass er die Situation im Land verbessern kann.

In Honduras wurde der Bruder des Präsidenten in den USA wegen Drogenhandels verurteilt. Weithin wird vermutet, dass der Präsident Juan Orlando Hernández von den Machenschaften wusste – oder sogar selber darin verwickelt war.

So schnell scheinen sich die Migranten nicht von ihrem Vorhaben abbringen zu lassen. Die spanische Zeitung «El Pais» zitiert einen honduranischen Migranten, der zum fünften Mal die Grenze überqueren wollte. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Ebenso hat sich gemäss lokalen Medienberichten in El Salvador bereits eine neue Karawane gebildet.

Erstellt: 22.01.2020, 17:10 Uhr

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