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Trump besucht den mächtigsten Mann der Welt

Der US-Präsident begibt sich auf eine Reise in fünf asiatische Länder, unter anderem China. Dabei wird es vor allem um ein Land gehen, das er gar nicht besucht – Nordkorea.

«Kein Diktator sollte die USA unterschätzen»: Trump drohte zum Auftakt seiner Asien-Reise. (Video: Tamedia/AFP)

Dutzende Reporter waren am Flughafen von Tokio versammelt, Kamerateams, eine Schar Fotografen. Und alle warteten nur auf ihn. Nach der Landung wies Donald Trump seinen Tross an, ja nicht zu hetzen, damit genug Zeit für Fotos und Fragen bleibe. Doch keine Kameras klickten – stattdessen fragte irgendwann ein Journalist bang: «Wo ist denn Michael Jackson?»

Das war 1990, als Trump noch ein Immobilienunternehmer war. Er hatte einem seiner Manager erzählt, er werde den Superstar Michael Jackson nach Japan mitbringen. Der Mann nahm seinen Chef offenbar beim Wort und informierte die Presse. Jackson sei nicht da, mussten Trumps Mitarbeitern den Reportern damals erklären, dafür aber der amerikanische Immobilienmogul Donald Trump. Die Journalisten zogen ab, keiner hatte Interesse an diesem Mann.

Shinzo Abe setzt auf Trump

Das wird anders sein, wenn Donald Trump am Sonntagmorgen wieder in Tokio landen wird. Es ist der Auftakt seiner ersten Asienreise als amerikanischer Präsident, knapp zwei Wochen wird er in Japan, Korea, China, Vietnam und auf den Philippinen verbringen. Nordkoreas Atomprogramm, der Handelsstreit mit China und der Konflikt im Südchinesischen Meer – die Liste der Themen und Probleme ist lang.

Zunächst aber wird Trump mit Japans Premierminister Shinzo Abe Golf spielen gehen. Die beiden verbindet eine spezielle Beziehung. Abe war der erste Ausländer, der Trump nach der Wahl seine Aufwartung machte. Seither setzt der Japaner vorbehaltlos auf Trump, die beiden telefonieren regelmässig. Zu politischen Gesprächen treffen sich die beiden dann am Montag. Dabei wird es vor allem um Nordkorea gehen. Die Handelsbeziehungen mit Japan, über die Trump im Wahlkampf hergezogen war, hat Abe geschickt an die Stellvertreter delegiert. Das Thema liegt bei Finanz­minister Taro Aso und US-Vizepräsident Mike Pence.

Alle Papierkörbe abmontiert

Trump wird auch die Eltern von Megumi Yokota sehen, die vor 40 Jahren als junges Mädchen von Agenten Nordkoreas entführt worden war. Sie sollte in Pyong­yang helfen, Spione für den Einsatz in ­Japan auszubilden. Nach nordkoreanischen Angaben ist Megumi nicht mehr am Leben, aber in Tokio glaubt man das nicht. Trumps Vorgänger Bush und Obama hatten die Yokotas auch getroffen – und ihnen falsche Hoffnungen gemacht. Die Tokioter nehmen Trumps Besuch derweil mürrisch zur Kenntnis, viele lehnen Abes devote Haltung ab. Ausserdem kommen Verkehrsbehinderungen und lange Staus auf sie zu. Alle Schliessfächer in den Bahnhöfen sind blockiert, öffentliche Papierkörbe gibt es für die Dauer des Trump-Besuchs keine, damit nirgends Bomben versteckt werden können.

Bilder: Trump droht Nordkorea an der UN-Vollversammlung

US-Präsident Donald Trump hat in seiner ersten Rede vor der UNO Nordkorea mit deutlichen Worten zur Räson gerufen. Die Denuklearisierung sei der einzig gangbare Weg, sagte Trump.
US-Präsident Donald Trump hat in seiner ersten Rede vor der UNO Nordkorea mit deutlichen Worten zur Räson gerufen. Die Denuklearisierung sei der einzig gangbare Weg, sagte Trump.
Drew Angerer/Getty Images
Trump hat in seiner Rede seine Absicht wiederholt, die Aussenpolitik an US-Interessen auszurichten. «Als Präsident der Vereinigten Staaten werde ich Amerika immer an die erste Stelle stellen», sagte er.
Trump hat in seiner Rede seine Absicht wiederholt, die Aussenpolitik an US-Interessen auszurichten. «Als Präsident der Vereinigten Staaten werde ich Amerika immer an die erste Stelle stellen», sagte er.
Timothy A. Clary, AFP
Ohne seinen Namen zu nennen, kritisierte Leuthard auch den US-Präsidenten, der den Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen angekündigt hat.
Ohne seinen Namen zu nennen, kritisierte Leuthard auch den US-Präsidenten, der den Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen angekündigt hat.
Richard Drew, Keystone
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Am Montagabend werden Trump und seine Frau Melania das Kaiserpaar besuchen. Und am Dienstag fliegt der Tross dann nach Seoul weiter, wo Trump mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in ebenfalls über Nordkorea reden will. Ein geplanter Besuch an der Grenze zu Nordkorea wurde gestrichen, nach Angaben des Weissen Hauses aus Zeitgründen. Trump wird stattdessen den US-Stützpunkt Camp Humphrey südlich von Seoul besuchen.

Der neue «mächtigste Mann»

Danach reist Trump nach Peking. Erst vor zwei Wochen wurde Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping für fünf weitere Jahre zum Generalsekretär der kommunistischen Partei gewählt. Xi ist so einflussreich wie nie zuvor. Der «Economist» rief Xi zum «mächtigsten Mann» der Welt aus. Ein Titel, auf den bisher US-Präsidenten abonniert waren. Im Wahlkampf 2016 hatte Trump China wüst beschimpft. Die chinesische Führung manipuliere die Währung, behauptete er. Von diesem Vorwurf ist er abgerückt. Mit Peking liegt er noch in Handelsfragen über Kreuz, aber er braucht Peking im Konflikt mit Nordkorea. Das Programm verspricht vor allem freundliche Bilder, und Peking – grösster Gläubiger der USA – wird Trumps Bemühungen um eine Steuerreform sicher aufmerksam verfolgen, schlägt diese doch auf die Schuldenlast durch.

Im Zentrum aber wird die eine Frage stehen: Wie gebietet man Nordkoreas Diktator Kim Jong-un Einhalt? Unlängst hat Xi ein Telegramm nach Pyongyang geschickt. Es ist der erste Direktkontakt seit dem Sommer 2016. In dem Schreiben fordert Xi Kim auf, die Beziehungen zwischen China und Nordkorea zu verbessern. Vielleicht ein erster Schritt zum Abbau der Spannungen.

Duterte als Vermittler

Nach einer Stippvisite in Vietnam ist schliesslich Manila die letzte Station auf Trumps langer Asientour. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat sich von den USA abgewandt, als Obama noch Präsident war. Die amerikanische Regierung habe sein Land «wie einen Hund» behandelt, klagte Duterte. Obama hatte ihn wegen aussergerichtlicher Erschiessungen von Drogenhändlern scharf kritisiert. Trump jedoch habe ein «warmes Verhältnis» zu Duterte, so das Weisse Haus. Der Präsident lobte ihn für seine Härte im Kampf gegen die Drogen. Auch mit Duterte geht es um Nordkorea, der Philippino bietet sich als Vermittler in diesem so gewaltigen Konflikt an. Ausgang natürlich ungewiss.

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