«El Chapo» muss für immer hinter Gitter

Die filmreife Karriere des mexikanischen Drogenbosses endet im US-Hochsicherheitsgefängnis.

Gefürchtet, geliebt, gehasst und nun verurteilt: Südamerikaexperte Sandro Benini erzählt die Geschichte von Joaquín Guzmán im Video. Video: Tamedia

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Joaquín Guzmán alias «El Chapo» war der Anführer des berüchtigten Sinaloa-Kartells und galt als mächtigster Drogenbaron der Welt. Sein Aufstieg war ebenso spektakulär wie sein tiefer Fall. Als am Mittwoch in einem Gerichtsaal in New York das Strafmass gegen den 62-Jährigen verkündet wurde, durfte er nicht einmal mehr seine Frau umarmen. Guzmán steht nun eine lebenslange Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis bevor.

«El Chapo» wurde wegen Führung des berüchtigten Sinaloa-Kartells und anderer Vergehen in den USA der Prozess gemacht. Er hatte die Vereinigten Staaten jahrzehntelang mit Heroin, Kokain, Methamphetaminen und Marihuana überschwemmt. Sein damit erworbenes sagenhaftes Vermögen und spektakuläre Gefängnisausbrüche mehrten seinen zweifelhaften Ruhm.

Guzmán war im Februar nach einem dreimonatigen Mammut-Verfahren schuldig gesprochen worden. Vergangene Woche argumentierte die New Yorker Staatsanwaltschaft, der Mexikaner sei 25 Jahre lang ein «erbarmungsloser und blutrünstiger Anführer des Sinaloa-Kartells» gewesen und verdiene daher lebenslange Haft plus 30 weitere Jahre Gefängnis. Das Gericht folgte am Mittwoch dieser Einschätzung.

23 Stunden in Einzelhaft

Seit «El Chapo» Anfang 2016 in Mexiko gefasst und an die USA ausgeliefert wurde, hat er deutlich an Gewicht verloren. Die Bedingungen der Einzelhaft setzen ihm sichtbar zu. 23 Stunden am Tag verbringt Guzmán in Einzelhaft. Er darf seine Anwälte und seine Zwillingstöchter, aber nicht einmal seine Frau Emma Coronel sehen.

Für Guzmán ist es ein tiefer Fall. Unter seiner Führung hatte sich das Sinaloa-Kartell wie eine Krake ausgebreitet, deren Tentakel bis nach Europa und Asien reichten. «Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als irgendwer sonst in der Welt», brüstete sich der Drogen-König in einem im Oktober 2015 heimlich geführten Interview mit dem US-Filmstar Sean Penn. «Ich habe eine Flotte U-Boote, Flugzeuge, Lastwagen und Boote.»

Dabei hat der Mexikaner ganz klein angefangen: Nach seiner Geburt am 4. April 1957 in Badiraguato besserte er als Kind das spärliche Einkommen seiner Familie zunächst mit dem Verkauf von Bonbons, Orangen und Limonade auf. Als 15-Jähriger entdeckte er den Drogenanbau als weitaus lukrativere Einnahmequelle. Dies sei wegen fehlender Job-Perspektiven die einzige Möglichkeit gewesen, «Essen zu kaufen, zu überleben», sagte Guzmán in dem Interview mit Penn.

Auf der Liste der Superreichen

Schliesslich liess sich Guzmán, der wegen seiner geringen Körpergrösse den Spitznamen «El Chapo» – «Der Kurze» bekam, vom Chef des Guadalajara-Kartells, Miguel Angel Félix Gallardo, rekrutieren. Nach Gallardos Festnahme 1989 gründete «El Chapo» sein eigenes Kartell und baute dies binnen weniger Jahre zu einem international agierenden Imperium aus.

Während Guzmán in seiner Heimat das Image eines Robin Hood pflegte, der die Armen unterstützt, führte sein Kartell einen blutigen Kampf mit Konkurrenten. Dabei liess Guzmán andere die brutalen Jobs erledigen, auf denen sich sein Millionenvermögen gründete.

Er schaffte es auf diese Weise auf die «Forbes»-Liste der Superreichen. Im Jahr 2013 flog er jedoch wieder raus – zu viel seines Geldes musste er für seinen eigenen Schutz ausgeben.

13 Jahre auf der Flucht

Schliesslich brachte der Erfolg «El Chapo» viele Gegner ein. Bei einer Schiesserei am Flughafen von Guadalajara wurde 1993 der Erzbischof der Stadt, Kardinal Juan Jesús Posadas Ocampo, getötet, weil sein Wagen offenbar mit dem von Guzmán verwechselt worden war.

Im selben Jahr wurde Guzmán in Mexiko erstmals festgenommen. Doch auch sein Leben als Häftling lieferte Stoff für Romane. Nach seinem Gefängnisausbruch 2001 und 13 Jahren auf der Flucht wurde er im Februar 2014 gefasst und ins Hochsicherheitsgefängnis Altiplano nahe Mexiko-Stadt gesperrt.

Von dort entkam er im Juli 2015 in einer filmreifen Aktion durch einen Tunnel, der sogar mit Schienen ausgerüstet war. Im Januar 2016 wurde Guzmán in seinem Heimat-Bundesstaat Sinaloa erneut festgenommen, ein Jahr später erfolgte seine Auslieferung an die USA. Dort soll «El Chapo» nun den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Eine erneute Flucht wird ihm kaum gelingen, da Guzmán in einem Gefängnis mit der höchste Sicherheitsstufe untergebracht werden soll.

(red/afp)

Erstellt: 17.07.2019, 16:31 Uhr

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