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Er hat sich mit Trump arrangiert

Mitt Romney will Senator im US-Bundesstaat Utah werden. Präsident Trump, sein früherer Gegner, überhäuft ihn nun mit Lob.

Gilt schon als sicherer Sieger: Mitt Romney bei einem Wahlkampfauftritt Ende Juni in Utah.
Gilt schon als sicherer Sieger: Mitt Romney bei einem Wahlkampfauftritt Ende Juni in Utah.
Keystone

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Donald Trump und Mitt Romney ziemlich beste Freunde geworden sind. Letzte Woche stand fest, dass Romney sich bei den Vorwahlen der Republikaner durchgesetzt hat, was bedeutet, dass er im November in Utah als Kandidat bei den Kongresswahlen antreten wird. Präsident Trump gratulierte, und zwar nicht kurz und knapp, sondern regelrecht warmherzig: «Ein grosser und überzeugender Sieg für Mitt Romney», schrieb er auf Twitter, «ich freue mich auf die Zusammenarbeit – es gibt so viel Gutes zu tun. Eine grossartige und liebende Familie kommt nach D.C.» Wenn man das liest, mag man kaum glauben, dass Romney und Trump einander lange in inniger Abneigung verbunden waren.

Romney will die Nachfolge von Senator Orrin Hatch antreten, der Utah bereits seit 1977 in Washington vertritt, sich aber nicht noch einmal zur Wahl stellt. Trump hatte zunächst versucht, den 83 Jahre alten Hatch zum Weitermachen zu überreden, doch dieser befand, es sei nach mehr als 40 Jahren im Amt an der Zeit, den Posten einem Jüngeren zu übergeben. Dass der 71 Jahre alte Romney sich gegen den demokratischen Kandidaten durchsetzen wird, gilt als ­sicher. Utah wählt republikanisch.

Demütigendes Treffen: 2016 war Mitt Romney kurz als Trumps Aussenminister im Gespräch. Quelle: Tamedia/Reuters

Dass Mitt Romney sich tatsächlich um einen Sitz im Senat bewerben würde, war den Beobachtern in Washington seit spätestens Anfang Januar klar. Damals nahm er eine kleine, aber entscheidende Änderung an seinem Twitter-Profil vor. Als seinen Standort gab er nicht mehr den Bundesstaat Massachusetts an, wo er wohnte, sondern Utah – also jenen Staat, in dem er sich nun zur Wahl stellt. Nachdem er dann auch öffentlich verkündet hatte, dass er bei den Vorwahlen antreten werde, passierte etwas Interessantes: Präsident Trump begrüsste Romneys Kandidatur ausdrücklich. Dieser werde ein «grossartiger Senator» sein, schrieb Trump. Einerseits ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Trump republikanische Kandidaten unterstützt, andererseits ist er nicht bekannt dafür, Menschen zu loben, die ihn unter anderem als Hochstapler und Betrüger bezeichnet haben. Genau das aber hat Romney in der Vergangenheit getan.

Höflichkeit und Verantwortung

Romney hatte sich damals für die Unterstützung des Präsidenten bedankt. Er schrieb, dass er hoffe, in den Monaten bis zur Wahl im November auch die Unterstützung der Menschen in Utah zu bekommen. Als eines seiner Hauptanliegen bezeichnete er, die «Werte von Utah» in den Senat nach Washington bringen zu wollen. Das klingt nach üblichem Wahlkampfgerede, lässt sich aber auch als neue, wenn auch leise Kritik an Trump lesen. Zu den Werten Utahs zählt laut Romney nämlich neben Höflichkeit und Verantwortung auch die Offenheit Einwanderern gegenüber.

Es ist noch nicht lange her, dass Trump seinen Parteifreund als einen der schlechtesten Präsidentschaftskandidaten in der Geschichte der Republikaner bezeichnet hat. Romney war 2012 gegen Barack Obama angetreten. Romney wiederum hatte Trump vorgeworfen, dass dieser nicht im Einklang mit der amerikanischen Geschichte und den Werten des Landes stehe. Beim moderaten Flügel der Republikaner galt der Mormone Romney als prinzipientreu und somit als eine Art Gegengift zum launischen Präsidenten. Seine Unterstützer nahmen an, der Glaube gebe ihm einen Kompass. Doch hat Romney nun getan, was fast alle Republikaner seit Amtsantritt des Präsidenten getan haben: Er hat sich arrangiert. Kein kritisches Wort über Trump war zuletzt aus seinem Munde zu hören.

90 Prozent stehen hinter Trump

Auch Romney ist schliesslich nicht entgangen, dass die Republikaner zur Trump-Partei geworden sind. In fast jede Vorwahl mischt der Präsident sich ein, und in der Regel setzen sich die Kandidaten durch, die ihre Loyalität zu Trump am deutlichsten bekunden. Ein altgedienter Abgeordneter aus South Carolina hatte sich erlaubt, hin und wieder ein kritisches Wort über Trump zu verlieren. Prompt verlor er die Vorwahl im Staat gegen eine Trump-Anhängerin. Fast 90 Prozent der Republikaner stehen Umfragen zufolge hinter dem Präsidenten. Solche Werte erreichte lediglich George W. Bush unmittelbar nach dem Anschlägen vom 11. September 2001.

Dass Romney nicht ganz so prinzipientreu sein könnte, dürfte Beobachtern aufgefallen sein, als er sich nach Trumps Wahlsieg Hoffnungen darauf machte, Aussenminister zu werden. Später liess er verlauten, Trump habe seine Erwartungen übertroffen. Der Präsident nahm den Kotau wohlwollend zur Kenntnis. Wer hofft, mit dem Ex-Präsidentschaftskandidaten Romney ziehe ein Mann in den Senat ein, der es wagt, Trump auch mal die Stirn zu bieten, könnte enttäuscht werden.

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