Er schiesst gegen Trump am liebsten anonym

Der republikanische Senator Mitt Romney könnte im Impeachment-Verfahren gegen den Präsidenten eine Schlüsselrolle spielen.

Mitt Romney alias Pierre Delecto gefallen bei Twitter auffallend viele Beiträge, die sich kritisch zu US-Präsident Donald Trump äussern (Archiv). Foto: Carolyn Kaster (AP)

Mitt Romney alias Pierre Delecto gefallen bei Twitter auffallend viele Beiträge, die sich kritisch zu US-Präsident Donald Trump äussern (Archiv). Foto: Carolyn Kaster (AP)

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Er selbst ist damit gescheitert, Präsident zu werden. Aber vielleicht könnte er schon bald eine Präsidentschaft beenden: jene von Donald Trump. Mitt Romney, republikanischer Senator aus dem Wüstenstaat Utah, ist zu einem der prominentesten Kritiker Trumps in den konservativen Reihen geworden. Das macht ihn zum Hoffnungsträger all jener, die sich wünschen, dass er im Impeachment-Verfahren gegen Trump zum Rebellen werde, der die Absetzung des Präsidenten möglich macht. Das macht ihn umgekehrt jetzt schon zu einem Verräter bei Trumps Verbündeten. Beide Lager haben aber derzeit für Romney noch etwas anderes übrig: viel Spott.

Der Grund dafür ist ein Geständnis, das der Senator am Wochenende in der linksliberalen Zeitschrift «The Atlantic» machte. Es ging in dem wohlwollenden Porträt zunächst um Romneys Rolle in Washington, um seine Distanz zum Präsidenten, von dem ihm vieles trennt: politische Ansichten, aber auch das, was Romney Trumps «Charakter» nennt. Es gehe nicht an, dass die allermeisten Republikaner darüber hinweg schauten, wie Trump Menschen herabsetze und ständig lüge. «Das sind keine privaten Geschichten», so Romney. Wenn der Präsident Schweigegeld an einen Pornostar zahle, müsse das in seine Beurteilung einfliessen.

Mitt Romney befindet sich im Herbst seiner Karriere. Er hat nichts mehr zu verlieren.

Dass der gläubige Mormone Romney, der fünf Kinder und 18 Enkelkinder hat, von Trump als Person nicht viel hält, ist nicht verwunderlich. Es überrascht auch nicht, dass der Präsident gegen Romney schon länger austeilt, erst kürzlich beschimpfte er ihn auf Twitter als «aufgeblasenen Arsch». Überraschend ist dagegen, was Romney im «Atlantic» nebenbei verriet: Er selbst sei bei Twitter vor allem mit einem anonymen Konto unterwegs. Es dauerte nach der Veröffentlichung des Artikels nicht lange, bis eine andere Journalistin der Website «Slate» das Twitter-Profil ausfindig machte. Dabei sah sie, dass Romney als ein gewisser Pierre Delecto gerne Beiträge likte, die Trump gegenüber sehr kritisch waren – darunter ein Kommentar, der dazu aufrief, den Präsidenten wegen Amtsunfähigkeit abzusetzen. Romney hat inzwischen bestätigt, dass es sich bei Pierre Delecto um ihn handelt: «C’est moi», teilte er mit.

In den sozialen Medien und in den TV-Studios machen sich nun viele lustig über den 72-Jährigen, der sich hinter einem französisch klingenden Tarnnamen versteckt, um gegen Trump zu schiessen. Doch zumindest bei den Demokraten steckt dahinter noch etwas anderes: die Wut über all jene Republikaner, die über Trump lästern, ihn vielleicht sogar ab und zu mal in einem Interview kritisieren – nur um sich dann, wenn es darauf ankommt, hinter ihn stellen, in den Abstimmungen im Kongress zum Beispiel.

Eine Ermutigung an andere Republikaner?

Im Fall von Romney könnten diese Stimmen sich allerdings täuschen. Der frühere Gouverneur von Massachusetts, der 2012 als Präsidentschaftskandidat gegen Barack Obama unterlag, steht im Herbst seiner Karriere. In Utah steht der schwerreiche, oft etwas steif wirkende Patrizier erst in fünf Jahren wieder zur Wahl, er muss sich also keine unmittelbaren Sorgen um seinen Sitz machen. Wenn das laufende Impeachment-Verfahren gegen Trump einmal den Senat erreicht, könnte er es sich am ehesten leisten, für eine Amtsenthebung zu stimmen. Und damit vielleicht sogar die 19 anderen Republikaner ermutigen, die es braucht, um Trump abzusetzen. So erhoffen sich das zumindest Trumps Gegner.

Romney selbst hat diese Hoffnungen genährt, indem er das Verhalten Trumps in der Ukraine-Affäre als «falsch und beschämend» bezeichnete. Von einer fremden Regierung schädliches Material über einen Gegner zu fordern, sei nicht akzeptabel. Er wolle nun, dass alle Fakten auf den Tisch kämen, bevor er für sich zu einem Urteil gelange. In welche Richtung er neigt, deutete er aber an. Er sehe sich nicht als historische Figur, sagte Romney dem «Atlantic»: «Aber ich hoffe, dass meine Handlungen anderen Leuten die Möglichkeit geben werden, einen anderen Weg zu beschreiten.»


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Erstellt: 21.10.2019, 18:09 Uhr

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