Ihm gilt das brennende Interesse der Demokraten

Die Demokraten interessieren sich brennend für Gordon Sondland, den umstrittenen US-Botschafter bei der EU.

Hat einen engen Draht zu Trump: Gordon Sondland. Foto: Reuters

Hat einen engen Draht zu Trump: Gordon Sondland. Foto: Reuters

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Es war keine Liebe auf den ­ersten Blick zwischen Gordon Sondland und Donald Trump. Sondland, der als Eigentümer von Boutiquehotels zum Millionär geworden war, setzte im Präsidentschaftswahlkampf sein Geld zunächst auf Jeb Bush. Doch nach Trumps Sieg schwenkte er um und spendete eine Million Dollar für ­dessenAmtseinführung. So erhielt Sondland Zugang zum innersten Kreis. Seit Juli 2018 vertritt er die USA als Botschafter bei der EU.

In Brüssel wurde schnell bemerkt, wie eng Sondlands Draht zu Trump ist, dessen Agenda er stets gut gelaunt, aber vehement verteidigt: China sei eine Bedrohung, das Festhalten der Europä­er am Nukleardeal mit dem Iran ein Fehler und die EU besessen von «Regelungswut» und Protektionismus. Wie sein Chef nutzt Sondland Twitter, um seine Botschaften zu verbreiten. Stolz ­teilte er Ende September ein Foto, das ihn in der Wohnung von Trump-Tochter Ivanka am Esstisch mit Jared Kushner, Spaniens Aussenminister Josep Borrell und Belgiens Premierminister Charles Michel zeigte. Mit dem künftigen Aussenbeauftragten der EU und dem nächsten Ratspräsidenten will Sondland die transatlantischen Beziehungen verbessern.

Am «Neustart» mit der EU liegt es aber nicht, dass sich das politische Washington nun brennend für Sondland interessiert. Der 62-Jährige ist eine Schlüsselfigur im Impeachment-Verfahren gegen Trump. Sondland war, parallel zu seinem Brüsseler Job, seit ­Monaten in Kontakt mit Beratern des ukrai­nischen Präsidenten Wolodimir Selenski. Im Beschwerdebrief des Whistleblowers, der die Affäre publik machte, wird erwähnt, Amerikas EU-Botschafter sei am Tag nach dem umstrittenen Telefonat zwischen Trump und Selenski in Kiew gewesen.

Er darf nicht aussagen

Textnachrichten zeigen, dass der Botschafter mit Trumps Anwalt Rudy Giuliani und dem Sondergesandten Kurt Volker kommuni­zierte. Nach Auffassung der Demo­kraten belegen die Nachrichten, dass die Lieferung von Militärhilfe an Kiew und ein Treffen ­Selenskis mit Trump verknüpft werden sollten mit der Aufnahme von Korruptionsermittlungen ge­gen Hun­ter Biden, Sohn des demokratischen Präsidentschaftsanwärters Joe Biden. Sie wollen Sondland im ­Repräsentantenhaus vernehmen.

Dabei soll es vor allem um den 9. September gehen. Der US-­Interimsbotschafter in Kiew, Bill Taylor, nannte es «verrückt, Militärhilfe zurückzuhalten für ­Hilfe für eine politische Kampagne». Darauf antwortete Sondland: «Bill, ich glaube, du hast die Absicht von Präsident Trump falsch verstanden.» Der habe ein «Quid pro quo»-Geschäft ausgeschlossen, so Sondland.

Ein solches Geschäft der Ge­genleistung könnte den füreine Amtsenthebung nötigen Tatbestand erfüllen – Stoff für interessante Fragen, doch das Aussenministerium hat Sondland am Dienstag verboten auszusagen.

In den USA ist es üblich, dass Grossspender ohne aussenpolitische Erfahrung Botschafter werden. Für Sondland erfüllte sich mit der Rückkehr nach Europa ein Traum. Seine Eltern ­stammen aus Berlin und Danzig und ­flohen vor dem Holocaust nach Seattle, wo sie eine Wäscherei betrieben. Ihr Sohn wurde als Kunstmäzen bekannt, fördert mit seiner Frau Wissenschafts- und Sozialprojekte, engagiert sich in der jüdischen Gemeinde in Oregon.

Ein demokratischer Senator aus Oregon verwendete sich für Sondland, als dieser sich im Senat als künftiger EU-Botschafter vorstellte. Da war nicht abzusehen, in was Sondland mit diesem Job hineingeraten würde.

Erstellt: 08.10.2019, 19:51 Uhr

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