Erschiessungskommandos statt Giftspritzen

Der Senat im US-Staat Utah verabschiedete ein Gesetz, das Exekutionskommandos wieder erlauben soll. Der Hintergrund: Nicht genügend Medikamente für die Todescocktails.

US-Staaten finden nicht genügend Gift für die Hinrichtungen: Todeszelle. (Archivbild)

US-Staaten finden nicht genügend Gift für die Hinrichtungen: Todeszelle. (Archivbild) Bild: Keystone

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Zum Tode verurteilte Straftäter könnten im US-Staat Utah bei einem Mangel an Giftspritzen möglicherweise bald von Exekutionskommandos erschossen worden. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf verabschiedete der Senat des Bundesstaates am Dienstag mit einer Mehrheit von 18 zu 10. Wenn der republikanische Gouverneur Gary Herbert das Gesetz nun unterzeichnet, wäre Utah der erste amerikanische Staat, in dem solche Kommandos erlaubt wären.

Herbert hat bislang nicht verkündet, wie er zu der Massnahme steht, die im Februar bereits knapp das Repräsentantenhaus von Utah passiert hatte. Herberts Sprecher Marty Carpenter teilte diese Woche jedoch mit, die Methode würde Utah eine legitime Alternative geben, sollten die Hinrichtungsmedikamente nicht verfügbar sein. Die Gefängnisbehörde von Utah hatte zuletzt angemahnt, sie habe derzeit keinerlei Mittel vorrätig.

Früher hatten die Todeskandidaten die Wahl

In dem konservativen Staat hatten zum Tode verurteilte Häftlinge bis vor fast einem Jahrzehnt die Wahl, ob sie von einem Exekutionskommando erschossen werden wollen. Die Praxis wurde 2004 von den Abgeordneten des Staates abgeschafft. Ihrer Ansicht nach erzeugte diese Massnahme eine übermässige Medienaufmerksamkeit, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit habe sich zudem weg von den Opfern und hin zu den Mördern gerichtet, hiess es damals.

Der Entwurf sieht vor, dass ein Erschiessungstrupp dann zum Einsatz kommt, wenn die tödlichen Injektionsmittel nicht bis 30 Tage vor der Hinrichtung zur Hand sind. Tatsächlich haben mehrere US-Staaten derzeit Probleme damit, die Todespräparate vorrätig zu haben, während die Hersteller in Europa sich geweigert haben, die Präparate an Gefängnisse zu verkaufen.

Der Initiator der Massnahme, der Republikaner Paul Ray, sagt, das Ziel der Wiedereinführung sei, dass Utah eine Option in einer Zeit habe, in der viele Staaten Mühen dabei hätten, die landesweit mangelnden Todesmittel zu erhalten. «Wir würden gerne eine funktionierende Todesspritze bekommen, so dass wir damit weitermachen können. Aber falls nicht, haben wir jetzt einen Backup-Plan», sagte Ray der Nachrichtenagentur AP.

«Grausames Überbleibsel der Tage des Wilden Westens»

Gegner des Vorhabens sagen, Erschiessungskommandos seien ein grausames Überbleibsel der Tage des Wilden Westens. Utah werde international in einem schlechten Licht dastehen, sollte die Massnahme durchgesetzt werden, so die Vorwürfe.

«Ich denke, Utah hat einen Riesenschritt zurück gemacht», sagte Ralph Dellapiana, der Direktor einer Organisation, die sich für Alternativen zur Todesstrafe einsetzt. Exekutionskommandos seien «ein Relikt einer barbarischeren Vergangenheit».

Utah ist einer von mehreren Staaten, die neue Formen für die Durchführung der Todesstrafe suchen, nachdem eine Hinrichtung per Giftspritze in Oklahoma im vergangenen Jahr schiefgegangen war. Eine weitere in Arizona hatte fast zwei Stunden gedauert.

Auch der Staat Arkansas erwägt eine entsprechende Gesetzgebung zu Exekutionskommandos. In Wyoming wurde eine solche Praxis abgelehnt. In Oklahoma ist ein Gebrauch von Stickstoff für Hinrichtungen im Gespräch. (chk/AP)

Erstellt: 11.03.2015, 05:55 Uhr

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