Analyse

Es droht das Comeback von «Clintonworld»

Hillary Clinton gilt als haushohe Favoritin für die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2016. Stolpersteine gibt es noch genügend.

Die erste richtige First Lady? Die Kandidatur von Hillary Clinton für die Präsidentschaftswahlen 2016 ist für die meisten Beobachter bereits beschlossene Sache (rechts Tochter Chelsea). Foto: Reuters

Die erste richtige First Lady? Die Kandidatur von Hillary Clinton für die Präsidentschaftswahlen 2016 ist für die meisten Beobachter bereits beschlossene Sache (rechts Tochter Chelsea). Foto: Reuters

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Noch sind es geschlagene drei Jahre bis zur nächsten US-Präsidentschaftswahl. Hillary Clinton aber ist bereits in aller Munde als demokratische Präsidentschaftskandidatin und mögliche Nachfolgerin Barack Obamas. «Wahrscheinlich werde ich erst nächstes Jahr daran denken», sagte sie vergangene Woche.

Der treue Kreis ihrer Mitarbeiter und Bewunderer, allen voran Ehemann Bill, ist überzeugt, dass Hillary ins Weisse Haus möchte. Sie hingegen wehrt vorerst ab. Nach vier anstrengenden Jahren als Obamas Aussenministerin schätzt sie die Normalität ihres Privatlebens. «Uns geht es prima: Wir lachen über unsere Hunde, wir schauen uns dumme Filme an, wir gehen schwimmen», beschrieb sie ihr Leben ohne Amt und Würden unlängst in einem Interview. Ein Vertrauter freilich behauptet, im Kopf sei sie schon längst eine Kandidatin. Und sie weiss natürlich, dass sie die Spitzenreiterin ist. Obschon, und gerade weil sie 2008 wider Erwarten die demokratische Nominierung gegen Barack Obama verloren hat.

Kritiker wünschen sich frische Gesichter

Der nächste Wahlkampf «wird besser werden – und anders», sagt Bill Clinton. Ob die Demokratische Partei die ehemalige First Lady und Senatorin des Bundesstaates New York (2001 bis 2009) zur Präsidentschaftskandidatin küren wird, ist gleichwohl so sicher nicht. Trotz ihrer riesigen Fangemeinde gibt es in der Partei Kritiker, die sich nach einem frischen Gesicht sehnen und «Clintonworld», dieses Amalgam der Clintons und ihrer Financiers und Entourage, auf den Mond wünschen. Immerhin beschäftigt die Familie Clinton Partei und Land seit 1988, als die Zukunftshoffnung Bill Clinton auf dem demokratischen Parteitag in Atlanta eine viel zu lange Rede hielt und dafür ausgelacht wurde.

Auch kreisen im Orbit der Clintons seit Bills politischen Kinderjahren als Gouverneur von Arkansas immer wieder buntscheckige Figuren wie Hillarys Bruder Tony Rodham oder Clinton-Geldmann Terry McAuliffe, der jetzt Gouverneur des Staats Virginia werden möchte. Dass Clinton als Präsident erheblichen Anteil an der Deregulierung der Wallstreet hatte, dürfte Segmente der Parteibasis bei den internen Vorwahlen ebenfalls verstören. Werden Wallstreet und die Banken 2016 zu einem demokratischen Vorwahlthema, könnte sich ein Konkurrent links von Hillary Clinton etablieren.

Demokratische Partei als Wundertüte

In der Partei haben Herausforderer Tradition: 1972 zog unerwartet der Vietnamkriegsgegner George McGovern am Kandidaten des Establishments vorbei. Desgleichen 2008, als Barack Obama auch deshalb gewann, weil er Hillary Clinton immer wieder ihr Senatsvotum für George W. Bushs Krieg im Irak vorhielt. 1984 brachte der krasse Aussenseiter und Senator Gary Hart den Favoriten Walter Mondale in Bedrängnis, 1976 überraschte Jimmy Carter die Bonzen der Partei: Kaum jemals folgte ein demokratischer Vorwahlkampf zur Nominierung des Präsidentschaftskandidaten dem Drehbuch der Washingtoner Power-Elite.

Warum also sollte es 2016 anders sein? Zwar zöge mit Hillary Clinton zum Stolz von Partei und Teilen der amerikanischen Bevölkerung erstmals eine Frau ins Weisse Haus ein. Im Gepäck hätte sie freilich «Clintonworld»: Den umtriebigen Ehemann, eine Tochter, der dieser Ehemann neulich bescheinigte, auch sie tauge zur Präsidentin («Sie weiss über alles mehr als wir»!), sowie die Entourage mit ihren Dramen und Eifersüchteleien.

Als etwa der Regisseur Charles Ferguson einen CNN-Dokumentarfilm über Hillary Clinton drehen wollte, gab er bald auf. Denn niemand traute sich zu reden: «Nicht die Demokraten, nicht die Republikaner – und erst recht nicht diejenigen, die mit den Clintons arbeiten», resignierte Ferguson. Erst war der Oscar-Preisträger von Hillarys Pressesekretär Nick Merrill regelrecht verhört worden, dann wurde der Clinton-Vertraute Phillipe Reines massiv bei CNN vorstellig, um das Projekt zu kippen: Ferguson war mit der «Clintonworld» kollidiert.

Erstellt: 09.10.2013, 22:31 Uhr

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