Es geht um Kopf und Kragen

Mueller gegen Trump: Der Sonderermittler will den Präsidenten befragen, der aber wehrt sich.

Trumps Anwälte werden in Verhandlungen mit Mueller (Bild) versuchen, den Umfang der Einvernehmung zu begrenzen und vorher abzustecken, was erlaubt und nicht erlaubt ist. Foto: J. Scott Applewhite (Keystone)

Trumps Anwälte werden in Verhandlungen mit Mueller (Bild) versuchen, den Umfang der Einvernehmung zu begrenzen und vorher abzustecken, was erlaubt und nicht erlaubt ist. Foto: J. Scott Applewhite (Keystone)

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Mal will er, mal will er nicht: Seit Russland-Sonderermittler Robert Mueller im Dezember Donald Trumps Anwälten mitteilte, er wolle den Präsidenten einvernehmen, sagt Trump mal zu, mal ab. Ein Verhör des Präsidenten unter Eid durch Muellers Team von Strafverfolgern und FBI-Agenten wäre der vorläufige Höhepunkt der Russland-Ermittlungen – und wahrscheinlich ein brisanter Moment für den notorisch undisziplinierten Präsidenten.

Hatte Trump noch im Juni verlauten lassen, er wolle sich «hundertprozentig» den Fragen des Sonderermittlers stellen, so sagte er am Mittwoch, ein Interview mit Mueller sei eher «unwahrscheinlich». Schliesslich habe er ja nichts verbrochen, geheime Absprachen zwischen seinem Wahlkampfstab und Moskau habe es nicht gegeben, und überhaupt sei die Russland-Affäre ein «demokratischer Schwindel».

Seit Wochen betont Trump manisch, es sei längst bewiesen, dass er und sein Wahlkampfstab nicht mit Moskau unter einer Decke gesteckt hätten. Ein solcher Unschuldsbeweis steht indes aus, Mueller könnte ihn erbringen – oder andernfalls nachweisen, dass Trumps Team im Wahlkampf 2016 doch mit Moskau kollaborierte.

Clintons Lüge auf Video

Am Donnerstag ruderten Trumps Anwälte denn auch zurück: Der Präsident sei am Mittwoch etwas eilig vorgeprescht, eine Entscheidung über seine Einvernahme durch Mueller noch nicht gefallen. Viel Spielraum haben Trumps Advokaten nicht: Ronald Reagan beantwortete 1987 im Rahmen des Iran/Contra-Skandals Fragen von Sonderermittler Lawrence Walsh schriftlich, derweil Bill Clinton 1998 sogar per Video von Sonderermittler Ken Starr einvernommen wurde.


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Er habe dabei «Fragen beantwortet, die kein amerikanischer Bürger über sich ergehen lassen möchte», kommentierte Clinton anschliessend. Das Verhör hatte es in sich: Clinton log unter Eid über seine Beziehung zur Praktikantin Monica Lewinsky und wurde später von der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus angeklagt. George W. Bush musste 2004 gleichfalls einem Sonderermittler Rede und Antwort stehen.

Angesichts dieser Präzedenzfälle können Trumps Anwälte eine Einvernahme ihres Mandanten wohl kaum ablehnen. Allerdings werden sie versuchen, das Format der Befragung zu kontrollieren. Denn die Aussicht, Trump einem Verhör durch hartgesottene Staatsanwälte auszusetzen, treibt den Juristen des Weissen Haues den Schweiss auf die Stirn: Der impulsive Präsident könnte sich in Muellers Netz verheddern und um Kopf und Kragen reden.

Donald Trump drohen erhebliche Gefahren.

Zumal es ihm an Disziplin mangelt: 2016 wurde Trump bei einer Zivilklage einvernommen und schockierte die anwesenden Anwälte mit der Bemerkung, er habe «so gut wie nichts getan», um sich vorzubereiten. Seine Anwälte unter Führung von Ty Cobb werden daher in Verhandlungen mit Mueller versuchen, den Umfang der Einvernehmung zu begrenzen und vorher abzustecken, was erlaubt und nicht erlaubt ist.

Trotzdem drohen Trump erhebliche Gefahren: Weder der Präsident noch seine Anwälte wissen genau, was Mueller zusammengetragen und beispielsweise von kooperierenden Zeugen wie Trumps Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn oder Trumps ehemaligem aussenpolitischen Wahlkampfberater George Papadopoulos erfahren hat.

Cobb und sein Team werden den Präsidenten deshalb mit allen erdenklichen Szenarien konfrontieren und ihm vorgefertigte Antworten einbläuen. Improvisiert der Präsident trotzdem, könnte es ihm übel ergehen. Zumal Mueller nicht nur angebliche Kontakte mit Moskau untersucht, sondern auch Justizbehinderung. Trump muss beispielsweise erklären können, wieso er seinem Sohn Don junior eine nachweislich falsche Erklärung für das Treffen des Sohns mit einer russischen Anwältin im Juni 2016 diktierte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.01.2018, 19:22 Uhr

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