Etappensieg für Maduro

Die Hoffnungen auf einen schnellen, unblutigen Machtwechsel in Caracas schwinden.

An der Grenze zu Kolumbien ist es zu Zusammenstössen gekommen. Video: AFP/SDA

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Auf den ersten Blick mag der selbst ernannte venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó jetzt wie der moralische Sieger aussehen. Sein Gegenspieler Nicolás Maduro hat am Samstag vor den Augen der Welt seine ganze Kaltblütigkeit demonstriert, indem er die sehnsüchtig erwarteten humanitären Hilfslieferungen mit brutaler Gewalt zurückdrängen liess. Die Konvois und ihre freiwilligen Helfer wurden an den Grenzübergängen mit Tränengas und Gummigeschossen empfangen, es gab Tote und Verletzte – vor den Augen von Hungernden verbrannten Nahrungsmittel.

Trotzdem scheint Maduros Kalkül zumindest für diesen Tag aufgegangen zu sein. Wohl wissend, dass er in Sachen Moral ohnehin nichts mehr zu verlieren hat, darf er sich nun zumindest über einen politischen Etappensieg freuen. Guaidó hatte seine Anhänger auf eine Art Entscheidungsschlacht eingeschworen, indem er ankündigte, die Hilfslieferungen «ohne Wenn und Aber» ins Land zu bringen.

Die Zahl der desertierten Soldaten und Polizisten war viel zu gering, um am Spiel der Kräfte etwas Grundlegendes zu verändern.

Dieser Plan ist vorerst gescheitert. Unterm Strich steht: Maduro hat gezeigt, dass er weiterhin die Grenzen und die Streitkräfte kontrolliert. Die Zahl der desertierten Soldaten und Polizisten war viel zu gering, um am Spiel der Kräfte etwas Grundlegendes zu verändern. Damit schwinden die Hoffnungen auf einen schnellen, unblutigen Machtwechsel in Caracas.

Zwei Optionen werden nun wahrscheinlicher: ein lang­wieriger Stellungskampf, in dem der Tyrann Maduro so weitermacht wie bisher, oder eine Militärintervention. In beiden Fällen wäre das venezolanische Volk auf der Verliererseite.

Erstellt: 24.02.2019, 20:25 Uhr

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